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< Heizungsmodernisierung: Neuer Ansatz für wirksamen Klimaschutz
07.04.2026 15:58 Alter: 28 days

Rein in ein modernes Gebäudemodernisierungsrecht

„Technologieoffenheit funktioniert nur mit Effizienzleitplanken.“


Carsten Müller, MdB und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF)

Die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e. V. (DENEFF) begrüßt das klare Bekenntnis zur vollständigen Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) in den Eckpunkten zum neuen Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG). Für Carsten Müller, MdB und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF) ist entscheidend, dass nun echte Planungssicherheit entsteht.

Mit den Eckpunkten zum neuen Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) ist eine politische Weichenstellung erfolgt. Die Rücknahme kleinteiliger Heizungsvorgaben soll die aufgeheizte Debatte befrieden und Investitionen wieder ermöglichen. Das ist notwendig, denn die vergangenen Monate waren geprägt von Verunsicherung, Investitionszurückhaltung und wachsendem Sanierungsstau. Kaum ein Politikfeld hat polarisiert wie das Gebäudeenergiegesetz – mit spürbarem Vertrauensverlust.
Doch politische Entspannung allein genügt nicht. Entscheidend ist, dass nun echte Planungssicherheit entsteht. Eigentümer, Mieter, Handwerk und Industrie brauchen klare und langfristig tragfähige Leitplanken. Der Wunsch nach Technologieoffenheit ist groß. Ebenso groß ist das Bedürfnis nach Verlässlichkeit. Wer heute investiert, entscheidet für Jahrzehnte. Unsicherheit verteuert Modernisierung oder verhindert sie ganz.
Energetische Modernisierung ist weitmehr als Klimapolitik. Sie ist ein wirtschaftspolitisches Projekt. Über 600.000 Arbeitsplätze und rund 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts hängen an der Gebäudesanierung vom Handwerk über die Bauindustrie bis zu Herstellern von Gebäudetechnik und digitalen Lösungen. Ein stabiler Rahmen stärkt Wertschöpfung im Inland und schafft Investitionsanreize im Mittelstand.

Worum geht es?

Zugleich geht es um dauerhafte Entlastung. Jede eingesparte Kilowattstunde senkt strukturell Kosten. Was nicht verbraucht wird, muss weder importiert noch subventioniert noch transportiert werden. Energieeffizienz wirkt wie eine dauerhafte Preisbremse – sozial treffsicher und volkswirtschaftlich stabilisierend. Kurzfristige Entlastungsmaßnahmen lindern Symptome, beseitigen aber nicht die Ursache hoher Energiekosten.
Gerade vor dem Hintergrund der vorgesehenen Technologieoffenheit im Heizungsbereich gewinnt Effizienz an Bedeutung. Heimische Energieträger sind begrenzt und stehen in Konkurrenz zu Industrie und Verkehr. Technologieoffenheit funktioniert nur mit Effizienzleitplanken. Nur wenn der Gesamtverbrauch sinkt, können unterschiedliche Technologien wirtschaftlich und systemverträglich eingesetzt werden. Effizienz ist der gemeinsame Nenner.

Wie kann das GMG nun verlässlich ausgestaltet werden?

1. Kontinuität sichern


Die Grundsystematik des Gebäudeenergiegesetzes außerhalb des Heizungsparagraphen 71 bietet weiterhin Orientierung. Die Eckpunkte stellen sie nicht infrage und das ist gut. Energieeffizienz bleibt der wirtschaftlich sinnvolle Kompass: technologieoffen, investitionsfähig und europarechtskonform. Denn ständige Systemwechsel zerstören Vertrauen. Weil sich Investitionshorizonte im Gebäudebereich über Jahrzehnte erstrecken müssen Förderung, CO₂- Bepreisung, Beratung und rechtliche Anforderungen konsistent abgestimmt sein. Politische Verlässlichkeit über Legislaturperioden hinweg ist jetzt entscheidend, damit Modernisierung zum Normalfall wird.

2. Prioritäten richtig setzen


Sanierungen sollten dort ansetzen, wo der Energieverbrauch besonders hoch ist. Ein „worst-first“- Ansatz senkt Heizkosten am effektivsten und nutzt Fördermittel zielgerichtet. Statt Ressourcen breit zu streuen, sollten besonders ineffiziente Gebäude vorrangig modernisiert werden. Das schafft schnelle Entlastung und erhöht die volkswirtschaftliche Effizienz der eingesetzten Mittel. Sichtbare Prioritätensetzung stärkt zudem die Akzeptanz.

3. Heizungsregeln praktikabel gestalten


Der Heizungstausch bleibt ein zentraler Modernisierungsanlass. Gleichzeitig sollte der Fokus stärker auf Betrieb und Effizienz im laufenden Betrieb liegen. Viele Gebäude verbrauchen unnötig Energie, weil Anlagen nicht optimal eingestellt sind. Digitale Steuerung, intelligente Regelungstechnik und Gebäudeautomation bieten erhebliche Einsparpotenziale – unabhängig vom eingesetzten Energieträger.
Effizienz im Bestand lässt sich oft mit vergleichsweise geringen Investitionen heben. Die weiterhin bestehenden Regelungen zur Optimierung und zum hydraulischen Abgleich sollten konsequent umgesetzt werden. Modernisierung ist nicht nur Austausch, sondern auch intelligente Nutzung.

4. Transparenz und Daten verbessern


Verlässliche Daten zum energetischen Zustand von Gebäuden sind Grundlage jeder Investitionsentscheidung. Digitale Energieausweise und standardisierte Verbrauchsdaten können Bürokratie abbauen, Finanzierung erleichtern und Transparenz erhöhen. Investoren und Banken benötigen belastbare Informationen, um Risiken realistisch zu bewerten.
Digitalisierung ist dabei kein Selbstzweck, sondern ein Effizienzhebel. Wer investieren soll, braucht Klarheit über Ausgangszustand und Wirtschaftlichkeit. Ein modernes Gebäudemodernisierungsrecht sollte Datengrundlagen klug verbessern.

5. Innovation und Wertschöpfung stärken



Effizienztechnologien, Gebäudetechnik und digitale Systeme sind heimische Wachstumsfelder. Internationale Märkte wachsen dynamisch. Ein stabiler Rahmen im Inland schafft Referenzen, fördert Skalierung und stärkt Wettbewerbsfähigkeit. Handwerk, Mittelstand und Industrie profitieren gleichermaßen. Die Entscheidung zum GMG markiert einen Wendepunkt. Ein Instrument allein schafft jedoch keinen funktionierenden Marktrahmen. Es braucht das Zusammenspiel aus klaren Standards, verlässlicher Förderung, wirksamen Preissignalen und pragmatischer Umsetzung.

Weniger Streit, mehr Planungssicherheit und ein klarer Fokus auf Wirtschaftlichkeit und Effizienz sind der Weg, um Investitionen auszulösen, Heizkosten dauerhaft zu senken und den Gebäudesektor zukunftsfähig zu machen. Die wahrgenommene Übergriffigkeit der letzten GEG-Novelle darf sich nicht wiederholen.

Ein modernes Gebäudemodernisierungsrecht muss Orientierung geben, ohne zu bevormunden – und Effizienz als gemeinsamen Nenner stärken.

www.deneff.org

„Für alle Eigentümer gilt künftig: freie Heizungswahl- für das Einfamilienhaus auf dem Land genauso wie für die Wohnung in der Stadt.“

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche zum Gebäudemodernisierungsgesetz

Die DENEFF ist eine Initiative von über 220 Unternehmen mit herausragenden Produkten und Dienstleistungen im Bereich Energieeffizienz. Energieeffizienz ist das Multitool der Energiewende: geringerer Energieverbrauch und damit weniger CO₂, mehr Jobs, hochwertigere Gebäude, moderne Fabriken und eine resiliente Infrastruktur.

Doch die enormen, auch wirtschaftlichen Chancen durch Energieeffizienz realisieren sich nicht von alleine. Es braucht bessere politische Rahmenbedingungen und eine industrieübergreifende Zusammenarbeit von Vorreiterunternehmen. Und genau hierfür hat sich die DENEFF 2010 als „starke Stimme der Energieeffizienz“ gegründet.