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29.07.2013 10:05 Alter: 11 yrs
Kategorie: Nachhaltigkeit

Übertragungsnetz unter Druck

Die Nichtverfügbarkeit konventioneller Kraftwerke setzt das Übertragungsnetz unter Druck. Laut aktuellem Bericht der Bundesnetzagentur zum Zustand der leitungsgebundenen Energieversorgung im Winter 2012/13 kam es am 25. und 26. März 2013 im Übertragungsnetz von 50Hertz und TenneT für einige Stunden zu kritischen Situationen. Ursache war die hohe Einspeisung aus konventionellen Kraftwerken und Erneuerbaren-Energien Anlagen im nördlichen Deutschland, die die vortägige Einspeiseprognose der Übertragungsnetzbetreiber übertraf.


Kraftwerk Irsching, Foto: Rolf Sturm

Im Vergleich zum vorhergegangenen Winter war die Situation in den Stromübertragungs- und Gasfernleitungsnetzen trotz des langen Winters weit weniger angespannt. Dennoch kam es an einigen Tagen zu Belastungssituationen im Stromnetz, die die Versorgungssicherheit potenziell gefährdeten und zeigten, dass die getroffenen Vorsorgemaßnahmen richtig und angemessen waren.  „Auch wenn die Situation in den Strom- und Gasnetzen witterungsbedingt weniger angespannt war als im vorangegangenen Winter, dürfen wir uns nicht in Sicherheit wiegen. Ein zügiger Netzausbau ist und bleibt das Gebot der Stunde, um auch zukünftig eine sichere Versorgung gewährleisten zu können“, so Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur in seiner Einschätzung.

Bereits am 24. Dezember 2012 traf eine sehr steile Windflanke, d. h. eine kurzfristig stark erhöhte Einspeisung aus Windenergieanlagen mit einer sehr geringen Stromnachfrage zusammen. Gleichzeitig wurden konventionelle Erzeugungsanlagen nicht weiter heruntergeregelt, was die Situation verschärfte. Am 10. Februar 2013 kam es zu einer Überspeisung der deutschen Regelzone aufgrund fehlerhafter Prognosen der Photovoltaikeinspeisung. Die Schneebedeckung von Photovoltaikmodulen war geringer als angenommen, tatsächlich betrug die Photovoltaikeinspeisung das Doppelte der vortägigen Prognose. Auf Basis dieser Prognose schien der Einsatz von Reservekraftwerken nicht notwendig, normaler Redispatch mit süddeutschen konventionellen Kraftwerken wäre ausreichend gewesen. Allerdings konnte der Redispatch nicht in dem erforderlichen Maße durchgeführt werden, u. a. bedingt durch die ungeplante und kurzfristige Nichtverfügbarkeit der Kraftwerke Irsching 5 und Staudinger 5 aus technischen Gründen und einem Anfahrverbot für das Kraftwerk Ingolstadt wegen drohender Überlastung des Anschlussnetzes. Die Bundesnetzagentur erwartet nun von den Übertragungsnetzbetreibern im Laufe dieses Sommers belastbare Erkenntnisse zum Reservekraftwerksbedarf für die Zeit nach der Abschaltung des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld, um Klarheit über ggf. erforderliche Maßnahmen zu erhalten. Insbesondere die Fertigstellung der Südwest-Kuppelleitung zwischen Thüringen und Franken ist von großer Bedeutung für das Gelingen der sicheren Abschaltung des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld im Dezember 2015. Der Präsident der Bundesnetzagentur ist zuversichtlich, dass nach erfolgter Genehmigung des Leitungsvorhabens rasch mit den Trassierungsarbeiten begonnen werden kann. Für das Planfeststellungsverfahren notwendige Unterlagen wurden bereits bei den entsprechenden Behörden der Länder eingereicht. Die für den Bau der SüdwestKuppelleitung zuständigen Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz und TenneT gehen davon aus, dass die Fertigstellung des Leitungsbauprojekts im Jahr 2015 möglich ist.