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Steigern. Sichern. Weiterbauen.
“Planauskunft ist zu einem zentralen Instrument der Risikovorsorge geworden.”
Deutschland macht Druck beim Infrastrukturausbau. Doch je mehr Leitungen, Betreiber und Bauprojekte aufeinandertreffen, desto größer wird die Herausforderung, den Überblick zu behalten. Gemeinsame Sicherheitsstandards, lückenlose Dokumentation und eine intelligente Planauskunft bilden auf dem Weg nach oben unverzichtbare Sicherungsanker. Ein Gastbeitrag von Dr. Eva Benz, Prokuristin und verantwortlich für Geschäftsentwicklung und Strategie bei der BIL eG.

- Foto: iStock
Wer klettert, kennt die Grundregel: Wer hoch hinaus will, tut gut daran, sich abzusichern. Das gilt beim Klettern ebenso wie beim Ausbau der Infrastruktur. Je dichter und vernetzter Leitungen, Netze und Anlagen werden, desto wichtiger sind verlässliche Sicherheitskonzepte.
Betreiber von Fernleitungen für Gas, Öl, Strom oder Chemie arbeiten seit Jahrzehnten mit etablierten Prozessen zu Netzsicherheit, Dokumentation und Schadensprävention. Die systematische Planauskunft – also die Auskunft darüber, wo Leitungen liegen – ist dort seit langem Teil der Betriebsorganisation. Entsprechend nutzen heute nahezu alle Betreiber dieser kritischen Leitungsinfrastrukturen das BIL Portal, um standardisiert und nachvollziehbar Auskunft über ihre Netze zu geben.
Vom überschaubaren Markt zum vernetzten Infrastrukturökosystem
Noch vor wenigen Jahren war die Infrastrukturlandschaft vergleichsweise stabil: Kommunale Versorger, Stadtwerke, große Netzbetreiber, Fernleitungsunternehmen und einige etablierte Telekommunikationsanbieter prägten das Bild. Zuständigkeiten waren klar geregelt, Ansprechpartner über Jahre dieselben. Diese Situation verändert sich grundlegend.
Vor allem in der Telekommunikation, bei erneuerbaren Energien und perspektivisch im Wasserstoffbereich entstehen neue Betreiberstrukturen. Projektentwickler, Investoren, Infrastrukturgesellschaften und spezialisierte Netzbetreiber übernehmen Aufgaben, die früher bei wenigen großen Organisationen gebündelt waren. Gleichzeitig agieren Bauund Subunternehmen in immer komplexeren Vergabe- und Auftragnehmerketten über das gesamte Bundesgebiet.
„Die Zahl der Beteiligten wächst, die Projekte werden komplexer. Umso wichtiger ist eine verlässliche Informationsbasis für alle Beteiligten. Mit jeder neu errichteten Leitung, jedem Glasfaserabschnitt, jedem Windpark wächst gleichzeitig die Verantwortung gegenüber den bereits vorhandenen Infrastrukturen im Umfeld.“
- Nikolaus Frank, Leiter Unternehmenskommunikation der BIL eG
Unklare Datenlage
Im Gespräch mit Bauunternehmen, Planungsbüros und Anfragenden im Umfeld des Glasfaser- und Infrastrukturausbaus wird klar: Neu verlegte Leitungen werden mitunter erst Monate oder sogar Jahre später vollständig in Bestandsunterlagen übernommen, wenn sie nicht sogar durch wechselnde Eigentumsverhältnisse ganz verloren gehen. Die Konsequenz: Wo keine Dokumentation existiert, kann auch keine Leitungsauskunft erteilt werden.
Hinzu kommt ein weiteres Thema. Selbst Betreiber, die im Rahmen von Planungs- und Genehmigungsverfahren als Träger öffentlicher Belange beteiligt werden sollten, sind nicht immer vollständig in den entsprechenden Verzeichnissen erfasst. Viele Kommunen wissen um diese Lücken und geben vorhandene Listen nur eingeschränkt heraus, um keine Haftungs- oder Gewährleistungsrisiken einzugehen. Für Planende und Bauausführende folgen daraus Blindflüge an der Baustelle.
Erschwerend kommt hinzu, dass Bauvorhaben heute häufig von bundesweit oder international tätigen Ingenieurbüros und Generalunternehmern geplant werden. Detaillierte Ortskenntnisse oder ein vollständiger Überblick über die regionale Betreiberlandschaft können dabei nicht vorausgesetzt werden. Gerade kleinere oder neu gegründete Betreiberunternehmen sind oftmals nicht hinreichend bekannt.
Planauskunft als Frühwarnsystem
Wie stark sich die Infrastrukturlandschaft ausdifferenziert hat, zeigen auch die Zahlen: Seit dem Start des BIL-Portals im Jahr 2016 wurden mehr als 1,5 Millionen Anfragen zu Bau- und Planungsvorhaben bearbeitet, inzwischen kommen jährlich über 200.000 hinzu. Jede Anfrage steht für ein konkretes Projekt, bei dem geprüft werden muss, welche Infrastrukturen betroffen sein könnten und welche Betreiber einzubinden sind.
Allein 2025 wurden über das BIL-System mehr als 30.000 Vorhaben im Zusammenhang mit Telekommunikationsprojekten angestoßen. Was im Glasfaserausbau heute sehr sichtbar ist, deutet sich zunehmend auch im Umfeld von Windenergie und Solarprojekten an: Ausbau erzeugt systematisch Abstimmungsbedarf – und macht Planauskunft zu einem zentralen Instrument der Risikovorsorge.
Die sicherste Infrastrukturinformation ist die, die nicht zentral gespeichert wird
Mit dem Ausbau wächst jedoch nicht nur die Zahl der Vorhaben, sondern auch die Sensibilität der Informationen. Resilienz wird längst nicht mehr nur physisch, sondern ebenso digital gedacht. Vorgaben wie das KRITIS Dachgesetz, die NIS2 Richtlinie und die allgemeine Cybersecurity-Debatte schärfen das Bewusstsein dafür, dass Lage und Bestandsinformationen selbst als kritische Assets gelten.
Für die Planauskunft bedeutet das: Moderne Systeme müssen Informationen nach dem Prinzip der Datensparsamkeit bereitstellen. Der BIL-Ansatz unterscheidet sich bewusst von klassischen Infrastrukturregistern. Statt Leitungsdaten zentral zu sammeln, identifiziert das System relevante Betreiber über deren Zuständigkeitsflächen. Die inhaltliche Auskunft – und damit die Datenhoheit – verbleibt beim jeweiligen Betreiber.
Sicherheit entsteht so nicht durch ein zentrales Datenlager, sondern durch kontrollierte, anlassbezogene Bereitstellung: Denn nur wer betroffen sein könnte, wird informiert und entscheidet im konkreten Fall selbst, welche Details erforderlich sind. Dieses Modell wird vor dem Hintergrund steigender Anforderungen an Informationssicherheit zunehmend zu einem Baustein digitaler Resilienz.
Resilienz wird zur Betreiberpflicht
Parallel vollzieht sich ein regulatorischer Para- digmenwechsel. Mit KRITIS, NIS2 und weiteren europäischen Vorgaben rückt die organisatorische Resilienz von Infrastrukturbetreibern in den Mittelpunkt. Gefordert ist nicht mehr nur technische Härtung, sondern der Nachweis robuster Organisations- und Kommunikationsstrukturen.
Betreiber müssen künftig nachvollziehbar dokumentieren können, wie sie Sicherheits-, Informations- und Kommunikationsprozesse aufsetzen, betreiben und überwachen.
Markus Heinrich, Rechtsanwalt/Managing Partner bei Wolter Hoppenberg und Vorstand der BIL eG unterstreicht hierzu: „Dokumentierte und nachvollziehbare Abläufe werden künftig eine noch größere Rolle spielen. Die Fähigkeit, Zuständigkeiten schnell zu identifizieren, Informationen rechtssicher bereitzustellen und Kommunikationswege revisionssicher zu dokumentieren, wird damit vom „Good Practice“ zu einem Bestandteil regulatorisch erwarteter Betreiberverantwortung.“
Gemeinsame Standards statt Insellösungen
Besonders deutlich wird diese Entwicklung in der Telekommunikationsbranche. Dort treffen große etablierte Netzbetreiber, regionale Anbieter und neue Marktteilnehmer oft innerhalb eines einzigen Projekts aufeinander. Dr. Frederic Ufer, Geschäftsführer des Verbandes der Anbieter im Digital- und Telekommunikationsmarkt (VATM) e. V., beobachtet diese Veränderungen seit Jahren und ist froh, dass gemeinsam mit dem VATM und der BIL eG ein Branchensicherheitspaket entsteht, das vor allem neue Netzbetreiber beim Aufbau etablierter Sicherheits- und Kommunikationsprozesse unterstützt.
Die Initiative steht für einen grundlegenden Perspektivwechsel: Sicherheit wird nicht länger als isolierte Aufgabe einzelner Unternehmen verstanden, sondern als gemeinsame Verantwortung in einem vernetzten Infrastrukturökosystem. Dort, wo unterschiedliche Betreiber, Planende und Bauausführende zusammenarbeiten, entstehen belastbare Sicherheitsstandards weniger durch Einzelmaßnahmen, sondern durch abgestimmte Prozesse, gemeinsam genutzte Werkzeuge und klar definierte Schnittstellen.
Fazit: Ausbau braucht Sicherung
Die Infrastruktur der Zukunft entsteht nicht allein durch Investitionen, Technik und Baukapazitäten. Sie entsteht ebenso durch Kommunikation, Transparenz und verlässliche Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Je stärker sich die Betreiberlandschaft ausdifferenziert, desto wichtiger werden gemeinsame Standards für den sicheren Informationsaustausch und die eindeutige Klärung von Zuständigkeiten.
Wer höher hinaus will, muss sichern – an der Kletterwand ebenso wie beim Ausbau der Infrastruktur von morgen.
www.bil-leitungsauskunft.de

- Anzahl Anfragen 2025 in der Sparte Telekommunikation (Infografik © BIL eG 2026)



