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< Energienetze in der EU – Rollen und Aufgaben
11.09.2017 15:05 Alter: 75 days

Eine energiepolitisch bewegte Legislaturperiode

Eine energiepolitisch turbulente Legislaturperiode liegt hinter uns und die Bundestagswahl des Jahres 2017 steht an. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat nicht nur einen Ministerwechsel überstanden, sondern sich auch für einen sogenannten Strommarkt 2.0 entschieden. Jedoch bleibt festzuhalten, nach wie vor wird zu einseitig auf den Strommarkt orientiert, andere Sektoren wie Wärme und Mobilität in der Gesamtbetrachtung noch sträflich vernachlässigt. Und von den Kosten der Energiewende für Kommunen, Verbraucher und Unternehmen ganz zu schweigen.


Eine Anmerkung für die künftige Bundesregierung aus unserer Verlagsredaktion.

Grafik: www.punkt191.de

Mit einem Grün- und Weißbuchprozess hat das Bundeswirtschaftsministerium die Diskussion zur Zukunft des Strommarkts weitergeführt. Das Ergebnis: die Ausrichtung auf einen Strommarkt 2.0, der sich vor allem durch ein System aus Reserven trägt und ansonsten auf Preisspitzen als Investitionsanreize setzt. Es ist aber davon auszugehen, der Strommarkt 2.0 wird nicht die letzte Version sein.

Sektorenkopplung- Lösung für die Zukunft?

Langsam aber stetig nimmt das Thema Sektorenkopplung Fahrt auf. Experten wissen, dass die Energiewende nur unter Einbeziehung des Wärme- und Mobilitätssektors erfolgreich weitergeführt werden kann. Ansonsten gelingt es nicht, den Dekarbonisierungspfad weiter zu beschreiten und ein stabiles Energiesystem aufzubauen, dass immer mehr erneuerbare Energie (EE) aufnehmen kann. Dabei sollten die Chancen der Sektorenkopplung genutzt, aber zugleich die Herausforderungen und Begrenzungen realistisch erkannt werden. Und Technologieoffenheit ist eine notwendige Voraussetzung.

Lösungen für intelligente Netze

Deutschland hat eines der zuverlässigsten Energieversorgungssysteme weltweit, es muss aber zukunftssicher umgebaut werden. Die zunehmend hohen Anteile volatiler und dezentral eingespeister erneuerbarer Energie erfordern einen effizienten Netzausbau, aber auch die Entwicklung neuer Lösungen für intelligente Netze. Deshalb benötigen wir leistungs- und handlungsfähige Verteilnetze. Das schließt den sinnvollen Austausch von Daten mit den Übertragungsnetzbetreibern ein.

Wer soll das bezahlen?

Nach der Strompreisanalyse des BDEW zu Beginn dieses Jahres werden Steuern, Abgaben und Umlagen in 2017 mehr als die Hälfte (54 %) des Strompreises ausmachen. Und damit die staatlichen Belastungen beim Strompreis 2017 ein Rekordhoch erreichen: Die Haushalte werden mit ihrer Stromrechnung über 35 Milliarden Euro für Steuern, Abgaben und Umlagen zahlen. Das ist fast dreimal so viel, wie der Bund 2017 für Investitionen in Straßen, Schienenwege und Wasserstraßen einplant. Dabei beträgt der von den Energieversorgern selbst beeinflussbare Anteil am Strompreis (Strombeschaffung und Vertrieb) aktuell weniger als 22 %. Dieser Anteil wird in 2017 voraussichtlich weiter sinken. Vertriebe können Strompreise kaum beeinflussen. So bleibt zu diskutieren, wie die Finanzierung der Energiewende künftig sinnvoll gestaltet werden kann. Sollen Erneuerbare Energien zur tragenden Säule im Strommix werden, muss die Energiewende viel effizienter umgesetzt werden.

Das Energiesystem der Zukunft muss resilient sein

Das Konzept „Resilienz“ steht gegenüber herkömmlichen Risikomanagement für einen Perspektivwechsel. Es ist die gemeinsame Aufgabe von Netz- und Kraftwerksbetreibern, Behörden, politischen Entscheidungsträgern und Wissenschaftlern. Für alle Beteiligten steht systemische Steuerung als Erfordernis oben an. Festlegen, wer die Verantwortung für das Gesamtsystem trägt, ist nötiger denn je, wenn Energiewende gelingen soll.

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