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07.04.2026 15:44 Alter: 28 days

Klimaschutz bezahlbar und investitionssicher gestalten

„Klimaschutz im Gebäudebereich gelingt nur, wenn ökologische Zielsetzungen mit wirtschaftlicher Vernunft und sozialer Verantwortung verbunden werden.“


Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW

Die Transformation des Gebäudesektors gehört zu den größten politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der kommenden Jahre. Klimaneutralität bis 2045 ist ein ambitioniertes Ziel und zugleich eine enorme Investitionsaufgabe, unterstreicht Axel Gedaschko

Für die Wohnungswirtschaft stellt sich eine zentrale Frage: Wie lassen sich Klimaschutz, Versorgungssicherheit und bezahlbares Wohnen gleichzeitig gewährleisten? Mit den Eckpunkten für ein neues Gebäudemodernisierungsgesetz hat die Politik nun einen wichtigen Schritt getan, um nach einer Phase großer Unsicherheit wieder mehr Planungssicherheit zu schaffen. Der Weg zu diesem Kompromiss war politisch anspruchsvoll. Umso wichtiger ist, dass eine tragfähige Grundlage entstanden ist, die Investitionen ermöglicht und zugleich den Klimaschutz voranbringt.

Wichtige Korrekturen gegenüber bisherigen Regelungen

Zugleich enthält der neue Ansatz wichtige Korrekturen gegenüber bisherigen Regelungen. So trägt die Aufhebung der engen Kopplung zwischen kommunaler Wärmeplanung und unmittelbaren Verpflichtungen im Gebäudebestand stärker der Realität vor Ort Rechnung als frühere, eher am grünen Tisch entwickelte Modelle. Das schafft Praxistauglichkeit für Kommunen und Wohnungsunternehmen. Auch die Vereinfachung der kommunalen Wärmeplanung insbesondere für kleinere Kommunen ist ausdrücklich zu begrüßen.

Ebenso wichtig ist, dass die europäische Gebäudeeffizienzrichtlinie ohne zusätzliche nationale Verschärfungen umgesetzt werden soll – etwa beim Neubaustandard. Zusammen mit der stärkeren Betonung des Quartiersansatzes eröffnet dies neue Möglichkeiten, Klimaschutzlösungen dort zu realisieren, wo sie technisch und wirtschaftlich am sinnvollsten sind.

Technologieoffenheit schafft Investitionssicherheit

Ein entscheidendes Element ist die Wiederherstellung der Technologieoffenheit. Eigentümer erhalten künftig wieder mehr Entscheidungsfreiheit bei der Wahl des Heizsystems. Jeder Heizungstyp kann bei Bedarf ersetzt werden, während Instrumente wie eine künftige Grüngasquote dazu beitragen sollen, die Klimaziele zu erreichen. Damit wird eine der größten Verunsicherungen der vergangenen Jahre beseitigt.

Für die Wohnungswirtschaft ist diese Flexibilität zentral, denn Gebäude und technische Ausgangslagen unterscheiden sich erheblich. Lösungen müssen daher objektspezifisch gefunden werden.

Ein grundlegender Rückschritt zu fossilen Heizsystemen ist dennoch nicht zu erwarten. Im Gegenteil: Die sozial orientierten Wohnungsunternehmen im GdW planen langfristig und strategisch. Investitionen in Gebäude werden für Zeiträume von Jahrzehnten getroffen. Entsprechend verfolgen viele Unternehmen bereits seit Jahren konsequent den Weg hin zu erneuerbaren Wärmesystemen. Deshalb werden Wärmepumpen und andere erneuerbare Lösungen weiterhin eine zentrale Rolle spielen.

Langfristige Investitionen brauchen verlässliche Förderung

Von großer Bedeutung ist zudem die zugesicherte Finanzierung der Förderung bis 2029. Sie sendet ein wichtiges Signal für Investitionssicherheit. Ohne verlässliche Förderbedingungen lassen sich die enormen Investitionen in die Transformation des Gebäudebestands nicht stemmen.

Zu Eckpunkten der Novelle des Gebäudemodernisierungsgesetzes

Die Eckpunkte für ein neues Gebäudemodernisierungsgesetz signalisieren einen tragfähigen Kompromiss, der Investitionen wieder ermöglichen und zugleich Klimaschutz sichern kann.

Versprochen und geliefert: Jeder Heizungstyp kann bei Bedarf mit maximaler Wahlfreiheit ersetzt werden. Wir begrüßen diese Technologieoffenheit und die größere Entscheidungsfreiheit der Eigentümer.

Auch die Aufhebung der engen Kopplung zwischen kommunaler Wärmeplanung und unmittelbaren Verpflichtungen im Gebäudebestand trägt der Realität vor Ort stärker Rechnung als frühere, eher am grünen Tisch entwickelte Modelle. Das schafft Praxistauglichkeit.

Gleichwohl gilt für alle Maßnahmen: dem Bürger muss klar sein, dass alle Möglichkeiten zur Erreichung der Klimaneutralität gegenüber den heutigen Systemen mit höheren Kosten verbunden sind.

Klimaschutz muss sozial verträglich sein

Umso wichtiger ist es, die Transformation so zu gestalten, dass die Belastungen für Mieter möglichst gering bleiben. Die Wohnungswirtschaft setzt sich deshalb im Rahmen der Initiative „Praxispfad CO₂- Reduktion im Gebäudesektor“ für einen realistischen und wirtschaftlich tragfähigen Transformationspfad ein. Förderinstrumente müssen ausreichend ausgestattet, langfristig verlässlich und sozial treffsicher ausgestaltet sein.
Insbesondere Haushalte mit niedrigen Einkommen benötigen gezielte Unterstützung. Verbesserungen bei der Förderung müssen daher ausdrücklich auch Mietern zugutekommen. Nur wenn Investitionen in Klimaschutz wirtschaftlich tragfähig bleiben und gleichzeitig sozial abgefedert werden, kann der Transformationsprozess dauerhaft Akzeptanz finden.

Transformation nur mit Balance aus Klima, Versorgung und Bezahlbarkeit

Da der neue Weg neben dem anzustrebenden Klimaziel auch auf stärkere nationale Resilienz beim künftigen Energiemix einzahlt, ist er doppelt wichtig und richtig. Umso entscheidender ist es jetzt, diesen Weg verlässlich, investitionssicher und zugleich möglichst kosteneffizient zu gestalten. Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Sie müssen gemeinsam gedacht werden.

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