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< Biomethan als Schlüssel für klimaneutrale Wärme
07.04.2026 17:26 Alter: 28 days

Warum es jetzt auf Energieverbünde ankommt

„Unternehmensverbünde müssen Stärke und Professionalität großer Unternehmen ermöglichen, ohne die lokale Verankerung und Dezentralität aufzugeben.“


Dr. Constantin H. Alsheimer, Vorsitzender des Vorstands der Thüga Aktiengesellschaft

Die Energiewende ist eine der größten technischen und wirtschaftlichen Transformationsaufgaben Deutschlands. Sie betrifft Strom, Wärme und Verkehr gleichermaßen. In einem Gastbeitrag für THEMEN!magazin unterstreicht Dr. Constantin H. Alsheimer, Vorsitzender des Vorstands der Thüga Aktiengesellschaft, für das Gelingen der Transformation sind Energieverbünde unverzichtbar.

Geothermie: heiß oder kalt?
Wie die Wärmeversorgung klimaneutral gestalten? Geothermie gilt als eine vielversprechende Möglichkeit. Einige Thüga-Partnerunternehmen prüfen bereits mit unterschiedlichen Methoden die Chancen vor Ort. Thüga unterstützt bislang bei der Wirtschaftlichkeitsbewertung.

Die Energieversorgung ist im Umbruch. Viel wurde in den vergangenen Jahren erreicht, doch der anspruchsvollste Teil liegt noch vor uns. Bis 2030 müssen über 700 Milliarden Euro investiert werden, jährlich rund 140 Milliarden. Und dies in einem Umfeld mit über 16.000 energiewirtschaftlichen Normen und zahlreichen regulatorischen Detailvorgaben. Der Erfolg der Energiewende hängt maßgeblich davon ab, Klimaneutralität zu möglichst geringen Kosten zu erreichen. Nur wenn die Belastungen für Bürger und Unternehmen tragbar bleiben, wird die gesellschaftliche Akzeptanz gesichert.

Bewährtes nicht infrage stellen

Die Grundsätze der sozialen Marktwirtschaft haben sich in der Vergangenheit als besonders geeignet erwiesen, große volkswirtschaftliche Veränderungen zu steuern. Preisliche Knappheitssignale setzen Investitionsanreize dort, wo sie volkswirtschaftlich sinnvoll sind, und fördern die Innovationskraft der Marktakteure. Auch für die Energiewende gilt: Sie wird effizienter, wenn der Staat verlässliche Rahmenbedingungen setzt und sich auf seine Kernaufgaben konzentriert, während Marktmechanismen für Dynamik und Kreativität sorgen.

Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, weniger Bürokratie und mehr Markt zu ermöglichen – ein notwendiger, aber komplexer Umstellungsprozess, der sorgfältige Übergänge erfordert.
Planungssicherheit ist dabei ein zentraler Faktor. Unternehmen investieren dann, wenn regulatorische Vorgaben stabil sind und Genehmigungsverfahren schnell und transparent verlaufen. Übermäßige Detailregulierung, häufige Änderungen oder politische Unsicherheiten hemmen Investitionen und verlängern die benötigten Zeiträume. Regulierung bleibt dort wichtig, wo natürliche Monopole bestehen – etwa im Netzbereich. In anderen Feldern, etwa bei Tarifmodellen oder Technologien, kann mehr Wettbewerb dagegen effizientere Lösungen hervorbringen.

Ein wesentlicher ordnungspolitischer Pfeiler bleibt der europäische Emissionshandel. Sein CO₂-Preis setzt klare, technologieoffene Anreize, die wirksam und kosteneffizient wirken. Zu umfangreiche Fördertatbestände hingegen verwässern diese Anreize und verteuern den Umbau. Der Koalitionsvertrag enthält wichtige Schritte wie beschleunigte Planungs- und Genehmigungsverfahren, effektiver organisierte Behördenkommunikation und Digitalisierungsinitiativen. Gleichzeitig führen Eingriffe wie die stärkere Steuerung der Netzplanung (etwa durch die NEST Reform), verpflichtende Tarifstrukturen oder Einschränkungen bestimmter Heiztechnologien zu einer Schwächung marktwirtschaftlicher Mechanismen.

Finanzierung rückt in den Fokus

Neben der Regulierung rückt die Finanzierung in den Fokus. Die Investitionen in Netze, Erzeugung und digitale Infrastruktur sind enorm. Angesichts begrenzter staatlicher Mittel wird privates Kapital unverzichtbar bleiben. Öffentliche Gelder können unterstützen, absichern und ergänzen, doch ohne die Einbindung privater Investoren lassen sich die nötigen Summen nicht stemmen. Instrumente wie ein Deutschlandfonds oder neue Infrastrukturprogramme können hier wirken. Ein zentrales Prinzip jedoch muss gelten: Investitionen müssen langfristige Versorgungssicherheit gewährleisten. Die Qualität kritischer Infrastrukturen darf durch Finanzierungsmodelle nicht leiden. Gerade kommunal verankerte Energieunternehmen spielen hier eine stabile und verbindende Rolle.

Parallel verändert sich das Energiesystem grundlegend. Der Strombedarf steigt deutlich – durch Wärmepumpen, E-Mobilität, industrielle Anwendungen und Rechenzentren. Während Strom derzeit rund ein Viertel des Endenergieverbrauchs ausmacht, wird sein Anteil in den kommenden Jahren erheblich wachsen. Entscheidend wird sein, Erzeugung und Netzausbau besser zu verzahnen, um ineffiziente Situationen wie Abregelungen zu vermeiden. Das Netzausbaupaket der Bundesregierung setzt hierfür wichtige Prioritäten, doch der Fokus auf Systemeffizienz muss noch stärker in den Mittelpunkt rücken. Der Monitoring-Bericht 2025 bietet erstmals eine realistischere Grundlage für die Planung. Viele frühere politische Zielgrößen – etwa zum Ausbau von Windkraft oder Wärmepumpen – waren nicht mehr zeitgemäß. Ihre Aktualisierung führt zu einer klaren Kurskorrektur und unterstützt eine systemische, statt rein mengengetriebene Weiterentwicklung des Energiesystems.

Mit der Kraftwerksstrategie hat die Bundesregierung zudem beschlossen, 12 Gigawatt gesicherter Leistung auszuschreiben, darunter flexible Gaskraftwerke und Speicher. Eine spätere Umstellung auf Wasserstoff ist vorgesehen. Ergänzend soll bis 2032 ein Kapazitätsmarkt etabliert werden. Angesichts der über 70.000 bereits existierenden dezentralen Kraftwerke ist diese Strategie notwendig. Bei allen Ausschreibungen sollten geringe Leistungsschwellen, technologische Offenheit und regionale Flexibilität die Leitlinien sein.

Unternehmensverbünde sind gefragt

Die deutsche Energiewirtschaft ist geprägt von Dezentralität. Rund 1.400 Energieanbieter existieren, viele davon kleine und mittlere Unternehmen mit begrenzter Risikotragfähigkeit. Große Investitionen – in Netze, IT Sicherheit, erneuerbare Erzeugung oder Energiehandel – stellen sie zunehmend vor Herausforderungen. Unternehmensverbünde bieten hier eine überzeugende Lösung: Sie ermöglichen Skaleneffekte, bündeln Investitionen, teilen Know how, reduzieren Kosten und machen kleinere Stadtwerke wettbewerbs- und zukunftsfähig. Rund 1000 kommunale Versorger sind zentrale Akteure der Energiewende. Sie sind verlässlich vor Ort verankert, nahe an Bürgern und Unternehmen, betreiben Netze, investieren in erneuerbare Energien und setzen die Wärmewende um. Kooperationen ermöglichen es kleinen Stadtwerken, Projekte zu stemmen, die sie allein nicht realisieren könnten. Die Thüga-Gruppe als größter kommunaler Verbund bündelt jährlich Investitionen von rund 1,6 Milliarden Euro und schafft damit Effizienz, Sicherheit und wirtschaftliche Stärke.

Gleichzeitig wird sich der Trend zur Konsolidierung fortsetzen. Viele Regionen werden wirtschaftlich größere Einheiten benötigen – Entwicklungen, wie sie Sparkassen, Volksbanken oder der Einzelhandel bereits erlebt haben. Entscheidend bleibt jedoch die Qualität der Verbünde: Sie müssen Stärke und Professionalität großer Unternehmen ermöglichen, ohne die lokale Verankerung und Dezentralität aufzugeben. Die Energiewende ist deshalb auch die „Stunde der Verbünde“. Sie tragen wesentlich dazu bei, den Umbau des Energiesystems effizient, tragfähig und im Sinne der Kommunen zu gestalten.

www.thüga.de