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Ostdeutschland diskutiert über Zukunft der Wasserstoffwirtschaft
„Die Gemeinschaftsstudie H2-Netz OST ist offiziell gestartet.“
Auf Einladung der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland und des Wasserstoffnetzwerks HYPOS trafen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft aus den ostdeutschen Bundesländern erstmals in einem ostdeutschen Format aufeinander. Am Rande des Kongresses in Dresden sprach THEMEN!Magazin mit Jörn-Heinrich Tobaben, Geschäftsführer der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland und Veranstalter des Kongresses.
Herr Tobaben, warum veranstalten Sie einen Ostdeutschen Wasserstoffkongress?
In der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland engagieren sich strukturbestimmende Unternehmen, Städte und Landkreise, Kammern und Verbände sowie Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit dem gemeinsamen Ziel einer nachhaltigen Entwicklung und Vermarktung der traditionsreichen Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kulturregion Mitteldeutschland. Das Thema Wasserstoff steht bei uns seit mehreren Jahren über das HYPOS-Netzwerk auf der Agenda. Hier begleiten wir bei der Initiierung sowie Umsetzung von Wasserstoffprojekten und unterstützen bei Akzeptanzarbeit und politischer Ansprache.
Ostdeutschland nimmt eine Schlüsselrolle im Aufbau einer leistungsfähigen Wasserstoffwirtschaft ein. Mit seinen industriellen Standorten, einer starken Forschungslandschaft und großen Potenzialen im Bereich erneuerbarer Energien ist die Region prädestiniert, eine führende Rolle in der Transformation des Energiesystems zu übernehmen. Der Kongress greift diese Stärken auf und fördert gezielt Kooperationen zwischen etablierten Unternehmen, Start-ups, Forschungseinrichtungen und öffentlichen Institutionen.
Der Ostdeutsche Wasserstoffkongress ist der zentrale Treffpunkt für Akteure der Wasserstoffwirtschaft in Ostdeutschland. Als Leitkongress der Branche bringt er Entscheider aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung zusammen, um die Zukunft einer nachhaltigen Energieversorgung aktiv zu gestalten.
Welchen Schwerpunkt würden Sie benennen?
Im Fokus stehen aktuelle Entwicklungen entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette – von der Erzeugung über Speicherung und Transport bis hin zur industriellen Anwendung und Mobilität. Der Kongress bietet eine Plattform für fachlichen Austausch, strategische Vernetzung und praxisnahe Einblicke in innovative Projekte und Technologien.
Im Mittelpunkt des Kongresses stand deshalb die Frage, wie der Wasserstoffhochlauf in Ostdeutschland weiter vorangebracht werden kann. Dabei ging es insbesondere um den Aufbau einer leistungsfähigen Wasserstoffinfrastruktur, aktuelle Projekte in der Region sowie die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die für die Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft notwendig sind.
Im Rahmen des Kongresses fiel auch der offizielle Startschuss für die Gemeinschaftsstudie H2-Netz OST. Und es wurde ein HYPOS-Forderungspapier an Hanna Schumacher, Leiterin der Unterabteilung Wasserstoff- und Gasinfrastruktur im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) übergeben.
Es gab auch den Startschuss für eine Gemeinschaftsstudie?
Ja, die Gemeinschaftsstudie H2-Netz OST ist offiziell gestartet. H2-Netz OST knüpft an die 2024 abgeschlossene Gemeinschaftsstudie „Wasserstoffnetz Mitteldeutschland 2.0“ an. Im Auftrag von 54 privatwirtschaftlichen und öffentlichen Partnern wurden damals Quellen und Senken für grünen Wasserstoff erhoben und eine konkrete Zielnetzplanung für ein mitteldeutsches Wasserstoff-Verteilnetz entwickelt. Mit H2-Netz OST wird der Untersuchungsraum nun länderübergreifend auf ganz Ostdeutschland erweitert. Das Vorhaben ist aktuell das einzige Infrastruktur- Studienprojekt dieser Art auf Verteilnetzebene in Ostdeutschland.
Wir meinen, es ist an der Zeit, substantielle Aussagen zur weiteren Entwicklung der Wasserstoffinfrastruktur in Ostdeutschland zu erhalten. Ziel der Gemeinschaftsstudie ist es, Bedarfe aus Industrie und Energiewirtschaft, Erzeugungsperspektiven sowie infrastrukturelle Entwicklungen systematisch zusammenzuführen und daraus eine abgestimmte Entwicklungsperspektive für eine Wasserstoff-Verteilnetzinfrastruktur in Ostdeutschland abzuleiten. Beteiligte Organisationen können eigene Perspektiven und Bedarfe in die Untersuchung einbringen und von einer gemeinsamen, abgestimmten Datengrundlage profitieren.
Im Fokus steht die konkrete Frage, wie ein länderübergreifend abgestimmter und wirtschaftlich tragfähiger Ausbau auf Verteilnetzebene umgesetzt werden kann. H2-Netz OST soll damit eine belastbare Grundlage für zukünftige Infrastruktur- und Investitionsentscheidungen schaffen. Rund 50 Unternehmen, Netzbetreiber, Kommunen, Wirtschaftsförderer und weitere Institutionen haben ihre Beteiligung an dem länderübergreifenden Vorhaben zugesagt.
Vom Kongress wurde auch ein Forderungspapier verabschiedet?

- Vorstellung des Hypos-Forderungspapiers (Foto: Tom Schultze)
Im HYPOS-Forderungspapier haben wir acht zentrale Forderungen an die Politik formuliert. Grundlage des Forderungspapiers ist eine Metastudie, die von r2b energy consulting GmbH durchgeführt wurde. Ziel des Forderungspapiers ist es, verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen zu schaffen und den Wasserstoff-Markthochlauf zu beschleunigen. Unterstützt werden die Forderungen von zahlreichen Unternehmen und Wirtschaftsverbänden.
Folgende acht Punkte wurden adressiert:
- Ausrichtung der Instrumente an der Strategie (Komplexitätsreduktion)
- Nachfrage regulatorisch anreizen
- Überarbeitung der RFNBO-Kriterien – jetzt, praxistauglich
- Standards und Zertifikate international harmonisieren
- Risikoabsicherungsinstrumente für Midstreamer
- Investitionsfähige und finanzierbare Infrastruktur
- Europäische H2-Wertschöpfungsketten: Resilienz und Industriepolitik.
Ihre abschließende Einschätzung des Kongresses?
Der Ostdeutsche Wasserstoffkongress hat gezeigt, dass wir den Wasserstoffhochlauf nur gemeinsam über Ländergrenzen hinweg voranbringen können. Der Kongress bot nicht nur eine gemeinsame Plattform für den Austausch zwischen den verschiedenen Akteuren der ostdeutschen Wasserstoffwirtschaft. Er machte zugleich deutlich, wie wichtig die enge Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft für den weiteren Hochlauf ist.
Ostdeutschland verfügt über großes Potenzial bei Erzeugung und industrieller Nutzung. Jetzt kommt es darauf an, den Aufbau des Wasserstoff-Kernnetzes durch eine leistungsfähige Verteilnetzinfrastruktur zu ergänzen und wirtschaftlich tragfähige Perspektiven für Investitionen zu schaffen. Der Start von H2-Netz OST ist dafür ein konkreter Schritt. Mit seiner Premiere setzt der Ostdeutsche Wasserstoffkongress einen neuen Schwerpunkt auf die gemeinsame Betrachtung der Wasserstoffentwicklung in den ostdeutschen Bundesländern. Die hohe Beteiligung von Fachleuten, Unternehmen und Institutionen unterstreicht die Bedeutung des Themas für die Region.
Wir danken für das Gespräch.
www.mitteldeutschland.com
www.hypos-germany.de



