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27.02.2020 10:58 Alter: 206 days
Kategorie: Energiewende

Das integrierte europäische Energiesystem im Blick

Um die Energiewende erfolgreich voranzubringen und die Klimaziele zu erreichen, müssen Strom- und Gasnetze zukünftig eng verzahnt werden. Das ist Ergebnis der jetzt veröffentlichten Phase II-Studie von TenneT und Gasunie. Die Studie ist eine Fortschreibung des „Infrastructure Outlook 2050“ aus dem letzten Jahr, ihr Fokus liegt auf Europa, insbesondere Deutschland und den Niederlanden.


Jens Schumann, Geschäftsführer Gasunie Deutschland, Foto: Gasunie

Während die Stromnetze auch nach 2030 deutlich erweitert werden müssen, ergibt sich bei den Gasnetzen die Notwendigkeit für einen moderaten Ausbau. Eine gemeinsame Studie von TenneT und Gasunie zeigt mögliche Wege zu einem integerierten Energiesystem mit Kopplung von Strom-und Gasnetzen. Die Infrastruktur für Gastransport muss allerdings für den Transport von Wasserstoff angepasst werden.

Im Gespräch zur Phase II-Studie sind wir mit Jens Schumann, Geschäftsführer von Gasunie Deutschland.

Herr Schumann, welche Kernaussagen enthält die Studie?

Die Studie zeigt mögliche Wege zu einem integrierten Energiesystem mit Kopplung von Strom-und Gasnetzen ebenso wie die Anpassung der Infrastruktur für den Transport von Wasserstoff. Phase II zeigt, dass der weltweite Import von CO2-neutralen Gasen wie grünem Wasserstoff oder synthetischem Methan nach Europa in allen von uns untersuchten Szenarien zu einem wesentlichen Bestandteil der Energieversorgung wird. Die weitere Entwicklung der Energieübertragungsinfrastruktur für Elektrizität, Wasserstoff und Methan über 2030 hinaus ist für das zukünftige Energiesystem unerlässlich. Diese Entwicklung muss aber rechtzeitig und integriert geplant werden, um optimale Lösungen für eine schnellere und bezahlbare Energiewende zu finden. In diesem Transformationsprozess spielen Wasserstoff und Power-to-Gas eine Schlüsselrolle. Nur so lassen sich erneuerbare Energien langfristig speichern und effizient transportieren.

Und welche Botschaft sendet die Studie an die Politik?

Um die politisch vorgegebenen Klimaschutzziele zu erreichen, ist ein europäischer Ansatz bei der Integration der Energieinfrastruktur erforderlich. Nationale Energiewenden sind wichtig und bringen erste bedeutende Schritte für den Ausbau von erneuerbaren Energien. Aber wenn wir wollen, dass der Transformationsprozess insgesamt zeitgerecht und bezahlbar umgesetzt wird, brauchen wir eine stärkere politische Zusammenarbeit innerhalb Europas.

Bundeswirtschaftsminister Altmaier fordert, dass Deutschland beim Wasserstoff die Nummer Eins werden soll – erreichen wir das Ziel?

Damit Elektrolyse-Wasserstoff zukünftig im industriellen Maßstab hergestellt werden kann, benötigen wir einen geeigneten Regulierungsrahmen – und hier insbesondere Reformen bei den Abgaben und Umlagen. Wir brauchen einen fairen und wettbewerbsfähigen Markt für grünen Wasserstoff. Wegen der hohen Eintrittskosten, aber auch aufgrund regulierungsbedingter Verzerrungen sind starke Anreize für den Markt dringend erforderlich. Vor allem: Wir müssen jetzt endlich mit industriellen Pilotprojekten beginnen. Für diesen Markt- und Technologiehochlauf liegen die Angebote der Strom- und Gasnetzbetreiber auf dem Tisch.

Der Regulierungsrahmen bietet grundsätzlich die Voraussetzung, dass sich aus den heutigen Erdgasleitungen das Rückgrat für eine leistungsfähige Wasserstoffwirtschaft entwickelt. Bei der Umstellung von Lauf H-Gas beweist die Gasindustrie, dass sie in der Lage ist, solch komplexe Prozesse zu organisieren. Diesen Schwung gilt es aufzunehmen – dann bin ich zuversichtlich, dass es uns gelingt, den regulatorischen und organisatorischen Rahmen für einen Systemumbau hin zu Wasserstoff im engen Dialog mit allen Stakeholdern zu entwickeln.