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< Nord Stream Pipeline: Langfristige Energiesicherheit
16.01.2012 17:31 Alter: 13 yrs
Kategorie: Klimaschutz

Erdgas - Teil der Energiewende

Der BDEW Bundesverband der Energie und Wasserwirtschaft e. V., Berlin, vertritt rund 1.800 Unternehmen. Das Spektrum der Mitglieder reicht von lokalen und kommunalen über regionale bis hin zu überregionalen Unternehmen. Sie repräsentieren rund 90 Prozent des Stromabsatzes, gut 60 Prozent des Nah- und Fernwärmeabsatzes, 90 Prozent des Erdgasabsatzes sowie 80 Prozent der Trinkwasser- Förderung und rund ein Drittel der Abwasser-Entsorgung in Deutschland.


Hildegard Müller, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des BDEW Bundesverband der Energieund Wasserwirtschaft e. V.

Die Naturkatastrophe in Japan und das Leid der Menschen haben auch in Deutschland die energiepolitische Lage schlagartig verändert. Der daraufhin beschlossene fundamentale Umbau der Energieversorgung hat historische Dimensionen. Energiewirtschaft, Politik und Gesellschaft stehen vor einer großen und bisher einmaligen Herausforderung. In der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt soll ein kompletter Umbau der Energieversorgung erfolgen und gleichzeitig die uneingeschränkte Stabilität des Systems gewährleistet werden. 

Gleichzeitig soll Energie sowohl für Privathaushalte als auch Industrie trotz des Umbaus bezahlbar bleiben. Vor allem der Ausbau der Erneuerbaren Energien sowie der Netze sind in Deutschland die aktuellen Herausforderungen. 
Fest steht aus Sicht der Energiewirtschaft, dass auch nach dem Jahr 2020 die konventionellen Energieträger einen erheblichen Anteil zur Stromerzeugung beitragen müssen. Denn klar ist: Wir sind ein Industriestandort und brauchen rund um die Uhr Strom. Die Erneuerbaren Energien werden diesen aber in absehbarer Zeit nicht zuverlässig liefern. Daher sind noch auf lange Sicht auch neue, effiziente Erdgas- und Kohlekraftwerke notwendig.

Ohne diese neuen Kraftwerke ist der Umbau Richtung Erneuerbare nicht zu schaffen. Der stetig steigende Anteil von Wind und Photovoltaik führt zu stark schwankenden Belastungen des Stromnetzes. Für eine moderne Energieversorgung sind schnell abschaltbare und schnell zuschaltbare Strom-Erzeugungskapazitäten zwingend notwendig, um etwa bei einem starken Überangebot von Windkraftstrom Erzeugungskapazitäten ohne Energieverluste zurückzufahren. Nahezu alle Akteure in Wirtschaft und Politik sind sich in diesem Zusammenhang einig: Gerade Erdgas wird eine starke und unverzichtbare Stütze für den Umbau des Energiesystems in Richtung Erneuerbare Energien sein. 

Die Argumente pro Erdgas liegen auf der Hand: Erdgas ist leistungsstark und flexibel in der Stromerzeugung: Moderne Erdgaskraftwerke sind bestens geeignet, die durch die verstärkte Einspeisung von erneuerbaren Energien entstehenden Schwankungen in der Stromerzeugung auszugleichen – und dies bei geringen Wirkungsgradverlusten. Solche schnell zu- und abschaltbaren Erdgas-Kraftwerke werden in Zukunft verstärkt zur sicheren Stromerzeugung notwendig sein. Ein weiteres wichtiges Argument für Erdgas in der Stromerzeugung: Gaskraftwerke können vergleichsweise schnell – innerhalb von zwei bis drei Jahren – errichtet werden. Und sie treffen in der Bevölkerung auch aufgrund niedriger Emissionen auf eine hohe Akzeptanz. Die Erdgasinfrastruktur kann darüber hinaus als Speicher für Strom aus Erneuerbaren Energien dienen. Ein vielversprechender Ansatz ist die Umwandlung von regenerativ erzeugtem Strom in Wasserstoff oder Methan auf Erdgasqualität. Es gibt zur Speicherung von Strom bislang noch keinen Königsweg. Batterien haben nur begrenzte Speicherkapazitäten, und sie sind zu teuer. Pumpspeicherkraftwerken sind in Deutschland schon allein durch topografische Gegebenheiten und Widerstände in der Bevölkerung enge Grenzen gesetzt. 

Hier kommt die „power to gas“-Technologie ins Spiel: Mit dieser Technologie kann unsere vorhandene Gasinfrastruktur mit einem Erdgasnetz von 443.000 Kilometern Länge in Zukunft für die Speicherung und den Transport von Ökostrom genutzt werden. Erdgas wird das Rückgrat eines integrierten Energiesystems. 

Der Energieträger Erdgas hat in der energiepolitischen Debatte in Deutschland innerhalb eines Jahres eine rasante Achterbahn-Fahrt erlebt: Noch Anfang dieses Jahres galt Erdgas in der Wahrnehmung von Politik und Öffentlichkeit als Auslaufmodell. Im Energiekonzept der Bundesregierung vom September 2010 kam Erdgas als zentraler Energieträger im Energiesystem der Zukunft nicht vor. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat sich dennoch auch nach Bekanntwerden des Energiekonzeptes im September 2010 mit Nachdruck dafür eingesetzt, dass Erdgas ein wichtiger Bestandteil des Energiemixes bleibt. 

Die Debatte über den Umbau der Energieversorgung in Deutschland darf allerdings nicht zu kurz greifen. Sie konzentriert sich nahezu ausschließlich auf die zukünftige Stromerzeugung und den dringend notwendigen Ausbau der Energienetze. So unbestreitbar wichtig diese Bereiche sind – ein Thema, das für die Erreichung der Klimaziele eine enorme Bedeutung hat, gerät dabei leicht an den Rand: Das CO2-Einsparpotenzial im Wärmemarkt. 40 Prozent des deutschen Energieverbrauchs entfallen auf diesen Sektor. Die Bundesregierung will hier immerhin fast die Hälfte der angestrebten Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen bis 2020 erreichen. In einem zunehmend dezentral strukturierten Energiesystem wachsen Stromerzeugung und Wärmeversorgung zusammen. Hier eröffnen sich gerade für Erdgas und seine innovativen Anwendungen große Potenziale. Allerdings reichen die bisherigen Maßnahmen im Wärmemarkt bei weitem nicht aus, um das von der Politik gesetzte CO2-Einsparziel von jährlich 93 Mio. Tonnen CO2 bis 2020 zu erzielen. Das schaffen wir nur durch eine stärkere Einbindung des Gebäudebestandes und eine Verdopplung der Modernisierungsrate bei Heizungen. Hier spielen Erdgassystemlösungen wie die Erdgasbrennwerttechnik eine Schlüsselrolle. Sie sind der Treiber für schnelle, wirksame und bezahlbare CO2-Absenkungen und Effizienzsteigerungen im Bestand. Gas-basierte Heizungstechnologien bieten die günstigsten CO2-Vermeidungskosten und stellen damit eine effiziente Form des Klimaschutzes dar. 

Erdgas ist ein idealer Partner der Erneuerbaren Energien. Ob in der Stromproduktion, in der Stromspeicherung, mit innovativen Anwendungen im Wärmemarkt oder im Verkehrssektor – Erdgas wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Kurz und knapp: Erdgas ist unverzichtbarer Teil der Lösung auf dem Weg in ein CO2-neutrales Zeitalter. 

Weiter Informationen unter Opens external link in new windowwww.bdew.de