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Transformation. Gemeinsam. Mehr Europa wagen
„Richtig gemacht, ist die Transformation vielleicht die größte Chance für Europa in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte. Dafür brauchen wir weniger Ideologie, mehr Realismus und ein Bekenntnis. Denn Strom folgt nur der Physik.”
Die Transformation des Energiesystems ist eine gewaltige Herausforderung. Und zugleich auch eine Chance für Europa, unterstrich Dr. Michael Strugl, CEO des Energieversorgers VERBUND aus Österreich in seiner Wortmeldung auf dem Handelsblatt Energie-Gipfel 2026 in Berlin. THEMEN!magazin spiegelt hier wesentliche Kernaussagen von Dr. Strugl.
Es ist sichtbar, der Standort Europa bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück. Wenige Zahlen belegen dies: Eine koordinierte und abgestimmte Transformation des Energiesystems ist bis zu 40 Prozent effektiver und günstiger als nationale Alleingänge. Ein vollständiger Energie-Binnenmarkt, basierend auf Erneuerbaren Energien, verspricht nach Aussage des Internationalen Währungsfonds Kostenvorteile von von rd. 40 Mrd. Euro pro Jahr.
Wenn es auch unpopulär erscheinen mag, wir brauchen in vielen Bereichen mehr Europa, nicht weniger. Es zeigt sich immer mehr, im globalen Wettbewerb kann nur ein geeintes Europa den großen Volkswirtschaften der USA und China die Stirn bieten. Das erfordert eine (Rück-)besinnung auf die zentrale Stärke: den Binnenmarkt. Denn es ist bis heute nicht gelungen, diesen Binnenmarkt zu vervollständigen. Ob Kapitalmarktunion oder Energiebinnenmarkt, wir sehen uns hier mit Hindernissen und Hürden konfrontiert, die unsere Schlagkraft schädigen.
Einstellung zur Transformation ändern
Es ist mehr als ein Appell: Europa muss seine grundsätzliche Einstellung zur Transformation ändern. Die USA und China machen es vor: Ökonomische Chancen nutzen und die wirtschaftlichen Impulse in den Mittelpunkt stellen. Auch wenn wir es subjektiv vielleicht anders wahrnehmen, bei Investitionen in saubere Technologien sind China und die USA die größten Investoren in saubere Technologien. Und China übererfüllt seine Zielsetzungen beim erneuerbaren Ausbau deutlich.
Die Überbetonung einzelner Ziele macht nicht nur Probleme, sie schwächt zugleich auch die Zielerreichung und letztlich den Wirtschaftsstandort. Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit zeigen, welche Kraft es braucht, um Fehlentwicklungen zu korrigieren. Und es ist nicht zu übersehen: Diese Kurskorrekturen sind zugleich eine Gefahr für die Basis allen politischen Handelns: Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit. Deshalb sind Verbote, dies zeigt die bisherige Entwicklung, keine geeigneten Instrumente für die Transformation und zur Erreichung ihrer Ziele.
Eine Anmerkung
Es gibt viele gute Gründe für die Transformation des Energiesystems. Und man kann die Transformation auch, ohne den Begriff “Klimaschutz” zu erwähnen, befürworten. Denn am Ende ist das Projekt der Transformation des Energiesystems einfach nur richtig. Und man muss es nur richtig machen: gemeinsam!
Wie sollte die Devise lauten? Mehr Realismus und weniger Ideologie. Denn Energieversorgung muss sicher, sauber und bezahlbar sein. Wir tun gut daran, diese drei Zielsetzungen gleichrangig zu behandeln. Letztlich gibt es für uns nur eine Maxime: In Zukunft machen wir es anders, jedenfalls aber besser.
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