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< Digitale Energie-Infrastruktur: Souveränität und Effizienzsteigerung
16.07.2026 14:59 Alter: 1 day

Das stille Milliardenproblem der kommunalen Versorgung

“Digitalisierung in der Wasserwirtschaft bedeutet nicht, mehr Daten zu sammeln. Vielmehr, die richtigen Daten zur richtigen Zeit an die richtige Stelle zu bringen.”


Andreas Weber, CEO der kraftwerk Software Gruppe

Auf dem BDEW-Kongress in Berlin war es in diesem Jahr nicht zu überhören: Die Wasserwirtschaft steht unter Druck. Alternde Netze, wachsender Fachkräftemangel, neue Regulierungsanforderungen durch DVGW W 392, NIS2 und Klimafolgen wie PFAS-Einträge – und gleichzeitig die politische Erwartung, die Versorgungssicherheit für Trinkwasser dauerhaft zu gewährleisten. Non-Revenue Water: Ein Gastbeitrag von Andreas Weber, CEO der kraftwerk Software Holding GmbH.

Kerstin Andreae hat es im Titelinterview dieser Ausgabe angesprochen: Die kommunale Versorgungswirtschaft braucht keine weiteren Absichtserklärungen. Sie braucht funktionierende Werkzeuge. Genau hier liegt ein strukturelles Problem, das in der politischen Debatte zu selten benannt wird.

Was die Branche kostet, was sie nicht sieht

In deutschen Versorgungsnetzen werden nach Branchenschätzungen fünf bis zehn Prozent des eingespeisten Wassers nicht abgerechnet. Fachleute nennen das Non-Revenue Water. Bei einer mittleren Jahreseinspeisung von einer Million Kubikmetern entspricht das einem entgangenen Ertrag von bis zu 180.000 Euro pro Versorger und Jahr – nur durch Wasserverluste, die niemand bemerkt hat. Und das ist die konservative Rechnung. Die Schadenskosten pro Leckageereignis kommen noch dazu.¹
Das ist kein technisches Versagen. Es ist ein Informationsproblem. Die meisten kommunalen Wasserversorger in Deutschland haben LoRaWAN-Zähler installiert, die Messdaten senden. Aber jeder Zählerhersteller liefert sein eigenes Portal, eine einheitliche Auswertung über das gesamte Netz gibt es nicht, und Auffälligkeiten werden erst sichtbar, wenn sich Kunden beschweren oder der Schaden an die Oberfläche dringt. Hunderte von Zählern, keine gemeinsame Sicht – das ist der Normalzustand in einem Bereich der kritischen Infrastruktur, der politisch als selbstverständlich behandelt wird.

Digitalisierung bedeutet hier: Entscheidungen früher treffen

Was die Wasserwirtschaft braucht, ist kein neues Förderprogramm für Sensorik. Sie braucht den Übergang von Daten zu Handlungsempfehlungen – und von Insellösungen zu integrierten Plattformen.
kraftwerk.Flow ist ein Beispiel dafür, wie das konkret aussieht. Die Plattform führt IoT-Messdaten aus Wassernetzen auf einem einzigen Dashboard zusammen, analysiert das Nachtverhalten automatisch und klassifiziert Leckage-Verdachtslagen nach einem Ampelprinzip. Was der Netzmeister bekommt, sind keine Rohdaten – es ist eine tägliche Bewertung, wo im Netz Handlungsbedarf besteht. Und was das kaufmännische System bekommt, sind Stichtagsstände ohne manuellen Zwischenschritt.

Der entscheidende Punkt ist nicht das Produkt selbst. Es ist das Prinzip dahinter: Digitalisierung in der Wasserwirtschaft bedeutet nicht, mehr Daten zu sammeln. Es bedeutet, die richtigen Daten zur richtigen Zeit an die richtige Stelle zu bringen – automatisch, ohne zusätzlichen Personalaufwand in einer Branche, die bereits heute unter Fachkräftemangel leidet.

Das Stadtwerk als Plattform – nicht als Patchwork

Ein kommunaler Wasserversorger, der heute digital aufgestellt ist, arbeitet trotzdem häufig mit vier oder fünf Systemen nebeneinander: eines für die Zählerablesung, eines für die kaufmännische Abrechnung, eines für das Beschwerdemanagement, eines für den Außendienst, ein Wissensmanagement-System das keiner nutzt, weil es keine brauchbare Suche hat. Jede Schnittstelle ist eine potenzielle Fehlerquelle, jeder Systemwechsel kostet Zeit und Geld, das für kleine und mittlere Versorger selten vorhanden ist.

Die kraftwerk-Plattform adressiert genau diese Fragmentierung. kraftwerk.Wasser bildet die kaufmännische Basis: Gebührenabrechnung nach kommunaler Satzungslogik, Zählerwesen, SEPA, revi-sionssichere Belegkette. kraftwerk.Flow bringt das Netz in Echtzeit auf den Bildschirm. Das kraftwerk.Wasserportal gibt Kundinnen und Kunden 24/7-Zugang zu Verbrauchsdaten und Zählerstandsmeldungen – jede Eingabe landet direkt im System, kein Anruf im Innendienst notwendig.

Und kraftwerk.Knowledge löst ein Problem, das selten offen ausgesprochen wird: Wenn erfahrene Mitarbeiter gehen, geht ihr Wissen mit. Satzungsdetails, Netzbesonderheiten, Kundenhistorien – häufig in Köpfen oder in PDF-Silos, die keine vernünftige Suche erschließt. Das KI-gestützte Wissenssystem für Versorger macht internes Wissen suchbar, mit Quellenangabe, GoBD-konform. Die Einarbeitungszeit neuer Kolleginnen und Kollegen sinkt messbar; kraftwerk rechnet mit 144.375 Euro jährlichen Prozesskosten, die durch Suchaufwand entstehen und durch das System eliminiert werden.
Das ist kein Werbeclaim. Das ist eine Kalkulation, die auf 25 Mitarbeitenden mit täglich 45 Minuten Suchaufwand basiert – nachvollziehbar und offen einsehbar. Grundlage ist die McKinsey-Erhebung, nach der Mitarbeitende im Schnitt 1,8 Stunden täglich mit der Suche nach Informationen verbringen.³

Was Politik daraus ableiten kann

Die kommunale Wasserwirtschaft ist kritische Infrastruktur. Sie ist es rechtlich, sie ist es faktisch, und sie wird es politisch immer mehr – spätestens seitdem KRITIS-Dachgesetz und NIS2-Umsetzung An-forderungen formulieren, für die viele kleine und mittlere Versorger allein nicht die personellen Ressourcen haben.
Was die Debatte bisher zu wenig berücksichtigt: Der Engpass liegt häufig nicht beim Willen zur Digitalisierung, sondern beim Übergang von Einzellösungen zu funktionierenden Gesamtsystemen. Investitionen in Sensorik und IoT sind sinnlos, wenn die Daten anschließend in einem Portal versanden, das nicht mit dem kaufmännischen System spricht. Förderprogramme, die Einzelkomponenten finanzieren, lösen dieses Problem nicht.

Und, was kommunale Versorger brauchen, sind integrierte Plattformen, die kaufmännische Prozesse, Netzbetrieb und Kundenkommunikation zusammenführen – ohne jahrelange IT-Projekte, ohne Abhängigkeit von Einzellieferanten, mit echter Datenhoheit in Deutschland.
Die Wasserwirtschaft hat die Werkzeuge. Die Frage ist, ob der politische und regulatorische Rahmen ihren Einsatz beschleunigt oder bremst.

www.kraftwerk.io

Quellen


¹ DVGW-Technisches Komitee Wasser; eigene Berechnung kraftwerk Software auf Basis eines mittleren Versorgungs-gebiets (1 Mio. m³ Jahreseinspeisung, Wasserpreis 0,18 €/m³ netto, NRW-Quote 10 %).
² Bitkom / BDEW: Fachkräftestudie Energiewirtschaft und IT 2024; eigene Fortschreibung kraftwerk Software.
³ McKinsey Global Institute: „The social economy: Unlocking value and productivity through social technologies" (2012); bestätigt durch IDC: „The Business Value of Generative AI" (2023). Kraftwerk-Kalkulation: 25 Mitarbeitende × 45 Min. Suchzeit/Tag × 220 Arbeitstage × 58,50 €/Std. (Vollkostenansatz inkl. Lohn-nebenkosten) = 144.375 €/Jahr.