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09.12.2019 11:27 Alter: 114 days
Kategorie: Erdgas

Freie Fahrt für nachhaltigen Lkw-Verkehr

Nachhaltiger und umweltschonender Gütertransport steht auf der Tagesordnung. Hier kann das Flüssigerdgas LNG (liquefied natural gas) einen wichtigen Beitrag leisten. LNG verbrennt praktisch ohne Schwefelemissionen, mit weniger Stickoxiden und Feinstaub und bis zu 25 % weniger CO2 als Diesel.


Jolon van der Schuit, CEO Rolande B. V. Foto: Bart van Vlijmen

Mit Rolande betritt jetzt ein neuer Anbieter von Infrastrukturen für die Versorgung von LKW mit Flüssiggas den deutschen Markt. Zum Jahresbeginn 2020 wird in Ulm der erste Standort des Rolande-Netzes öffentlicher LNG-Tankstellen eröffnet.

Jolon van der Schuit, CEO und Gründer von Rolande B. V., ist exklusiv im Interview mit THEMEN|:magazin.

Herr van der Schuit, Ihr Credo lautet: „Flüssiggas muss für alle Lkw verfügbar sein – auch in Deutschland“, warum?

Wir als Flüssiggas-Experten, die sich seit fünzehn Jahren mit nichts anderem als LNG beschäftigen, sind der Meinung, dass LNG den straßengestützten Warenverkehr nicht nur umweltverträglicher, sondern gleichzeitig auch profitabler macht. Und an dieser Möglichkeit sollen alle teilhaben können.

Wie zeigt sich dies in Ihrer Unternehmensphilosophie?

Seit 2005 haben wir uns der Aufgabe gewidmet, LNG als Kraftstoff für den Straßengütertransport zu etablieren. Unsere Anstrengungen in diesem Bereich wollen wir auf den deutschen Markt ausdehnen. Als Start eröffnen wir voraussichtlich im Februar 2020 unsere erste, eigene deutsche LNG-Tankstelle am Standort Ulm. Im selben Jahr werden in Dortmund, Duisburg, Grasdorf, Lübeck und Ziesar noch weitere neue Stützpunkte folgen. Für 2021 ist ein Ausbau des Netzes um voraussichtlich neun zusätzliche Standorte in Deutschland geplant. Dabei werden wir ausschließlich öffentliche Zapfsäulen anbieten, die von jedem Kunden genutzt werden können. Damit werden existierende Tankstellen durch unser LNG-Angebot ergänzt. So können Speditionen und ihre Fahrer weiter vertraute Standorte an zentralen Knotenpunkten anfahren. Unser Netz integriert sich also in bestehende Verkehrsnetze.

Ist Potenzial für LNG-Tankstellen auf dem deutschen Markt vorhanden?

Da gibt es noch sehr viele Möglichkeiten. Wenn laut Angaben der Deutsche Energie- Agentur (dena) vom November 2019 nur acht öffentliche Tankstellen in Betrieb sind, besteht Nachholbedarf. Wir von Rolande leisten daher in den nächsten zwei Jahren einen wichtigen Beitrag zum Aufbau eines Netzes offen zugängiger Tankstellen in Deutschland.

Wie entwickeln Sie eine tragfähige LNG-Infrastruktur?

Wir bauen nicht nur Tankstellen auf, sondern auch die komplette Vertriebs- und Vermarktungskette vom Import bis zur landesweit flächendeckenden Versorgung. Als LNGSpezialisten ist das unsere Hauptaufgabe. Denn wir konzentrieren uns voll und ganz auf LNG sowie Bio-LNG und auf nichts anderes. Unsere Absicht ist es daher nicht, irgendeinen weiteren Treibstoff anzubieten, sondern nachhaltigen, umweltschonenden und effizienten Lkw-Verkehr jetzt flächendeckend zu ermöglichen und damit Straßengüterverkehr für die Zukunft nachhaltig zu gestalten.

Seit 15 Jahren im Geschäft können wir nun den Ausbau vorantreiben – und erfreuen uns auch der Rückendeckung durch Investoren. Rolande ist seit 2005 im LNG-Markt tätig und kann sich als ein führender Anbieter im Flüssiggasvertrieb sehen.

In den Niederlanden betreiben wir als Rolande bereits das landesweit größte Netz mit 13 eigenen sowie sieben Partner-LNG-Tankstellen und versorgen mit der Tankstelle in Duiven an der A12 Arnheim das deutsch-niederländische Grenzgebiet.

Profitieren ihre Partner von ihrer LNG-Kompetenz?

Wir entwickeln kontinuierlich neue Konzepte für ein in Zukunft flächendeckendes Angebot in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Zudem stellen wir den Kunden unsere gesamte langjährige Kompetenz zur Verfügung. Außerdem unterstützen wir auch Partner beim Aufbau, Betrieb und der Weiterentwicklung von LNG-Stützpunkten. So beraten wir Transportunternehmen, die auf CNG+, LNG oder Bio-LNG wechseln wollen. Damit helfen wir auch beim wirtschaftlich optimalen Einsatz von LNG.

Ein zentraler Dienst ist die von uns angebotene LNG-Tankkarte, die auch zahlreiche andere LNG-Tankstellenanbieter akzeptieren. Gleichzeitig kann auch an den Rolande-Tankstellen mit LNG-Karten von anderen Anbietern getankt werden. Zudem entwickelt das Unternehmen permanent neue Dienstleistungen für die Betreiber von LNG-Lastkraftwagen. Auf Wunsch kalkulieren die Rolande- Fuhrparkexperten die CO2-Reduktion durch einen LNG-Lkw sowie die Gesamtbetriebskosten von LNG-Lkw individuell für jedes Unternehmen. Letztere setzen sich aus Kaufpreis, Restwert, Zinsen, Wartungskosten sowie Kraftstoffkosten zusammen.
Auch wenn der Kaufpreis eines LNG-Lkw höher liegt als der eines konventionellen Diesel- Modells, rentiert sich die Investition in zukunftstaugliche LNG-Technologie im Langstreckeneinsatz schon nach kurzer Zeit durch die dauerhaft niedrigeren Kraftstoffkosten und durch staatliche Förderungen wie etwa in Deutschland die Mautbefreiung. Ein profitabler LNG-Warenverkehr ist die bessere Alternative zum Diesel-Lkw.

Welche Vorteile bietet LNG?

Durch die Verflüssigung von Erdgas verringert sich das LNG-Volumen um das 600fache. Mit den damit möglichen Tankkapazitäten eignet sich das Gas als Kraftstoff für den internationalen Gütertransport auf der Straße. LNGFahrzeuge sind außerdem wesentlich sauberer als Euro-6d-Diesel-Lkw. Sie arbeiten bis zu 75 % geräuscharmer als diese. So haben unabhängige Tests ergeben, dass der Verbrauch eines LNG-Lkw durchschnittlich um 10 bis 15 % unter dem Verbrauch eines vergleichbaren Diesel-Lkw liegt.

So verbraucht ein Fernverkehrszug beispielsweise 28,5 Liter auf 100 Kilometer, während ein identisch beladener LNG-Zug bei einem Gasverbrauch von etwa 25 Kilogramm auf 100 Kilometer liegt. Durch staatliche Kaufpreis-Subventionen und die Befreiung von der Straßenmaut wird der Einsatz eines LNGLkw noch wirtschaftlicher und trägt zu erheblichen Einsparungen bei den Gesamtbetriebskosten (TCO) maßgeblich bei. Ein Plus ist dabei auch die Gewinnung des Flüssigerdgases aus abgasarmem Erdgas. Hier bietet Bio-LNG eine nachhaltige und regional produzierbare Alternative. Das gereinigte und durch Tiefkühlung verflüssigte Bio-Gas kann überall in der Landoder Abfallwirtschaft produziert werden.

Bio-LNG spielt also für Rolande auch eine wichtige Rolle?

Wir arbeiten bereits jetzt an einem Aufbau von Vertriebsinfrastrukturen für Bio-LNG. Dieser zu 100 % biologische Kraftstoff wird aus organischem Material und Abfallstoffen produziert. Wir sind überzeugt, dass Bio-LNG für den Langstrecken-Straßengüterverkehr der Kraftstoff der Zukunft ist, mit dessen Hilfe sich kurzfristig eine deutliche ökologische Verbesserung des Straßengüterverkehrs erzielen lässt. Sein Einsatz reduziert die CO2- Emissionen entlang des ganzen Herstellungswegs und bei der Nutzung im Lkw um mindestens 70, unter Umständen sogar um 100 %, ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.

Rolande-LNG Tankstelle Tilburg, Niederlande, Foto: Bart van Vlijmen