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< Rein in ein modernes Gebäudemodernisierungsrecht
07.04.2026 17:10 Alter: 28 days

Biomethan als Schlüssel für klimaneutrale Wärme

„Deutschland bleibt hinter seinen Möglichkeiten: Biomethan kann maßgebliche Teile des zukünftigen Gasverbrauchs decken und massiv CO₂ senken.“


Dr. Timm Kehler, Vorstand, Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft e. V.

Die aktuellen Eckpunkte zum geplanten Gebäudemodernisierungsgesetz unterstreichen die Bedeutung klimaneutraler Brennstoffe für die zukünftige Wärmeversorgung. Damit diese Strategie trägt, muss auch das Angebot an grünen Gasen wachsen. Deshalb wurde unter dem Dach des Verbandes Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft eine Biomethan Taskforce gebildet, wie Dr. Timm Kehler, Vorstand des Verbandes, in einem Beitrag für THEMEN!magazin informiert.

Biogas-Vettin, Fermenter-Aufbereitungsanlage / Fotos: Jost Listemann

Biomethan ist einer der wenigen erneuerbaren Energieträger, der flexibel verfügbar und speicherbar ist. Zudem wird es regional hergestellt und nutzt die bestehende Infrastruktur. Damit verbindet Biomethan Klimaschutz mit Versorgungssicherheit und heimischer Wertschöpfung. Diese Eigenschaften machen Biomethan auch energiepolitisch immer wichtiger.
Die neue Biomethan Taskforce bündelt deshalb Fachkompetenzen aus Produktion, Handel und Anwendung, um den Hochlauf von Biomethan in Deutschland voranzubringen und ausreichend Mengen zu wettbewerbsfähigen Preisen verfügbar zu machen.Die aktuellen Eckpunkte der Bundesregierung zum geplanten Gebäudemodernisierungsgesetz unterstreichen die Rolle klimaneutraler Brennstoffe für die zukünftige Wärmeversorgung. Wenn CO₂-neutrale Gase künftig stärker zum Einsatz kommen sollen, muss jedoch auch ihre Verfügbarkeit gesichert werden. Genau hier setzt die neue Biomethan Taskforce an: Sie will dazu beitragen, Produktion und Marktangebot von Biomethan in Deutschland deutlich auszubauen, damit ausreichend Mengen zu wettbewerbsfähigen Preisen in den Markt kommen.
Denn die Potenziale von Biomethan stehen derzeit auf dem Spiel. Der aktuelle Entwurf zur Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) im Zuge der Umsetzung des EU-Gas- und Wasserstoffbinnenmarktpakets sendet problematische Signale für den Ausbau von Biomethan. Er entzieht dem Energieträger die Perspektive im Gasnetz: Bestehende und neue Biogasanlagen verlieren langfristig den Zugang zur Infrastruktur, während Verteilnetze vorschnell stillgelegt werden könnten. Die Folge sind steigende Kosten für Haushalte und Mittelstand durch höhere Umstellungs- und Systemkosten – sowie ein Rückschritt für die Energiewende.

Biomethan droht damit seine Rolle im Energiesystem zu verlieren – obwohl es gerade jetzt gebraucht wird. Denn das erneuerbare Gas kann eine tragende Rolle in der Transformation unseres Energiesystems zur Klimaneutralität spielen. Allerdings nur unter den richtigen Bedingungen.

Die aktuelle Marktlage ist geprägt vom Spannungsfeld aus Klimaschutzzielen einerseits und einem zu engen und unklaren Rechtsrahmen andererseits. Was fehlt, sind klare und zukunftsfähige Rahmenbedingungen für Infrastruktur, Markt und Nutzung von Biomethan. Dazu gehören eine praxistaugliche Massenbilanzierung für grüne Gase sowie ein verlässliches Handels- und Nachweisregime für Biomethan. Mit dem Auslaufen der Gasnetzzugangsverordnung und der EEG-Förderung sowie der unklaren Umsetzung des EU-Gasbinnenmarktpakets entsteht Unsicherheit bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern und Investitionen in neue Produktionskapazitäten werden gebremst.

Gemeinsam für den Hochlauf von Biomethan

Deutschland bleibt beim Ausbau von Biomethan bislang hinter seinen Möglichkeiten zurück. Dabei könnte der erneuerbare Energieträger künftig einen erheblichen Teil des Gasbedarfs klimaneutral decken und dabei gleichzeitig die CO₂-Emissionen senken.

Genau hier setzt die Biomethan Taskforce an. Sie bündelt Fachkompetenzen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Produktion über Handel bis zur Nutzung – und will den Hochlauf von Biomethan aktiv voranbringen. Die Initiative setzt sich für politische Rahmenbedingungen ein, mit denen Investitionen in Produktion, Infrastruktur und Nutzung wieder planbar werden. Denn während die Europäische Kommission mit RePowerEU ein ambitioniertes Ziel von 35 Milliarden Kubikmetern Biomethan bis 2030 definiert hat, droht Deutschland beim Aufbau entsprechender Kapazitäten den Anschluss zu verlieren. Länder wie Frankreich oder Italien schaffen längst verlässliche Investitionsbedingungen und treiben den Ausbau konsequent voran.

Biomethan als Baustein der klimaneutralen Energieversorgung

Biomethan ist vielseitig einsetzbar: Im Verkehr, in Industrieprozessen oder im Heizkeller. Als erneuerbares, speicherbares und flexibel einsetzbares Molekül kann es bestehende Infrastrukturen dekarbonisieren und zugleich zur Versorgungssicherheit beitragen. Dafür muss das Potenzial von Biomethan endlich voll genutzt werden. Mit der neuen Initiative bündeln wir die schon lange bestehenden Fachkompetenzen aus der Gasbranche mit denen der Biomethan-Spezialisten und setzen einen industriepolitischen Impuls, um Angebot und Nachfrage synchron auszubauen.

Neben stabilen Grundlagen braucht der Markt auch Instrumente zur Stimulierung der Nachfrage. Die Taskforce setzt sich unter anderem für die Einführung einer Grüngasquote ein. Eine aktuelle Civey- Umfrage unter 2.500 Eigenheimbesitzern zeigt: 65,9 Prozent unterstützen die Einspeisung grüner Gase für einen klimaneutralen Heizungsbetrieb. Nur 18,9 Prozent waren dagegen, 15,2 Prozent antworteten mit “Weiß nicht”.
Klar ist: Wenn Deutschland seine Klimaziele erreichen und gleichzeitig eine bezahlbare Energieversorgung sichern will, darf das Potenzial von Biomethan nicht ungenutzt bleiben.
Die Biomethan Taskforce will deshalb gemeinsam mit Politik, Wirtschaft und Verbänden daran arbeiten, die Voraussetzungen für einen schnellen Markthochlauf zu schaffen.

Die Taskforce wird von bestehenden Mitgliedern des Verbandes und führenden Unternehmen der Biomethanbranche getragen. Dazu zählen Biogeen, DAH Gruppe, Nawaro, Balance Erneuerbare Energien, SEFE, Uniper, Verbio, Trading Hub Europe und anew climate. Unterstützt wird die Initiative vom Projekt Transformationspfad Neue Gase der Branchenverbände BDEW, DVGW und Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft.

Als Stimme der Branche bündelt der Verband DIE GASUND WASSERSTOFFWIRTSCHAFT e. V. die Interessen seiner Mitglieder und setzt sich dafür ein, dass die Potenziale von Wasserstoff und seiner Derivate sowie Biogas und Erdgas inklusive der dazugehörigen Infrastruktur genutzt werden. Zudem informiert er über die Chancen, die gasförmige Energieträger für ein klimaneutrales als auch resilientes Energiesystem bieten, und treibt die Transformation der Branche hin zu neuen Gasen voran. Der Verband wird von führenden Unternehmen der Energiewirtschaft getragen und umfasst die gesamte Wertschöpfungskette von Produktion, Transport, Verteilung bis hin zu Handel, Vertrieb und Anwendungen. Weitere Branchenverbände und Industrieunternehmen unterstützen ihn als Partner.