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Kommunale Wärmeplanung zwischen Zielbild und Umsetzbarkeit
“Die Wärmewende ist kein Projekt mit einfachem Lösungsweg.”
Rund die Hälfte des deutschen Endenergieverbrauchs entfällt noch immer auf die Wärmeversorgung, die überwiegend durch fossile Energieträger gedeckt wird. Das bedeutet: Ohne eine konsequente Transformation der lokalen Wärmeversorgung sind die Klimaziele nicht erreichbar. Somit wird die Wärmewende nicht auf Bundesebene entschieden, sondern vor Ort in den Städten und Kommunen. Ein Gastbeitrag von Dr. Gerhard Holtmeier, Vorsitzender der Geschäftsführung Dortmunder Energie- und Wasserversorgung GmbH (DEW21).

- Morgenstimmung Florian-Stadion, Sicht Suedwall (Foto: Roland Gorecki)
Die Notwendigkeit zur Transformation des Wärmemarkts ist für alle Beteiligten unumstritten, doch der Weg dorthin ist es nicht. Denn die Wärmewende betrifft nicht nur einzelne Technologien, vielmehr greift sie tief in bestehende Infrastrukturen, Investitionslogiken und Alltagsrealitäten ein. Die Wärmeversorgung ist langfristig angelegt. Netze, Erzeugungsanlagen und Gebäude werden über Jahrzehnte genutzt.
Realitätsprüfung scheint angebracht
Vor dem Hintergrund der aktuellen energiepolitischen Entwicklungen ist es angebracht, die kommunale Wärmeplanung einer entsprechenden Realitätsprüfung zu unterziehen. Der Abgleich zwischen Zielbild und Umsetzungsrealität schafft Transparenz über Abhängigkeiten, priorisiert Maßnahmen und identifiziert Risiken frühzeitig. Auch in Dortmund führen wir aktuell gemeinsam mit der Stadtverwaltung einen solchen Realitätscheck durch, um sicherzustellen, dass die kommunale Wärmeplanung sowohl umsetzbar und finanzierbar als auch sozialverträglich ist und bleibt. Denn nur gemeinsam können wir das Spannungsfeld zwischen klimapolitischen Leitbildern und technischer, wirtschaftlicher sowie zeitlicher Realisierbarkeit bestmöglich auflösen und dafür sorgen, dass die Wärmeplanung ambitioniert und zugleich investitionsfähig und sozialverträglich ist.
Lokale Gegebenheiten berücksichtigen
Wie anspruchsvoll diese Aufgabe ist, wird auf der lokalen Ebene besonders deutlich. Denn sie bedeutet für die Städte und Kommunen häufig einen tiefgreifenden Strukturwandel. Gerade Dortmund steht exemplarisch für die strukturellen Herausforderungen der Wärmewende in urban geprägten Räumen: Rund 80% der Stadt sind derzeit an die Gasversorgung angeschlossen und der Anteil ölbasierter Wärme liegt noch bei mehr als 10 %. Gleichzeitig treffen ein heterogener und dichter Gebäudebestand auf unterschiedlich erschließbare Abwärmepotenziale und gewachsene Netzinfrastrukturen. Diese Ausgangslage macht deutlich, dass Transformationspfade nicht standardisiert, sondern auf die spezifischen infrastrukturellen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vor Ort zugeschnitten werden müssen.
Vor diesem Hintergrund wird am Beispiel Dortmund besonders deutlich, dass Infrastrukturentscheidungen nicht losgelöst von bestehenden Strukturen getroffen werden können. Denn trotz aller Technologieoffenheit muss die Infrastruktur vor Ort ausgelastet, anschlussfähig und im Bedarfsfall transformierbar sein. Der Aufbau und Betrieb paralleler Infrastrukturen für unterschiedliche Energieträger sind unter diesen Bedingungen wirtschaftlich wie auch systemseitig kaum darstellbar. Entscheidend ist daher eine integrierte Infrastrukturplanung, die bestehende Netze konsequent weiterentwickelt und gezielt für neue Anforderungen nutzbar macht. Ansonsten werden sich die ohnehin hohen Investitionsbedarfe der Wärmewende noch weiter erhöhen, was wiederum die Akzeptanz deutlich schmälern wird.
Dortmund spiegelt den urbanen Raum
In Dortmund zeigt sich dabei konkret, wie diese Abwägungen in der Praxis aussehen: Die Nah- und Fernwärmeversorgung sowie die Elektrifizierung der Wärmeversorgung, vorrangig über Wärmepumpen, stellen zentrale Bausteine der Wärmeplanung dar. Aber auch grüne Gase wie Biogas oder auch perspektivisch Wasserstoff werden in einigen Zonen weiterhin eine Rolle spielen. Der kommunale Wärmeplan bildet die verschiedenen Szenarien bewusst ab und berücksichtigt auch die jeweils unterschiedlichen Umsetzungsvarianten. Der kommunale Wärmeplan ist letztlich aber ein strategisches Planwerk ohne rechtliche Bindung. Er schafft Orientierung, doch die tatsächliche Umsetzung und damit einhergehende Investitionsentscheidungen werden an tragfähigen Geschäftsmodellen und sozial verträglichen Preisen ausgerichtet.
Am Ende wird sich der Erfolg der Wärmewende nicht an der Zahl verabschiedeter Strategien messen lassen, sondern an der Fähigkeit, ambitionierte Ziele in tragfähige Schritte zu übersetzen. Das erfordert Pragmatismus, Zusammenarbeit und die Bereitschaft, Zielkonflikte offen zu benennen. Die Wärmewende ist kein Projekt mit einem einfachen Lösungsweg.
Sie ist eine langfristige Strukturaufgabe, die nur gelingt, wenn Anspruch und Wirklichkeit konsequent zusammengedacht werden. In Dortmund wird dieser Ansatz bereits konkret umgesetzt: Durch eine integrierte Planung, die technologische Optionen, bestehende Infrastrukturen und wirtschaftliche Tragfähigkeit konsequent zusammendenkt, zeigen wir, wie Wärmewende unter realen Bedingungen gelingen kann.
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