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Fernwärmeversorgung – Kostenstruktur nicht vernachlässigen
“Notwendig sind differenzierte Kalkulationsgrundlagen in der Fernwärmeversorgung.”
Fernwärme spielt vor allem in Ballungsgebieten eine große Rolle und ist eine der zentralen Optionen, um bis 2045 klimaneutral zu heizen. In Berlin beispielsweise werden über 30 Prozent der Wohnungen damit beheizt – bundesweit nur 15,5 Prozent. Und wie steht es um die Kosten? Ein Gespräch mit Dr.- Ing. Dirk Schramm, Geschäftsführer des IFE-Ingenieurbüro für Energiewirtschaft GmbH aus Thüringen.
Herr Dr. Schramm, warum stehen für Sie Infrastrukturkosten im Fokus?
Mit unserem Ingenieurbüro sind wir seit 2005 in die laufende regulatorische Beratung von jährlich ca. 100 Strom- und Erdgasverteilnetzbetreibern eingebunden. Die bereits angesprochenen unterschiedlichen Preise für Fernwärme belegen den Stellenwert von fundierten aber zugleich differenzierten Kalkulationsgrundlagen in der Fernwärmeversorgung.
Unsere Erfahrung besagt, wichtig ist dabei eine klare Trennung der Erzeugungs- und der Verteilnetzinfrastruktur hinsichtlich des Einflusses auf eine nachvollziehbare Preissystematik. Deshalb haben wir eine Adaption der Kalkulationsgrundlagen und -ansätze für die Fernwärmeversorgung entwickelt. Diese Kalkulation wurde in den letzten 5 bis 10 Jahren strukturiert weiterentwickelt und kontinuierlich verbessert.
Welche Schwerpunkte heben Sie hervor?
Eine wesentliche Grundlage stellt das Anlagevermögen und das darin gebundene Kapital dar. Hier ist eine strukturierte Erfassung und Bewertung sämtlicher Erzeugungs- und Verteilungsanlagen, die am Wärmelieferungsprozess beteiligt sind, erforderlich. Ebenso müssen die damit verbundenen Kapitalkosten (Abschreibungen, Eigenkapital-/ Gesamtkapitalverzinsung, Gewerbesteuer) in die Preiskalkulation mit einfließen.
Der Betrieb des Netzes selbst ist auf Dauer (mehrere Jahrzehnte) angelegt, so dass abweichend zu den handelsrechtlichen/steuerlichen Ansätzen kalkulatorisch eine längere betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer für eine kalkulatorische Netzbewertung herangezogen werden kann und muss.
Eine adäquate Verzinsung des in den Netzen insbesondere langfristig durch Investitionen gebundenen Kapitals ist erforderlich, um den Betrieb des Fernwärmenetzes langfristig zu sichern. Auch hier bieten die Berechnungsmodelle der regulierten Sparten aus der Vergangenheit über die Eigenkapitalverzinsung nach Strom-/GasNEV bzw. der aktuellen Umstellung auf die Methode der Gesamtkapitalverzinsung nach WACC jeweils bei einer EK-Quote von 40% eine sehr gute Orientierung für eine sachgerechte, bewährte und anerkannte Preiskalkulation.
Wie steht es um Wartung und Instandhaltung?
Für die Gewährleistung einer dauerhaften Versorgungssicherheit ist eine stetige Instandhaltung und Wartung der vorhanden Erzeugungs- und Verteilungsanlagen bekanntlich unerlässlich.
Demzufolge müssen sämtliche operativen Kosten, die zum sicheren und ordnungsgemäßen Betrieb des Fernwärmenetzes erforderlich sind, in die Preise einfließen. Hierzu zählen u.a. Materialaufwand für die Wartung und Instandhaltung des Netzes und der Anlagen, Personal-aufwand, sonstige betriebliche Aufwendungen (Versicherungen, Mieten; EDV inklusive Wartung, Rechtsberatung etc.). Diese sollten bestenfalls auch einem Mehrjahresvergleich standhalten können.
Die Ermittlung dieser Kosten kann hier in Anlehnung an die Ansätze in den regulierten Strom- und Gasnetzen erfolgen. Neben den direkten Kosten sollten daher auch anteilige Kosten aus Overhead und Shared-Service dem Fernwärmenetz zugerechnet werden. Die Umlage dieser Kosten sollte dabei mit Hilfe sach- und verursachungsgerechter Kostenschlüssel erfolgen.
Welche Eckpunkte bei der FW-Preiskalkulation sollten eingehalten werden?

- Abb.: Detaillierte Kostenzuordnung: Materialaufwand der Fernwärme
Fernwärmenetzbetreiber sollten ihre Preise dahingehend kontrollieren, ob tatsächlich alle für den Netzbetrieb notwendigen Kosten in die derzeitigen Arbeits- und Grundpreise einkalkuliert sind. In den Grundpreis sollten sämtliche Kosten, die mit dem Betrieb des Netzes verbunden sind. Diese Kostenkomponenten sind als fix zu betrachten, da sie unabhängig von der Durchflussmenge an Wärme jährlich nach Art und Umfang wiederkehren.
In den Arbeitspreis gehören nur die Kostenkomponenten, die vom Wärmeabsatz direkt beeinflusst werden, wie z.B. Gas- bzw. Energieeinsatz inklusive relevanter Umlagen.
Nur wenn langfristig alle für den Netzbetrieb des Fernwärmenetzes notwendigen Kosten sach- und verursachungsgerecht bei der Ermittlung des Fernwärmepreises berücksichtigt werden, kann davon ausgegangen werden, dass entsprechende notwendige Gewinne erzielt werden können, die einen langfristigen Unternehmenserfolg in der Fernwärmesparte garantieren.
Eine Abschlussfrage, was steht hinter den Oberhofer Energietagen?
Die Oberhofer Energietage sind eine Kunden- und Mandantenveranstaltung der IfE GmbH, bei der aktuelle regulatorische Entwicklungen rund um Strom- und Energienetze diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht werden. Darüber hinaus steht die Transformation der Energieversorgung im Fokus der Veranstaltung und bildet einen wichtigen Bestandteil des fachlichen Austauschs. In 2026 sind es bereits unsere 3. Oberhofer Energietage. Gleichzeitig feiert das IfE-Ingenieurbüro für Energiewirtschaft sein 33-jähriges Unternehmensjubiläum.
Wir danken für das Gespräch.
www.ifegmbh.de

Interessierte können sich über die Website zur Veranstaltung anmelden:
ifegmbh.de/oberhofer-energietage-2026-anmeldung



