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16.04.2021 15:57 Alter: 32 days

450 MHz-Frequenzen für schnelle Digitalisierung und Versorgungssicherheit

Am 9. März 2021 hat die Bundesnetzagentur den Zuschlag für die 450 MHz-Frequenzen an die 450connect GmbH erteilt, ein Konsortium aus Unternehmen der Energie- und Wasserwirtschaft. Mit der Vergabe sind nun die Voraussetzungen für den zügigen und flächendeckenden Ausbau des 450 MHz-Funknetzes geschaffen. Zur Entscheidung der Bundesnetzagentur sprachen wir mit Thomas Murche, technischer Vorstand der WEMAG AG.


Thomas Murche, Technischer Vorstand, WEMAG AG Foto: Christoph Meyer

Die 450connect GmbH ist ein Zusammenschluss aus vier Gesellschaftergruppen: der Alliander AG, einem Konsortium regionaler Energieversorger (darunter die niedersächsische EWE NETZ), E.ON und der Versorger-Allianz 450, zu der mehrere Stadtwerke sowie Energie- und Wasserversorger gehören. Erklärtes Ziel ist es, zügig ein bundesweites leistungsfähiges Mobilfunknetz auf Basis der LTE-Technologie (4G und 5G) zur Digitalisierung der deutschen Energie- und Wasserwirtschaft sowie weiterer kritischer Infrastrukturen aufzubauen.

Herr Murche, Sie sind für die WEMAG seit Beginn in den schwierigen Prozess um die Neuvergabe der 450 MHz-Frequenzen eingebunden. Wie beurteilen Sie die Entscheidung?

Die Energiebranche ist auf eine flächendeckende, schwarzfallsichere Kommunikationsinfrastruktur angewiesen. Insbesondere die Netzbetreiber haben die wichtige Aufgabe, jederzeit eine sichere und zuverlässige Stromversorgung zu gewährleisten und diese im Fall eines flächendeckenden Ausfalls – dem sogenannten Schwarzfall – schnell wiederherzustellen.

Auch für den Erfolg der Digitalisierung ist es unabdingbar, dass verschiedene Anlagen störungsfrei und sicher miteinander kommunizieren und Netze mit einer breiten Datengrundlage gemanagt werden können. Gerade das 450 MHz- Funknetz ermöglicht es, die vielen dezentralen Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien sicher und hochverfügbar in die Energiesysteme zu integrieren. Gleichzeitig können wir so Versorgungssicherheit und den Schutz kritischer Infrastrukturen gewährleisten.

Worauf konnte die Bundesnetzagentur bei ihrer Entscheidung aufbauen?

Wesentlich war sicher die Einigung der Energie- und Wasserwirtschaft auf ein gemeinsames Branchenmodell und die Erfahrungen des Konsortiums der kommunalen Regionalversorger. Die Regionalversorger bauen und betreiben teilweise bereits seit einigen Jahren in Kooperation mit dem Funknetzbetreiber 450connect GmbH auf einem Fünftel der Fläche Deutschlands regionale 450 MHz-Funknetze.

Die mehrheitlich kommunalen Unternehmen haben frühzeitig in eine zuverlässige und hoch verfügbare Kommunikationsplattform zur Digitalisierung ihrer Verteilnetze investiert. Durch diese partnerschaftliche Zusammenarbeit konnten gute Erfolge beim Funknetzausbau und netzdienlichen Anwendungen erzielt werden. Unser Konzept zur Nutzung der Frequenzen für die Versorgung kritischer Infrastrukturen hat überzeugt und gezeigt, dass wir in der Lage sind, dieses zuverlässig, effizient und zeitnah umzusetzen.

Welchen Nutzen bringen die 450 MHz-Frequenzen?

Mit dem nationalen und branchenübergreifenden Ansatz bietet die 450connect ihren Partnern und Kunden die Möglichkeit, Funkdienstleistungen für ihre Ende-zu-Ende-Lösungen einzukaufen und damit auch regionale Wertschöpfung zu realisieren. Darüber hinaus kann durch die Einbringung eigener Mastinfrastruktur der nationale Netzaufbau eine deutliche Beschleunigung erfahren.

Ziel ist es, die digitale bundesweite Kommunikationsinfrastruktur mit ihren rund 1.600 Funkstandorten bis Ende 2024 in Betrieb zu nehmen. Netzbetreiber haben dann die Möglichkeit, Energieerzeugung, -transport und -verbrauch in Echtzeit zu überwachen und bei Bedarf zu steuern. Deshalb ist das 450 MHz-Funknetz als der dringend benötigte Enabler für die Energiewende zu sehen, denn damit steht der Digitalisierung der Branche sowie einer sicheren und zuverlässigen Stromversorgung nichts mehr im Wege.

Herr Murche, wir bedanken uns.

Weitere Informationen unter: www.450connect.de