Nachricht

< Klimapolitik erfordert Investitionen: TEAG kooperiert mit europäischer Investitionsbank EIB
03.05.2024 12:06 Alter: 19 days

Klimapolitik neu denken, Deindustrialisierung vermeiden

„Das Rezept: nicht weniger Klimapolitik, sondern bessere durch marktwirtschaftliche Anreize und die Entfesselung der Kräfte von Wissenschaft und Technologie.“


Foto: Frauke Schumann Dr. Friedbert Pflüger, Geschäftsführer, Clean Energy Forum

Niemand kennt den richtigen Weg zur Klimaneutralität. Es bedarf eines diffamierungsfreien Dialogs zwischen Wissenschaftlern und Praktikern aus Technik, Wirtschaft und Politik. Die Stiftung Clean Energy Forum (CEF) bietet diese Plattform für einen solchen Diskurs über den besten Weg zum Erreichen der Klimaziele von Paris. Die Klimapolitik bedarf dringend einer Kurskorrektur fordert Dr. Friedbert Pflüger, Gründer und Geschäftsführer von CEF mit seiner Wortmeldung in THEMEN!magazin.

Robert Habeck verkündet stolz, dass Deutschland bei den Klimazielen 2030 erstmalig auf Kurs sei, 10% weniger Emissionen als im Vorjahr. Das ist eine Zahl, die nur auf den ersten Blick überzeugt. Denn warum ist es zum Rückgang von CO2 -Ausstoß gekommen? Weil der Winter mild war und vor allem, weil Deutschland sich gerade deindustrialisiert, die Wirtschaft schrumpft und insbesondere die energieintensiven Industrien unter den enorm hohen Energiekosten leiden und entsprechende Umsatzrückgänge verzeichnen. Über 10 % Rückgang bei der Chemieproduktion! Deshalb bedarf die Klimapolitik dringend einer Kurskorrektur. Klimawende durch immer mehr Verbote, Regulierung, Bürokratie und „degrowth“ wird die Akzeptanz der Bürger verlieren und scheitern. Im Ausland werden wir nicht mehr als Vorreiter, sondern als Außenseiter wahrgenommen. Das Rezept: nicht weniger Klimapolitik, sondern bessere durch marktwirtschaftliche Anreize und die Entfesselung der Kräfte von Wissenschaft und Technologie.

Klimapolitik pragmatisieren

Spricht da ein Klimaleugner oder -verharmloser? Sicher nicht. Seit 1990, seit ich erstmals in den Bundestag einzog, setze ich mich für Klima- und Umweltpolitik ein. 1992 veröffentlichte ich das Buch „Ein Planet wird gerettet. Eine Chance für Mensch, Natur, Technik“ (Econ). Das Pariser Abkommen betrachte ich als Meilenstein. Aber wir werden seine Ziele global, in Europa und in Deutschland krachend verfehlen, wenn wir Klimapolitik nicht endlich pragmatisieren. Robert Habeck hat z. B. mit dem LNG-Beschleunigungsgesetz, der Carbon Management- und der Kraftwerksstrategie sowie dem Wasserstoffkernnetz wichtige Schritte in die richtige Richtung gemacht. Aber ob das auch durchund umgesetzt wird? Mir missfällt der fast ausschließliche Fokus auf den Ausbau von Wind- und Sonnenenergie. Auch für mich stehen sie im Zentrum jeder klugen Klimapolitik. Aber wir dürfen uns nicht darauf konzentrieren, sondern brauchen alle technischen Möglichkeiten und einen viel weiteren Blick auf die folgend explizit genannten Technologien.

CCUS – Schlüssel für den Kampf gegen die Erderwärmung

Carbon Management ist eine Schlüsseltechnologie im Kampf gegen den Klimawandel. In der zweiten Studie des CEF haben die Wissenschaftler Hans-Joachim Kümpel, Franz Josef Radermacher und Reinhard Hüttl das Thema Carbon Management durch Sachverstand von dem politisch-ideologischen Ballast befreit, der es seit 20 Jahren begleitete. Inzwischen hat die Bundesregierung eine Carbon Management Strategie erarbeitet, die jetzt auch zügig umgesetzt werden soll. Klug: CCS, also die Verpressung von Kohlendioxid in sicheren unterirdischen geologischen Formationen, soll nicht nur für die nicht vermeidbaren CO2 -Emissionen etwa in der Zementindustrie reserviert bleiben, sondern auch bei der Energiegewinnung durch Gaskraftwerke ermöglicht werden. Und ebenso klug: CCS soll nicht nur im Meeresboden möglich sein, sondern die Bundesländer sollen die Möglichkeit haben, CCS in geeigneten Lagerstätten „on-shore“ zu speichern, wenn sie das wünschen (und vielleicht dadurch zusätzliche Einnahmen etwa in strukturschwachen Gebieten generieren wollen). Und klug: Es wird nicht nur über CCS gesprochen, sondern auch über die Nutzung von Kohlendioxid als Rohstoff (CCU).

E-Fuels

E-Fuels sind künstlich hergestellte Treibstoffe, die in ihren Eigenschaften fast identisch mit herkömmlichem Benzin, Diesel oder Kerosin sind. Im Gegensatz zu diesen sind sie jedoch klimaneutral. Grundlage der Herstellung sind erneuerbare Energien. Sie können im Flug- und Schiffsverkehr, aber auch von LKW, Bussen oder PKW verwendet werden. Die gesamte Infrastruktur: Tankschiffe, Raffinerien, Pipelines, Tankwagen und Tankstellen können weiterbetrieben werden. Neben der Elektromobilität könnten E-Fuels vor allem einen Beitrag zur schrittweisen Dekarbonisierung der Bestandsflotte von allein 1,4 Milliarden PKW weltweit leisten. Das rechne sich nicht, wird eingewandt. Vielleicht. Aber lasst das doch bitte die Ingenieure, Unternehmer und Verbraucher entscheiden – das ist nichts für den grünen Tisch. Das Verbrennerverbot halte ich seit Beginn der Diskussionen für einen fatalen Irrweg.

Small Modular Reactors

Kleine und neuartige Reaktorkonzepte. SMR ist ein Sammelbegriff für kleine Kernkraftwerke mit einer Leistungskapazität von bis zu 300 MWe. SMR haben den Vorteil, dass sie einheitlich am Fließband produziert werden können und somit kosteneffizient sind. Die kleinen Kraftwerke, teilweise nicht größer als ein Schiffscontainer, bieten Lösungen, wo Erneuerbare auch in der Zukunft nicht ausreichen. SMR könnten stromintensive KI-Rechenzentren konstant mit Strom versorgen, oder bei Lastschiffen für einen klimaneutralen Antrieb sorgen. Aber es gibt weitere technische Möglichkeiten, die hier nur angedeutet werden können: -Kernfusion (auch hier bewegt sich die Regierung langsam in die richtige Richtung) -Erhalt der Tropischen Regenwälder, Aufforstung (also die natürlichen CO2 -Senken stärken!) -Plasmalyse (also die Gewinnung von grünem Wasserstoff aus Abfällen, Gülle usw.) -Biomethan und alle grünen Gase. (Einige Abgeordnete und die Gaswirtschaft haben jetzt eine Grünquote für Erdgas gefordert. Es sieht die wachsende Beimischung von grünen Molekülen in das Gasnetz vor. So wird aus Erdgas mit der Zeit klimaneutrales Gas. Das ist nicht die Verlängerung von fossilen Geschäftsmodellen, das ist Transformation!)

Bildquelle: CDRmare/Geomar

3D-Visualisierung ozeanbasierter Methoden der CO2 -Entnahme aus der Atmosphäre

Kurskorrektur nur durch Diskurs möglich

Ob E-Fuels, SMR, Kernfusion, CCS/U oder Grüne Gase: alle Technologien bieten einen Ansatz, wie die CO2 - Neutralität pragmatisch umgesetzt werden kann. Dabei stehen sie nicht gegen die Erneuerbaren, sondern komplementieren diese genau dort, wo es nötig ist. Um so weniger kann man den aktuellen politischen Kurs – konzentriert fast nur auf Solar- und Windkraft – nachvollziehen. Das CEF wurde aus eben dieser Motivation gegründet und soll als Plattform für einen diffamierungsfreien und sachlichen Diskurs dienen. Das Forum fördert den offenen Austausch über alle Technologien. Lernen können wir von den USA und dem Inflation Reduction Act (IRA). Er fördert klimaneutrale Technologien durch steuerliche Anreize. Und er kommt nicht mit Verboten daher, mit Auslaufdaten und bürokratischer Kontrolle. Er vertraut auf die Kraft der Innovation. Ich bin ziemlich sicher: die USA werden auf diese Weise wirtschaftlich, aber auch klimapolitisch erfolgreicher sein als wir. Wenn wir noch die Kurve zur Kurskorrektur finden …

www.clean-energy-forum.org/de