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Innovative Finanzierungslösungen für die Energiewende
“Zur Umsetzung von Transformationsprojekten brauchen Stadtwerke tragfähige und wirtschaftlich optimierte Finanzierungsstrukturen.”
Die Energiewende tritt in eine neue Phase ein und der transformationsbedingte Investitionsbedarf ist immens. Gerade Stadtwerke sind gefragt, zukunftsweisende Transformationsprojekte zu gestalten und umzusetzen. Ein Gastbeitrag von Thomas Straßer, Wirtschaftsprüfer/Steuerberater und Partner der BBH-Gruppe.
Zukunftsweisende Transformationsprojekte zu gestalten und umzusetzen, verlangt neue tragfähige, bankfähige und kommunal anschlussfähige Finanzierungsstrukturen. Gerade die Finanzierung leitungsgebundener Infrastruktur bietet großes Potenzial, die Finanzierung cashflow-basiert effizient und nachhaltig zu gestalten. Das (private) Kapital ist grundsätzlich verfügbar; die Herausforderung liegt darin, kommunale Investitionsbedarfe in bankfähige Strukturen zu übersetzen, die den Anforderungen von Kapitalgebern entsprechen.
Besonderheiten der Stadtwerke
Stadtwerke bündeln als Mehrspartenunternehmen eine Vielzahl heterogener Geschäftsmodelle, die zugleich unternehmerisch tragfähig und mit den Anforderungen der kommunalen Daseinsvorsorge vereinbar finanziert werden müssen. Jedoch haben diese Sparten grundsätzlich heterogene Risikostrukturen und unterschiedliche Kapitalintensitäten. Es ist an der Zeit, Finanzierungsstrukturen, die sich über viele Jahrzehnte bewährt haben, an den kommenden Investitions- und damit auch Finanzierungsbedarf anzupassen.
Wenn ein Stadtwerk erfolgreich in die Transformation investiert, bedeutet dies fast zwangsläufig, dass sich seine Bilanzsumme in den nächsten 10 bis 15 Jahren vervielfachen wird. Bei einer heute üblichen Finanzierungsstruktur (einer „wirtschaftsplanbasierten Unternehmensfinanzierung“) lassen sich die Auswirkungen durch ein einfaches Rechenbeispiel aufzeigen. (siehe Grafik)

- Bei einer Verdreifachung der Bilanzsumme kann beispielsweise ein Eigenkapitalbedarf von € 60 Mio. entstehen bzw. eine durchschnittliche Eigenkapitalzuführung von rd. € 6 Mio. p. a. über zehn Jahre notwendig werden. Die Innenfinanzierungskraft der Stadtwerke und die (kommunalen) Gesellschafter können den Eigenkapitalbedarf jedoch nur zum Teil decken. Grafik: BBH
Eigenkapitallücke – zentrales Thema
Für zukunftsweisende Transformationsprojekte brauchen Stadtwerke tragfähige und wirtschaftlich optimierte Finanzierungsstrukturen. Förderprogramme von Bund und Ländern können helfen, werden jedoch nur ein Teil der Gesamtlösung sein. Bürgschaften können zwar einen unterstützenden Beitrag zur Finanzierung leisten, aber nicht die strukturellen Herausforderungen lösen. Sie sollten gezielt dort eingesetzt werden, wo eine Finanzierung ohne Bürgschaft nicht darstellbar ist.
Die Eigenkapitallücke ist groß; zudem ist Eigenkapital aus Finanzierungssicht regelmäßig die knappste und teuerste Form der Kapitalbereitstellung. In einer wirtschaftlich optimierten Finanzierungsstruktur sollte nur so viel Eigenkapital eingesetzt werden, wie eine Finanzierung auch tatsächlich benötigt.
Wie kann eine Optimierung des Eigenkapitaleinsatzes erreicht werden?
Dies kann durch eine projektbasierte Finanzierung erreicht werden, bei der die Rückzahlung von Fremdkapital aus dem Projekt-Cash Flow erfolgt und das Kapital in einem rechtlich selbstständigen Vehikel gebunden ist. Neu ist das nicht: Im Gegensatz zur leitungsgebundenen Netzinfrastruktur werden in den Bereichen PV und Wind bereits seit Jahren Projektfinanzierungen erfolgreich umgesetzt. Die leitungsgebundene Infrastruktur bietet damit sehr viel ungenutztes Potenzial.
Ein weiterer Ansatz ist ein gezielter Eigenkapital-Leverage, die Hebelwirkung von Fremdkapital auf das Eigenkapital. Dies erhöht das Investitionsvolumen, das mit dem vorhandenen Eigenkapital finanziert werden kann. Ein höherer Leverage setzt einen strukturierten Due-Diligence-Prozess voraus, der wesentliche Risiken identifiziert, bewertet und durch ein belastbares Vertragswerk den jeweils verantwortlichen Stakeholdern zuordnet. Durch eine gesellschaftsrechtliche, regulatorische und vertragliche Gestaltung kann ein planbarer, risikoarm strukturierter Cash Flow mit einer guten Prognose-sicherheit erreicht werden. Damit wird die Wahrscheinlichkeit eines Kreditausfalls minimiert.
Finanzierungskonzepte im Einsatz
BBH hat bereits geschäftsmodellspezifische Finanzierungskonzepte entwickelt, die mit verschiedenen deutschen und europäischen Banken sowie ersten Stadtwerken diskutiert werden, um aus der Bankenperspektive eine finanzierungsfähige Struktur zu gestalten und zugleich die kommunalen und geschäftsmodellbedingten Rahmenbedingungen zu berücksichtigen.
Im Mittelpunkt steht eine projektbezogene Einzweckgesellschaft (Special Purpose Vehicle, SPV), um eine abgrenzbare Risikostruktur zu schaffen. Die Finanzierung der Netzinfrastruktur erfolgt dann ausschließlich auf Projektebene und der Kapitaldienst wird aus den Cash Flows des Projekts bedient. Dies entlastet die stadtwerkseitige Liquidität und ermöglicht eine gezieltere Risikoallokation. Wird das Konzept als konsolidierte On-Balance-Struktur mit einer 100 %-Beteiligung des Stadtwerks umgesetzt, bleibt der kommunale Einfluss erhalten. Der Vorteil liegt dann weniger in einer bilanziellen Entlastung, sondern vor allem in der klareren Abgrenzung von Risiken, Cash Flows und Finanzierungsparametern.
Projektbasierte Finanzierungen bieten die Möglichkeit, die Eigenkapitalbindung für die Investitionen deutlich zu reduzieren und vorhandenes Eigenkapital stärker zu hebeln. Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote kann auf einem wirtschaftlich vertretbaren Niveau stabilisiert und die Eigenkapital- lücke deutlich reduziert werden. Die weiterhin bestehende Eigenkapitallücke kann aus der Innenfinanzierungskraft, der Zuführung von (wirtschaftlichen) Eigenkapital und Fördermitteln leichter geschlossen werden. In der Stadtwerkelandschaft gibt es bereits erste kapitalmarktorientierte Eigenkapitalinitiativen „von Stadtwerken für Stadtwerke“.
Eine Schlussbemerkung
Die komplexen Strukturen und Anforderungen der Stadtwerke erfordern eine ganzheitliche Finanzierungsstrategie. BBH unterstützt mit maßgeschneiderten Finanzierungslösungen, die wirtschaftliche Tragfähigkeit sichern, alle Stakeholder einbeziehen und die Energiewende erfolgreich vorantreiben.
Die Energiewende kann nur unter Berücksichtigung aller Finanzierungsinstrumente und in deren Zusammenspiel gelingen. Dazu sind neben klassischem Fremdkapital auch projektbezogene Finanzierungen, Fördermittel und (wirtschaftliches) Eigenkapital als wesentliche Finanzierungsquellen zu berücksichtigen. Entscheidend ist dabei eine ganzheitliche Finanzierungsstrategie mit einer gezielten Kombination von Finanzierungsinstrumenten unter Berücksichtigung von Investitionsverläufen, bilanziellen Effekten, steuerlichen Rahmenbedingungen und den Erwartungen der Gesellschafter.
Anfragen an den Autor unter:
Thomas.Strasser@bbh-online.de



