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Kommunikation sichern, wenn andere Netze ausfallen
„Wir müssen Resilienz neu denken.“
Die jüngsten Angriffe auf die Strominfrastruktur haben erneut gezeigt, wie verwundbar Kritische Infrastrukturen sein können. Nicht jede Störung lässt sich verhindern. Umso wichtiger ist es, dass Betreiber auch im Krisenfall handlungsfähig bleiben und unabhängig kommunizieren können. THEMEN!Magazin sprach darüber mit Dr.-Ing. Frederik Giessing, Mitglied der Geschäftsleitung von 450connect GmbH.

- Auf dem 450connect-Tag im Gespräch: v. l. n. r. Dr. Frederik Giessing (450connect), Andreas Kling (Experte für Bevölkerungsschutz), Mathias Böswetter (BDEW), Bernhard Mott (WSV), Joachim Groß (450connect) (Fotos: 450connect)
Herr Dr. Giessing, wie verlief bisher das Jahr 2026?
Für das 450-MHz-Mobilfunknetz in Deutschland markiert das Jahr 2026 einen wichtigen Meilenstein in der operativen Praxis. Das Netz wird zunehmend im realen Betrieb eingesetzt und das Thema Resilienz Kritischer Infrastrukturen hat zugleich deutlich an Bedeutung gewonnen. Beides spiegelte sich auch auf dem gerade beendeten 450connect-Tag 2026 in Köln wider.
Wir verzeichnen einen Rekord bei den Nutzerzahlen in der Praxis. Im August 2026 hat das von 450connect betriebene Netz die Marke von 100.000 aktiven SIM-Karten überschritten. Diese kommen in Routern, Gateways (z. B. für Smart Meter) und Sprachendgeräten zum Einsatz, um Steuerungsdaten zu übertragen und die Kommunikation auch im Krisenfall abzusichern.
Die jüngsten Vorfälle an der Strominfrastruktur haben die Diskussion über Resilienz neu entfacht. Was bedeutet das aus Ihrer Sicht für Betreiber Kritischer Infrastrukturen?
Die Ereignisse zeigen, dass sich Kritische Infrastrukturen nicht gegen jedes denkbare Szenario vollständig absichern lassen. Umso wichtiger ist die Frage, wie Betreiber mit einer Störung umgehen und wie schnell sie in einer solchen Situation handlungsfähig bleiben beziehungsweise ihre Handlungsfähigkeit wiederherstellen können.
Dafür ist Kommunikation eine zentrale Voraussetzung. Krisenstäbe und Einsatzkräfte müssen sich weiterhin abstimmen können, technische Anlagen müssen erreichbar bleiben und Informationen müssen auch dann übertragen werden können, wenn andere Infrastrukturen oder Kommunikationswege beeinträchtigt sind. Resilienz bedeutet deshalb nicht nur, Ausfälle möglichst zu verhindern, sondern auch auf sie vorbereitet zu sein und kritische Prozesse unter erschwerten Bedingungen aufrechterhalten zu können.
Welche Rolle spielt dabei eine unabhängige Kommunikationsinfrastruktur?
Eine sehr wichtige. Gerade in einer Krisensituation darf die Kommunikation Kritischer Infrastrukturen nicht ausschließlich von den gleichen Infrastrukturen abhängig sein, die möglicherweise selbst von der Störung betroffen sind.
Das bundesweite 450-MHz-Mobilfunknetz wurde speziell für Betreiber Kritischer Infrastrukturen konzipiert. Es ist auf eine hohe Verfügbarkeit auch in Krisensituationen ausgelegt. Bei Ausfall der regulären Stromversorgung kann die Netzinfrastruktur batteriegestützt mindestens 72 Stunden weiterbetrieben werden – und das bundesweit.
Damit steht Betreibern ein zusätzlicher Kommunikationsweg für Sprach- und Datenkommunikation zur Verfügung. Entscheidend ist letztlich, dass Unternehmen auch unter außergewöhnlichen Bedingungen Menschen erreichen, Anlagen steuern und ihre kritischen Prozesse weiterführen können.
Sie kommen gerade vom 450connect-Tag in Köln. Welche Themen standen 2026?
Der 450connect-Tag richtet sich gezielt an Entscheider aus Stadtwerken, öffentlichen Einrichtungen, Wasserversorgern sowie an weitere Betreiber kritischer Infrastrukturen (KRITIS). Im Fokus standen im diesem Jahr Praxisberichte von Anwendern und die Demonstration zertifizierter Endgeräte. In Keynotes gab es hochkarätige Beiträge mit strategischem Mehrwert für alle Sektoren. Praxisberichte sowie Workshops thematisierten den konkreten Einsatz des Netzes durch Versorgungsunternehmen. Es gab eine gute Resonanz der Teilnehmer und den Auftrag, diesen 450connect-Tag auch in 2027 durchzuführen.
Was konnten die Teilnehmer mitnehmen?
Beispielsweise gab es eine Keynote zur KRITISResilienz und es wurden die Ergebnisse einer Studie zur Resilienz von öffentlichen Netzen in Deutschland vorgestellt. Die Teilnehmer konnten praxisnahe Einblicke in Anwendungen und Betriebsszenarien des 450-MHz-Mobilfunknetzes erhalten und alles über die vielfältigen Anwendungsfelder und die enormen Potenziale der 450-MHz-Kommunikation erfahren. So wurde beispielhaft aufgezeigt, wie das Netz (basierend auf dem standardisierten 3GPP Band 72) für die Digitalisierung der Energiewende und Blackout-Resilienz (bis zu 72 Stunden Autarkie bei Stromausfall) genutzt wird.
In Deep Dives standen Anwenderberichte im Zentrum, die den operativen Mehrwert der 450-MHz-Technologie in den Bereichen Sprach- und Datenkommunikation verdeutlichen. Großes Interesse gab es auch wieder zum Hersteller- & Partnermarktplatz: Hier war die Möglichkeit zum direkten Dialog mit führenden Endgeräteherstellern und Lösungspartnern, um individuelle Fragestellungen in professioneller Atmosphäre zu erörtern. Und natürlich das Branchen-Networking, wie immer hatten die Teilnehmer hier Gelegenheit zum fachlichen Austausch.
Würden Sie einen Deep Dive herausheben?
Ich denke, das Szenario „Dunkle Kälte“. Das Thema: Was passiert, wenn nichts mehr geht – die Unternehmen aber trotzdem funktionieren müssen?
Hier konnten die Teilnehmer erfahren, wie Sie auch bei Ausfällen kritischer Infrastrukturen handlungsfähig bleiben und Ihre Kommunikation zuverlässig aufrechterhalten. In diesem Deep Dive wurde gezeigt, wie ausfallsichere Kommunikation auch unter extremen Bedingungen funktioniert. Anhand konkreter Beispiele aus KRITIS-Schlüsselbranchen wie öffentlichem Sektor, Transport und Verkehr wurde aufgezeigt, wie Unternehmen und Organisationen selbst im Krisenfall betriebsfähig bleiben können.
Hierzu wurde ein realistisches Ausfallszenario mit dem Beispiel eines Blackouts simuliert und sichtbar gemacht, welche Herausforderungen innerhalb kürzester Zeit für Unternehmen, Infrastrukturen und die Bevölkerung entstehen. Hierbei unterstützte ein Anwendungsfall in der Betriebskommunikation.
Die Teilnehmer konnten erfahren, wie Daten weiterhin übertragen, Anlagen gesteuert und kritische Prozesse aufrechterhalten werden können, wenn klassische Kommunikationsnetze bereits an ihre Grenzen stoßen oder ganz ausfallen. Zudem konnten die Teilnehmer erkennen, wo Ihre größten Abhängigkeiten liegen. Um so konkrete Lösungsansätze für mehr Resilienz und Strategien für Resilienz und Handlungsfähigkeit der Unternehmen abzuleiten.
Wir danken für das Gespräch.
www.450connect.de



