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09.12.2019 13:49 Alter: 114 days
Kategorie: Energiewende

Braucht Deutschland eine Wasserstoffstrategie?

Mit einer Stakeholder-Konferenz zur Nationalen Wasserstoffstrategie hat die Bundesregierung signalisiert, diesem Thema im Rahmen der weiteren Umsetzung der Energiewende mehr Stellenwert zu geben.


Werner Diwald, Vorstandsvorsitzender des DWV Foto: Boris Trenkel

Für den Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband (DWV) ist eine solche Konferenz längst überfällig, fordert der DWV doch seit langem gemeinsam mit der deutschen Wirtschaft eine Wasserstoff-Industrie-Strategie.

Im Gespräch mit THEMEN|:magazin ist Werner Diwald, Vorstandsvorsitzender des DWV.

Herr Diwald, wie wertet der DWV das politische Statement der Bundesregierung für eine Nationale Wasserstoffstrategie?

Eine Konferenz zum Thema Wasserstoff war lange überfällig. Die Energiewende benötigt neben direkt genutzten erneuerbaren Energien oder Strom aus erneuerbaren Quellen weitere Bausteine: Dies sind die gasförmigen Energieträger, insbesondere Wasserstoff, der mit erneuerbarem Strom produziert wird (Grüner Wasserstoff). Gasförmige und flüssige Energieträger sind bereits heute integrale Bausteine unseres Energiesystems.

Zum Erreichen der Klimaziele werden wir sie aber durch klimafreundliche Alternativen wie Grünen Wasserstoff und daraus erzeugte Folgeprodukte ersetzen müssen. Deshalb muss Deutschland nun eine griffige und umfassende Wasserstoff-Industrie- Strategie entwickeln, um den Herausforderungen der Energie- und Mobilitätswende auf Augenhöhe begegnen zu können.

Wie bewerten Sie das volkswirtschaftliche Potenzial von Wasserstoff?

Wichtig ist, nicht nur den Energieträger Wasserstoff zu adressieren, sondern auch die damit verbundenen Chancen für Industrie und Wirtschaft. Deshalb müssen wir auch das große Potenzial von Wasserstoff im Kontext einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung des Standortes Deutschland diskutieren.

Wasserstoff aus erneuerbaren Energien ist die Schlüsselkomponente für eine erfolgreiche Energie- und Verkehrswende. Powerto- Hydrogen- Anlagen bilden hierbei die Brücke zwischen erneuerbarer Stromwirtschaft, nachhaltiger Mobilität und Industrie.

Welche Erwartungen haben Sie an eine schnellere Markteinführung?

Wir erwarten von der Bundesregierung eine Wasserstoff-Industrie-Strategie, die konkrete Maßnahmen mit zeitlichen Zielen adressiert. Nur dann eröffnet sich die Chance, den industriellen Markthochlauf für den Anlagenbau von Elektrolyseuren und von synthetischen Kraftstoffen in Deutschland zu initiieren.

Für die inländische Wertschöpfung wurde allein über die Herstellung von Elektrolyseuren für den heimischen Bedarf ab dem Jahr 2030 bis zu 10 Mrd. Euro pro Jahr mit bis zu 70.000 Vollzeitbeschäftigten in der deutschen Wasserstoffindustrie prognostiziert.

Die Wasserstoff-Strategie muss deshalb einen Konkretisierungsgrad haben, der es Industrie und Investoren ermöglicht, den nächsten Schritt zu gehen. Auch vor dem Hintergrund, dass die Bundesregierung in Zukunft einen starken industriellen Sektor in Deutschland als wichtiges politisches Ziel ansieht.