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DVGW veröffentlicht Klimaresilienz-Index Wasser 2026
„Klimaanpassung in der Wasserversorgung braucht mehr Tempo.“
Wasserversorger sehen wachsenden Anpassungsdruck bei der Trinkwasserversorgung. Dies zeigt der Klimaresilienz-Index Wasser, den der DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches zum zweiten Mal erhoben hat. Dr. Wolf Merkel, DVGW-Vorstand Wasser informiert für die Leser von THEMEN!Magazin zu Index-Kernaussagen.

- Der Blick auf die Rappbodetalsperre (Foto: magnific.com / wirestock creators)
Niedrigwasser, ausgetrocknete Böden, Waldbrände und regionale Einschränkungen bei der Wassernutzung prägen den Sommer 2026. Dennoch bleibt die öffentliche Wasserversorgung in Deutschland insgesamt stabil. Die Ergebnisse des Index verdeutlichen: Die Wasserversorgungsunternehmen bewältigen aktuelle Belastungen weiterhin zuverlässig, sehen aber fortgesetzt hohen Anpassungsdruck.
Vulnerabilitätstreiber benannt
Der Gesamtindex erreicht 48 von 100 Punkten. Er liegt leicht unter dem Vorjahreswert (2025: 49 Punkte) und damit weiterhin im mittleren Bereich. Noch überdurchschnittlich bewertet werden Robustheit (59 Punkte) und Anpassungsgrad (53 Punkte). Kritischer fallen die Einschätzungen zur Handlungsfähigkeit (43 Punkte), zum rechtlichen Rahmen (40 Punkte) und zur Zukunftsperspektive (46 Punkte) aus. Die Unternehmen berichten von steigenden Spitzenwasserbedarfen und einer höheren Beanspruchung der Systemressourcen.
Noch liegt das Wassermengen- und Engpass-Management im positiven Bereich; für die Zukunft wird aber eine Verschlechterung erwartet. Als neue Anforderung mit wachsender Bedeutung wird das Monitoring der Änderungen des Wasserdargebotes wahrgenommen. Weitere Vulnerabilitätstreiber sind der wachsende Investitionsbedarf für Klimaanpassungsmaßnahmen sowie die zunehmenden Herausforderungen bei der langfristigen Sicherung der Trinkwasserressourcen. Besonders größere Versorger sehen sich bei dem Erhalt und der Anpassung ihrer Infrastruktur unter Druck.
Als großes strukturelles Risiko wird der Fachkräftemangel eingestuft. Handlungsbedarf sehen die Unternehmen auch beim Rechtsrahmen. Langwierige Genehmigungs- und Beteiligungsverfahren gelten als größtes Hemmnis für die Anpassung der Infrastruktur.
In den Antworten nennen die Unternehmen insbesondere den Rückgang des natürlichen Wasserdargebots, den Ausbau der Infrastruktur, steigende Spitzenbedarfe, Finanzierungsfragen sowie bürokratische Hürden als zentrale Herausforderungen, die neben einer stärkeren Vernetzung regionaler Versorgungssysteme zu meistern sind.
Realitätsnahe Abbildung
Der Klimaresilienz-Index Wasser ist als Wiederholungsbefragung angelegt. Für die Erhebung 2026 wurden 227 Führungskräfte deutscher Trinkwasserversorgungsunternehmen online befragt. Die Auswertung basiert auf 50 Indikatoren in den Themenfeldern Robustheit, Anpassungsgrad, Handlungsfähigkeit, Rechtlicher Rahmen und Zukunftsperspektive. Die Ergebnisse wurden nach Wasserabgabe gewichtet, um die Struktur der deutschen Wasserversorgung realitätsnah abzubilden.
Wasserversorgung klimaresilient aufstellen
Die öffentliche Wasserversorgung in Deutschland ist leistungsfähig und resilient. Der Klimaresilienz- Index 2026 zeigt aber auch, dass wir heute die Voraussetzungen schaffen müssen, um die Versorgungssicherheit auch unter künftig verschärften Klimabedingungen dauerhaft zu gewährleisten. Dies unterstreicht Dr. Verena Svensson, Leiterin Wasserversorgung der Stadtwerke Düsseldorf, mit Blick auf die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt: „Die Wasserversorgung klimaresilient aufzustellen, ist eine Daueraufgabe und keine Modeerscheinung. Dazu führen die Stadtwerke Düsseldorf regelmäßig Analysen durch, wie zum Beispiel Szenario basierte Prognosen des zukünftigen Wasserbedarfs und Auswirkungen von Niedrigwasserständen auf die Gewinnungsanlagen. Jüngstes Beispiel für den Ausbau der Infrastruktur ist der Bau eines neuen Trinkwasser- speichers, um auch bei höheren Bedarfsspitzen langfristig die Versorgungssicherheit für Düsseldorf und die Region zu garantieren“.
Klimaanpassung braucht Tempo
Klimaanpassung in der Wasserversorgung braucht mehr Tempo. Wer zusätzliche Wassergewinnungskapazitäten, Speicher, Verbundsysteme oder Aufbereitungsanlagen schaffen will, benötigt verlässliche und vor allem schnellere Genehmigungsprozesse mit deutlich weniger Bürokratie. Das sind zentrale Voraussetzungen für mehr Klimaresilienz.
Die öffentliche Wasserversorgung in Deutschland ist leistungsfähig und resilient. Der Klimaresilienz- Index 2026 zeigt aber auch, dass wir heute die Voraussetzungen schaffen müssen, um die Versorgungssicherheit auch unter künftig verschärften Klimabedingungen dauerhaft zu gewährleisten.
Unser Appell: Die öffentliche Wasserversorgung ist heute resilient. Damit sie es auch morgen bleibt, müssen mehr Investitionen getätigt, Trinkwasserressourcen besser geschützt, Fachkräfte gesichert und regulatorische Hemmnisse konsequent abgebaut werden. Klimaanpassung ist eine Gemeinschaftsaufgabe von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie muss jetzt höchste Priorität erhalten.
www.dvgw.de

- Klimaresilienz-Index Wasser im Zeitverlauf (Grafik und Foto: DVGW)



