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< Flexibilität für die europäische Energiewende
14.07.2020 13:23 Alter: 68 days

Nach der Krise braucht es Wachstum

Österreichs Energiewirtschaft richtet den Blick auf die Energiezukunft, auch wenn die Corona-Krise Auswirkungen zeigt. Eine von Meinungsforscher Peter Hajek durchgeführte Befragung zeigt, die ambitionierten Klimaziele – 100 % Strom aus erneuerbaren Energiequellen - sind nicht nur erreichbar, sie werden auch helfen den Konjunkturmotor wieder in Schwung zu bringen. Dr. Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie im Gespräch mit THEMEN!magazin.


Dr. Barbara Schmidt, Generalsekretärin Oesterreichs Energie

Österreichs Energie vertritt seit 1953 die gemeinsam erarbeiteten Brancheninteressen der E-Wirtschaft gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit.

Die rund 140 Mitgliedsunternehmen erzeugen mit rund 20.000 Mitarbeitern mehr als 90 Prozent des österreichischen Stroms mit einer Engpassleistung von über 25.000 MW und einer Erzeugung von rund 68 TWh jährlich, davon 72 Prozent aus erneuerbaren Quellen.

Frau Dr. Schmidt, die E-Wirtschaft hat eine Befragung durchgeführt, welche Stimmung vermitteln die Ergebnisse?

Auch in der E-Wirtschaft gibt es Einbußen durch die Corona- Krise, der Weg nach vorn ist für die Branche unverändert klar – das ist wohl das Kernergebnis unserer Umfrage. Wenn die staatlichen Anreizsysteme für den Umbau des Energiesystems in Richtung Erneuerbarer Energien passen, sind nicht nur die ambitionierten Klimaziele erreichbar, sondern sie werden auch helfen den stotternden Konjunkturmotor wieder in Schwung zu bringen.

Bislang ist die E-Wirtschaft mit einem blauen Auge durch die Krise gekommen – die längerfristige Entwicklung sehen wir aber mit einer gewissen Sorge. Nach den kurzfristigen Auffangpaketen müssen nun die Weichen für den Umbau des Energiesystems und die nachhaltige Belebung der Konjunktur gestellt werden. Die E-Wirtschaft übernimmt hier ihren Teil der Verantwortung. Nun ist die Politik am Zug und muss rasch den gesetzlichen Rahmen dafür schaffen.

Wie steht es um die Realisierung von Investitionsprogrammen?

Grundsätzlich richten die Energieversorger den Blick zwar wieder nach vorne – die Befragung hält aber auch Alarmsignale bereit, was den Weg zur Erreichung der selbst auferlegten Klimaziele angeht: Zwar halten 48 % der befragten Unternehmen nach wie vor an den eigenen, ambitionierten Investitionsprogrammen fest. Immerhin 42 % fürchten allerdings, dass sie den bestehenden Fahrplan nach der Corona-Krise überdenken und Investitionen hinten anstellen müssen. Diese Einschätzung spiegelt aber wohl auch die Erfahrung einer Branche wider, die in den vergangenen Jahren zwar viele Programme, aber wenige Projekte erlebt hat.

Wo sehen die Unternehmen den größten politischen Handlungsbedarf?

Zwei Drittel der Unternehmen gaben an, dass es vor allem Incentivierungen für einen raschen Ausbau der erneuerbaren Energien Wasser, Wind und Photovoltaik braucht, dicht gefolgt von Verfahrensbeschleunigungen, generellem Bürokratieabbau und stärkere Unterstützung beim Netzausbau. Während andere Branchen also noch auf Krisenbewältigung fokussieren, hat die E-Wirtschaft trotz der Pandemie schon wieder den Ausbau der erneuerbaren Energie im Blick. Es freut uns daher, dass  Regierung diese Ambitionen fördern und dem Klimaschutz beim kommenden Konjunkturpaket eine zentrale Rolle einräumen will. Das kann ich aus Sicht der Branche nur unterstützen. Mit dem Ausbau der Erneuerbaren setzen wir nicht nur wesentliche Schritte in Richtung Klimaneutralität, wir schaffen auch Arbeitsplätze und heimische Wertschöpfung. Das nützt uns allen.

Frau Dr. Schmidt,
wir bedanken uns für das Gespräch.

Weitere Information: www.oesterreichsenergie.at