Nachricht

< E-Wirtschaft begrüßt Einigung bei Reformpartnerschaft
16.07.2026 14:47 Alter: 1 day

Digitale Energie-Infrastruktur: Souveränität und Effizienzsteigerung

“Die digitale Transformation der Energiewirtschaft erfordert ein resilientes, standardisiertes und souveränes Datenökosystem.”


Dr. Volker Flegel, Geschäftsführer Celron GmbH und Mitgestalter von Data Spaces

standardiGemeinsam mit einem breiten Unterstützerkreis an Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Projekten aus dem Energiesektor ruft die Deutsche Energie-Agentur (dena) dazu auf, Data Spaces als öffentliche digitale Infrastruktur zu etablieren. Das Impulspapier „Data Spaces für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands“ wurde Anfang Juli 2026 der Öffentlichkeit vorgestellt. Aktuell für THEMEN!magazin informiert Dr. Volker Flegel

Herr Dr. Flegel, warum Souveränität im Data Spaces?

Vertrauenswürdiger, selbstbestimmter und sektorenübergreifender Datenaustausch nach europäischen Werten und Standards ist ein unabdingbarer Baustein für eine zukunftsfähige, digitale Energie-Infrastruktur. Zudem erhöht die exponentielle Zunahme dezentraler Erzeugungsanlagen, Energiespeicher, Verbraucher und intelligenter Netzkomponenten die Komplexität und den Bedarf an sicherem, automatisiertem sowie souveränem Datenaustausch. Perspektivisch müssen mehr als 65 Mio. Energie-Assets annähernd in Echtzeit orchestriert werden. Der Lösungsansatz durch den Einsatz eines Data Spaces im Energiesystem ist bereits breit anerkannt, es bedarf aber noch einer Weiterentwicklung politischer und regulatorischer Rahmenbedingungen sowie wirtschaftlicher Grundlagen.

Worin liegt die Bedeutung von Data Spaces?

Ohne Strom gibt es keine Digitalisierung, aber ohne Digitalisierung gibt es perspektivisch auch keinen Strom mehr. Die digitale Transformation der Energiewirtschaft erfordert ein resilientes, standardisiertes und souveränes Datenökosystem. Vor diesem Hintergrund entwickelt ein breites, sektorenübergreifendes Konsortium das Datenökosystem energy data-X. Vorrangige Zielsetzungen sind dabei die Beherrschung der zunehmenden Integrationsnotwendigkeit kleinteiliger Energie-Assets in das Energiesystem sowie die dadurch resultierende Intensivierung der Dekarbonisierung.

Wie steht es um den Anwendernutzen?

Datenaustausch im Energiesektor ist heute häufig durch fragmentierte und proprietäre IT-Systeme, heterogene Datenstandards und vielfältige bilaterale Schnittstellen geprägt. Dies führt zu hohen IT-Kosten, erschwert die Sektorenkopplung und begrenzt die Skalierbarkeit vieler Anwendungen sowie den Einsatz von künstlicher Intelligenz.
Infolge zunehmender regulatorischer Komplexität können gerade kleine und mittlere Energieunternehmen kaum noch die erforderlichen Anpassungen lokaler IT-Systeme beherrschen. Demgegenüber ermöglicht energy data-X beispielsweise durch die zeitgleiche Bereitstellung zentraler IT-Systeme für regulierte Prozesse und für alle Energieunternehmen sehr kurzfristig und effizient realisierbare Lösungsansätze.
Die Energieunternehmen und alle Marktakteure behalten dabei stets die Kontrolle über ihre Daten und entscheiden eigenständig über deren Nutzung.

Gibt es weitere Vorteile?

Durch Datenaustausch in nahezu Echtzeit können Flexibilitätspotenziale im Energiesystem deutlich besser erschlossen, Prozesse einfacher automatisiert und innovative Geschäftsmodelle schneller umgesetzt werden. So erleichtert das Datenökosystem die netzdienliche Steuerung von Wärmepumpen und Stromspeichern sowie die Einführung variabler Netzentgelte und dynamischer Stromtarife.
Aktuell liegen vorläufige Bilanzkreisabrechnungen üblicherweise erst etwa 6 - 8 Wochen nach dem Ende eines Liefermonats vor. Daraus abgeleitete Bilanzkreisanalysen sind jedoch für die Einsatzplanung von Erzeugungsanlagen und die Netzsteuerung des jeweiligen Folgetages zunehmend erfolgskritisch. Durch den Einsatz von energy data-X ist es gelungen, kurzfristiger automatisierte Bilanzkreisabrechnungen in einer 15-Minuten-Granularität bereitzustellen, die mit Prognosen unterlegt für eine Nachjustierung des Bilanzkreises in der nahen Zukunft herangezogen werden können. Hieraus resultieren beispielsweise signifikante Vorteile für den Regelenergie-Bedarf sowie die Dämpfung negativer Strompreise. Die geschilderten Beispiele spiegeln den aktuellen Umsetzungsstand von energy data-X wider. Das Datenökosystem kann mit geringem Aufwand durch zusätzliche Use Cases ergänzt und skaliert werden.

Welche Aufgaben stehen aktuell an?

Um Data Spaces nachhaltig in der Praxis zu etablieren, sind Aufgaben auf verschiedenen Ebenen parallel voranzutreiben:

  1. Systematisches Intellectual Capital Sharing aller bisher in Datenökosystem-Projekten involvierten Akteure.
  2. Konsequente Positionierung der Politik und Verwaltung sowie insbesondere die aktive Einbeziehung von „regulierten“ Datenaustauschprozessen (wie z. B. im Bereich der Marktkommunikation, der systematischen Vernetzung von öffentlichen Registern oder des Reportings gegenüber öffentlichen Institutionen).
  3. Systematische Unterstützung der Überführung bestehender Datenökosystem-Projekte aus der Forschungsphase in den Realbetrieb mit funktionierenden wirtschaftlichen Betriebsmodellen.
  4. Die Etablierung von Anreizsystemen, die sowohl den Datenaustausch fördern als auch die Beteiligung an Datenökosystemen attraktiv gestalten.

Damit resultieren auch Forderungen an die Politik?

Der energiewirtschaftliche Nutzen eines Data Spaces wurde durch das Projekt energy data-X belegt, die weitere Ausgestaltung und die Skalierung entsprechend den EU-DSSC-Vorgaben und Gaia-X-Standards stehen an. Jetzt gilt es, die Effizienzsteigerungspotenziale zu erschließen und systematisch weitere Anwendungsfälle im Bereich der Sektorenkopplung zu etablieren. Damit wird der Weg für die operative Implementierung des Datenökosystems als Standard in der Energiewirtschaft geebnet.
br>Diese Herausforderung kann jedoch nicht alleine durch die Energieunternehmen bewältigt werden. In einem hochregulierten Umfeld wie dem Energiesektor sowie im Hinblick auf den umfassenden Einsatz kritischer Infrastrukturen (KRITIS) ist eine aktive Beteiligung des BMWE und des Regulators erforderlich, insbesondere zur Festlegung von Anwendungsbedingungen sowie einer Kostentragung im Rahmen regulierter Prozesse.

Die deutsche Politik und Verwaltung müssen deshalb ihre bisherigen Aktivitäten zur Unterstützung von Datenökosystemen konsequent fortsetzen. Denn der Energiesektor sowie die angrenzenden Sektoren benötigen umfassende Klarheit darüber, ob und wie in Zukunft Datenökosysteme einen Schlüsselerfolgsfaktor für die Digitalisierung bilden. Die EU hat mit bereits verabschiedeten Verordnungen zur Bildung EU-weiter Daten- und Energiebinnenmärkte hier bereits ein klares Votum vorgegeben.

„Im Energiesektor muss das Datenökosystem energy data-X durch eine konzertierte Aktion aller Marktakteure möglichst kurzfristig und reibungslos in eine Phase der Skalierung überführt werden.“

- Dr. Volker Flegel

Wir danken für das Gespräch.Weitere Informationen unter:
www.energydata-x.euwww.dena.de/infocenter/data-spaces-fuer-die-zukunftsfaehigkeit-deutschlands