Nachricht

< Statt unilateralem Grenzausgleich: Mehr Kooperation in der Klimapolitik
19.10.2021 10:53 Alter: 3 yrs

Erneuerbarer Strom und alternative Fuels sind kein Gegensatz

Klimaneutralität ist eine historische und fundamentale Herausforderung für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Ein grundlegendes Neudenken und eine vollständige Transformation des Energie- und Wirtschaftssystems sind gefordert. In diesem Kontext verweist Adrian Willig, Geschäftsführer des Instituts für Wärme und Mobilität (IWO) in einem Kommentar darauf, dass die Politik nun schnell angemessene Rahmenbedingungen für den Markthochlauf erneuerbarer Fuels schaffen sollte.


Adrian Willig, Geschäftsführer Institut für Wärme und Mobilität (IWO) Foto: IWO

Mit einem breiten Stakeholder-Kreis aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft wurden in der neuen dena-Leitstudie konkrete Lösungssätze und CO2 - Reduktionspfade erarbeitet. Über 70 Projektpartner, ein 45-köpfiger Projektbeirat und mehr als 10 renommierte Institute als Gutachter trugen mit Markt- und Fachkenntnis dazu bei, dass die Transformationspfade der Leitstudie ambitioniert und gleichzeitig realistisch sind.

Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen und bis zum Jahr 2045 weitgehend treibhausgasneutral zu sein, sind die 2020er Jahre entscheidend – wir befinden uns in einer Dekade der Weichenstellungen. Doch welche Weichen genau gilt es zu stellen?

In der am 7. Oktober 2021 vorgestellten dena-Leitstudie „Aufbruch Klimaneutralität“ werden Wege in eine klimaneutrale Gesellschaft aufgezeigt. Dabei wird klar: Wir benötigen hierzulande deutlich mehr erneuerbare Energie – sowohl grünen Strom als auch Wasserstoff und alternative flüssige Kraft- und Brennstoffe.

Das IWO zählt zu den mehr als 70 an der Studie beteiligten Projektpartnern. Auch wenn wir nicht jede einzelne Annahme im Gutachten teilen: Die neue Studie ist ein wichtiger Beitrag zur Debatte um die Ausgestaltung der Energiewende. Sie macht deutlich, dass der Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung und die Ausweitung direktelektrischer Anwendungen nicht im Gegensatz stehen zum Einsatz alternativer Fuels.

Im Gegenteil: Um die Klimaziele zu erreichen, sind selbst bei den aus unserer Sicht sehr optimistischen Annahmen zur Elektrifizierung substanzielle Mengen erneuerbarer flüssiger Kraft- und Brennstoffe erforderlich – auch im Gebäude- und Verkehrssektor.

Die dena-Leitstudie kommt auch zu dem Ergebnis, dass Deutschland über das Jahr 2045 hinaus Energieimportland bleiben wird. Dabei geht es insbesondere auch um den Import von alternativen Fuels wie grünem Wasserstoff und seinen Folgeprodukte.

Jetzt Weichenstellungen vornehmen

Entscheidend ist, jetzt endlich entsprechende Weichenstellungen vorzunehmen. Wir brauchen mehr erneuerbare Energie – so viel und so schnell wie möglich. Im Hinblick auf alternative Fuels sollte die künftige Bundesregierung daher Rahmenbedingungen schaffen, die einen Markthochlauf im industriellen Maßstab ermöglichen. Treibhausgasarme und -neutrale Kraftstoffe sollten künftig zum Beispiel gar nicht mehr oder zumindest deutlich geringer besteuert werden als fossile Kraftstoffe, so wie es der Vorschlag der EU-Kommission zur Überarbeitung der EU-Energiesteuer-Richtlinie vorsieht.

Dies wäre ein wichtiger Schritt für den Markthochlauf. Darüber hinaus ist eine Stärkung geeigneter Ausschreibungsprogramme wie zum Beispiel H2Global* erforderlich, um die notwendigen Investitionen in die Herstellung synthetischer Kraftstoffe auch international anzureizen.

* Ziel von H2Global ist die Schaffung eines effizienten Förderprogramms für einen zeitnahen Markthochlauf und Import von grünem Wasserstoff und Power-to-XProdukten (PtX) nach Deutschland.