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03.09.2019 15:53 Alter: 15 days

Unser Weg in eine CO2-neutrale Zukunft

Ein nachhaltiges Energiesystem ist vor allem eines: vielfältig. Es basiert auf unterschiedlichen Technologien und Energieträgern. Aktueller Beweis dafür ist der Berliner Energieversorger GASAG.


In einem Gastbeitrag zeigt Dr. Gerhard Holtmeier, Vorstandsvorsitzender der GASAG AG auf, wie sich das Unternehmen für ein klimaneutrales „Berlin 2050“ engagiert.

Foto: Andreas Krone

Nachhaltigkeit und Wachstum lassen sich vereinbaren. Die vor mehr als 170 Jahren als Gasversorger für Berlin gegründete GASAG ist heute ein innovativer Energiedienstleister mit einer breiten Produktpalette. Sie reicht von Erdgas, Bio-Erdgas und Ökostrom bis hin zu zukunftsweisenden Energielösungen für Gebäude und Quartiere. Mit unserem Erdgasnetz bieten wir eine wichtige Infrastruktur für die Energiewende. Unser Leitbild bei der Erweiterung unseres Portfolios war und ist eine nachhaltige Energieversorgung: sicher, bezahlbar und klimafreundlich.

Längst versorgt die GASAG-Gruppe ihre Kunden nicht mehr nur mit Erdgas. Unser Ziel ist eine CO2-neutrale Energieversorgung – dafür engagieren wir uns. Wir verkaufen Bio-Erdgas aus eigenen Anlagen, betreiben Windparks und Solaranlagen und bieten unseren Kunden Ökostrom an. Darüber hinaus entwickeln wir maßgeschneiderte, innovative, effiziente und vor allem emissionsarme oder sogar emissionsneutrale Energielösungen, sei es für einzelne Gebäude oder für ganze Quartiere.

Vielfalt: Kennzeichen der integrierten Energiewende

Ein nachhaltiges Energiesystem ist vor allem eines: vielfältig. Es basiert auf unterschiedlichen Technologien und Energieträgern. Die Energiewende wurde in den vergangenen Jahren vorrangig als eine Stromwende diskutiert. „All electric“, also eine strombasierte Energieversorgung auch im Wärme- und Mobilitätssektor, war über lange Zeit der Ansatz, der von der Politik favorisiert und durch die entsprechenden Rahmensetzungen gefördert wurde. Inzwischen hat bei vielen politischen Entscheidungsträgern ein Umdenken eingesetzt. Denn klar ist: Mit Ökostrom allein ist eine nachhaltige und klimaneutrale Energieversorgung nicht machbar. Eindrücklich gezeigt hat dies nicht zuletzt die Deutsche Energie- Agentur (dena) mit ihrer Leitstudie „Integrierte Energiewende“.

Flexibilität sichert Zukunftschancen

Die Studie untersucht in Szenarien sowohl die technischen Möglichkeiten als auch die Wirtschaftlichkeit unterschiedlicher Energieversorgungskonzepte der Zukunft. Das Ergebnis: Durch einen breiten Mix an Technologien und Energieträgern würde die Energiewende nicht nur deutlich kostengünstiger. Gerade die Einbeziehung bestehender Energieinfrastrukturen ermöglicht auch flexiblere Lösungsansätze, so die Studie. Technologieentwicklungen, die heute noch nicht absehbar sind, könnten so wesentlich besser aufgegriffen werden. Und Chancen genutzt werden, die durch eine einseitige Ausrichtung der Energiewende möglicherweise verbaut würden.

Grüne Gase werden Erdgas langfristig ersetzen

Die dena-Studie bedeutet für die GASAG eine große Motivation; sie ist eine Bestätigung für die Projekte, an denen wir intensiv arbeiten. Dazu zählen Lösungen, die fossiles Erdgas auf Dauer durch grüne Gase wie Biogas, synthetische Gase oder Wasserstoff nachhaltig ersetzen können. Denn solche klimafreundlichen Energieträger werden künftig eine wichtige Rolle spielen. Sie können die Lücke schließen, die nicht durch Energieeffizienz oder die direkte Nutzung von Ökostrom abgedeckt werden kann. In Ketzin plant die GASAG-Gruppe gemeinsam mit der E.DIS AG bereits den Bau einer Power-to-Gas-Anlage.

Gasnetze: Drehscheibe der integrierten Energiewende

Noch müssen immer wieder Windparks abgeregelt werden, weil der Ökostrom zeitweise nicht aufgenommen werden kann. Damit geht erneuerbar gewonnene Energie verloren. Gleichzeitig entstehen Kosten, die die Stromkunden belasten. Power-to-Gas kann hier eine wichtige Systemfunktion übernehmen. Volatiler Strom aus Wind und Sonne kann in Wasserstoff oder synthetisches Gas umgewandelt und in die Gasnetze eingespeichert werden. Die bestehenden Gasnetzinfrastrukturen sind der größte existierende Energiespeicher. Im Energiesystem von morgen werden sie deshalb von entscheidender Bedeutung sein - auch das von unserer Tochtergesellschaft NBB Netzgesellschaft Berlin- Brandenburg betriebene Berliner Erdgas-Netz.

Neuland betreten – für fortschrittliche Lösungen

Auch Erdgasspeicher bieten vielversprechende Potenziale. Die GASAG hat ein Forschungsvorhaben angestoßen, das untersuchen soll, ob der Berliner Erdgasspeicher für die Speicherung und Herstellung von grünem Gas genutzt werden kann. Der Betrieb des Speichers ist unwirtschaftlich geworden, seine Stilllegung bis zum Jahr 2023 bereits beschlossen. Jetzt prüfen wir, den Speicher als Infrastruktur für das künftige Energiesystem weiterzunutzen. Hier könnte nicht nur in Wasserstoff umgewandelter Überschussstrom gespeichert werden. Aufgrund der speziellen Bedingungen im Speicher könnte hier auch Methan erzeugt werden. Im Boden der Speicherstrukturen leben anaerobe Bakterien, die sich von CO2 ernähren und Wasserstoffelektronen brauchen, um die Energie aufzunehmen. Bei diesem Prozess entsteht CH4 – also Methan, das optimal in die Gasnetzinfrastrukturen eingespeist werden könnte. Derzeit läuft für das Projekt ein Förderantrag beim Bund. Wird das Vorhaben genehmigt, wollen wir das zu entwickelnde „Untergrund- Methanisierung im Aquiferspeicher“- Verfahren, kurz UMAS, zunächst im Labor rekonstruieren und später in einem Teil des Speichers anwenden. Der Speicher könnte in Zukunft also sowohl ein riesiger grüner Akku für Berlin sein, als auch ein innerstädtischer Produzent von synthetischem Gas.

Konsequent in Richtung CO2-Neutralität

Mit der GASAG Solution Plus arbeiten wir an ganzheitlichen Versorgungslösungen sowohl für einzelne Gebäude als auch für ganze Quartiere. Bei allen Versorgungskonzepten geht es uns darum, durch kluge Vernetzung, intelligente Steuerung und Monitoring die Energieeffizienz zu steigern und Emissionen zu vermeiden. Mit dem Ziel, die erneuerbaren Energien noch weiter sinnvoll in unsere ganzheitlichen Angebote zu integrieren.

Mit dem Erwerb der Geo-En sind wir jetzt auch in den Geothermie-Markt eingestiegen. Der Geothermie-Spezialist hat umfangreiche Erfahrung und das Knowhow, die Energie aus dem Grundwasser oder auch dem Abwasser für die Beheizung und Kühlung von Gebäuden nutzbar zu machen. Und das auch innerstädtisch, auf kleinster Fläche. Innovation ist und bleibt Teil unseres Denkens und Handelns. Nachhaltige Energieversorgung heißt: mehr Dezentralität, mehr Dekarbonisierung und mehr Digitalisierung. Dafür sind manche große, vor allem aber viele kleine Schritte erforderlich, die wir als GASAG-Gruppe konsequent gehen.

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