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Ressource Wasser gemeinsam meistern
“Wir wollen aktiv den ökologischen und ökonomischen Wandel der Wasserwirtschaft in Mitteldeutschland mitgestalten.”
Wasser wird in Zeiten fortschreitenden Klimawandels als Ressource noch kostbarer. Wir müssen unser Wassermanagement und die Infrastrukturen an die Zunahme von Extremwetterereignisse sowie ansteigende Wasserbedarfe der Industrie anpassen. Das Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft stellt sich diesen aktuellen Herausforderungen. Zu Zielen und Aufgaben sprach THEMEN!Magazin mit Jörg Schulze, Projektleiter des Kompetenzzentrums.
Herr Schulze, welche Herausforderungen stehen vor der Wasserwirtschaft?

- Die Kläranlage in Halle-Nord ist eine der modernsten biologischen Großkläranlagen ihrer Art. Bis zu 75.000 Kubikmeter Abwasser kann die voll ausgelastete Anlage am Tag reinigen. (Foto: SWH. Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft)
Wir stehen vor wirklich großen Herausforderungen. In den kommenden Jahren werden wir starke Veränderungen im Wasserbedarf sowohl mengenmäßig als auch räumlich durch Strukturveränderung im Rahmen des Transformationsprozesses erleben. Hinzu kommen Dekarbonisierungsbemühungen in strukturbestimmenden Industriezweigen, die Ansiedlung von Zukunftstechnologien und die Umsetzung der Wasserstoffstrategien im Bund und den Ländern. Und wir werden höhere Spitzenlasten durch Temperatur- und Niederschlagsverschiebungen innerhalb des Jahres verzeichnen.
Wir stehen zudem vor der Aufgabe, Schadstoffeinträge im Abwasser weitergehend zu eliminieren und auch Schmutzfrachten im Mischsystem zu reduzieren. Den Rohstoff Wasser in hoher Qualität wieder in die Vorflut zur weiteren Nutzung zu entlassen, und dies möglichst energiesparend, ist unsere Verantwortung gegenüber der Umwelt. Auch ein verbessertes Regenmanagement, die Entwicklung der wassersensiblen Städte und die Substanzerhaltung der wasserwirtschaftlichen Infrastruktur sind Aufgaben, die prioritär zu lösen sind.
Was schlussfolgert daraus?
Es handelt sich hier um komplexe Herausforderungen und eine gesellschaftspolitische Aufgabe. Dies erfordert eine neue Qualität der Zusammenarbeit und gemeinsames Handeln aller Stakeholder. Und zwar über einen singulären Ansatz hinaus.
Vor diesem Hintergrund wurde das Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft gegründet. Es ist ein Projekt der Halleschen Waser- und Stadtwirtschaft GmbH und der TGZ Halle Technologie- und Gründerzentrum GmbH. Das Kompetenzzentrum versteht sich als eine Vernetzungsplattform für alle relevanten Stakeholder, die sich mit der Wasserbewirtschaftung beschäftigen. Mit dem Ziel, die Tiefe der Kooperation und Stärke der Abstimmung neu und effektiv zu organisieren. Der Schwerpunkt liegt hier bei der Entwicklung innovativer, nachhaltiger, ökologisch-ökonomisch ausgewogener Strategieansätze mittels konkreter Modellprojekte.
Wer sind die Zielgruppen und Partner?
Zu den Zielgruppen und Partnern zählen neben Städten und Kommunen auch Akteure der Wasserwirtschaft wie Wasser- und Abwasserzweckverbände, Wasserwirtschaftliche Unternehmen und Institutionen sowie wasserwirtschaftliche Initiativen. Eingebunden ist ebenfalls die Wissenschaft sowie Behörden und Ministerien, öffentliche Einrichtungen und Umweltvereine. Aber auch die Landwirtschaft und Branchen wie die Ernährungswirtschaft sowie der Anlagenbau, die IT-Technik und der Maschinenbau. Diese partnerschaftliche Struktur bildet eine wichtige Grundlage für Vernetzung, um Projekte erfolgreich zu meistern.
Welche Schwerpunkte sehen Sie für eine resiliente Wasserwirtschaft?
Die Handlungsfelder für eine resiliente Wasserwirtschaft begleiten uns bereits seit Jahren. Es sind neben einer nachhaltigen Wasserversorgung die Abwasserbehandlung und der Gewässerschutz. Ebenso die Energieeffizienz wasserwirtschaftlicher Anlagen, eine wassersensible Stadtentwicklung aber auch die Substanzwerterhaltung und die Entwicklung von wasserwirtschaftlichem Anlagevermögen.
Sie wollen Kompetenzen bündeln und zugleich kollaborativ arbeiten …
Darunter verstehen wir, dass im Rahmen des Stakeholderdialogs die wichtigsten Arbeits- und Organisationsinstrumente des Kompetenzzentrums die Arbeitskreise mit ihren inhaltlichen Schwerpunkten sind.
Wir haben fünf Schwerpunkte fixie
- Wasserversorgungskonzeption für den mitteldeutschen Raum
- Reduzierung von Schadstoffbelastungen im Abwasser
- Energieeffizienz wasserwirtschaftlicher Anlagen
- Wassersensible Stadtentwicklung und Niederschlagsmanagement
- Substanzwerterhaltung und Entwicklung der wasserwirtschaftlichen Infrastruktur.
Um die Verbindung zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung, Politik, Industrie und Verbänden sicherzustellen, wurde ein interdisziplinärer Beirat berufen. Dieser umfasst die wichtigsten Akteure zur Entwicklung der Wasserwirtschaft in Sachsen-Anhalt und Mitteldeutschland. Dieser Beirat hat Beratungs- und Kontrollfunktion.
Wie wird sich die konkrete Arbeit gestalten?
Aus den genannten Schwerpunkten leiten sich zentrale Kompetenzfelder ab, die im Programm des Kompetenznetzwerkes aufgenommen sind. Wichtig ist für uns insbesondere der Stakeholderdialog. Dieser wird gezielt durch Arbeitskreise mit ihren inhaltlichen Schwerpunkten geprägt.
Auf Grundlage der von Stakeholdern formulierten Aufgabenstellungen entwickelt das Kompetenzzentrum mit ihnen gemeinsam praxisnahe Lösungsansätze zur Umsetzung der nationalen Wasserstrategie. Das Kompetenzzentrum stärkt hierbei die Kommunikation zwischen den relevanten Akteuren der Wasserwirtschaft und angrenzenden Bereichen, identifiziert Synergien und fördert gezielt Kooperationspotentiale. Daraus erwachsen konkrete Praxisprojekte, Ideen, Lösungen und Initiativen, die durch das Kompetenzzentrum aktiv begleitet und vorangetrieben werden.
Können Sie dies konkretisieren?
Schwerpunkt des Kompetenzzentrums ist die Initiierung, Koordinierung und praxiswirksame Umsetzung innovativer Lösungen. Dazu zählen u.a. nachhaltiges Wassermanagement an Gesundheitseinrichtungen, Alternativen zur vierten Reinigungsstufe an Kläranlagen sowie eine Potenzialstudie zu blau-grüner Infrastruktur in der Pilotstadt Halle (Saale).
Damit Best-Practice-Lösungen schnell breitenwirksam umgesetzt werden können, führt das Kompetenzzentrum regelmäßige Fachworkshops durch. In diesen werden einem breiten Kreis von Fachleuten und Anwendern zentrale Herausforderungen der wassersensiblen Stadtentwicklung, Energieeffizienz und Schadstoffbelastung vorgestellt und mit ihnen diskutiert. Ergänzend stehen aber auch Themen wie Digitalisierung, künstliche Intelligenz sowie Maßnahmen zur Sicherung der Trinkwasserversorgung im Fokus.
Wir danken für das Gespräch.
www.kompetenzzentrum-wasserwirtschaft.de



