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< Regionale und lokale Versorger sollten agil werden
07.05.2018 13:46 Alter: 19 days

Partnerschaft auf Augenhöhe

Die Energiewende verlangt eine verstärkte Zusammenarbeit der Energieversorger. Kein Unternehmen kann auf sich allein gestellt den Wandel der Energieversorgung bewerkstelligen. Dies gilt insbesondere mit Blick auf die künftige Kopplung des Stromsektors mit dem Wärme- und Verkehrssektor.


Die envia Mitteldeutsche Energie AG (enviaM) ist als führender regionaler Energiedienstleister in Ostdeutschland eng mit vielen Stadtwerken in der Region verbunden. Wir sprachen mit dem enviaM-Vertriebsvorstand Dr. Andreas Auerbach über neue Partnerschaftsmodelle.

Foto: Guido Werner

Herr Dr. Auerbach, wie arbeitet die enviaM-Gruppe mit Stadtwerken zusammen?

Wir sind an 26 Stadtwerken in Ostdeutschland beteiligt und unterhalten Geschäftsbeziehungen zu rund 120 kommunalen Energieversorgungsunternehmen. Im Zuge der Energiewende haben wir unsere Zusammenarbeit deutlich erweitert. Sie umfasst inzwischen alle Bereiche der Energieversorgung. Der Bogen spannt sich von Handel und Vertrieb über Erzeugung und Energiedienstleistungen bis zum Netz. Wir pflegen einen Umgang auf Augenhöhe. Alle Stadtwerke sind für uns gleichberechtigte Partner.

Wo gehen Sie bei Handel und Vertrieb gemeinsame Wege?

Die enviaM-Gruppe verfügt über eine eigene Handelsabteilung sowie eine 24 Stunden besetzte Kraftwerksleitwarte. Wir besitzen Marktzugänge zu zahlreichen Energiemärkten im In- und Ausland. Wir bieten Stadtwerken an, für sie Strom, Erdgas, Bioerdgas und Zertifikate zu handeln. Neben einem ganzheitlichen Portfoliomanagement ist auch das Bilanzkreismanagement für unsere Kunden möglich. Ebenso übernehmen wir auch die Direktvermarktung von Strom aus erneuerbaren Energien und Kraft-Wärme-Kopplung sowie die Vermarktung von Minutenreserve, Sekundär- und Primärregelleistung.

Um den Handel von Strom und Erdgas für Stadtwerke noch einfacher und schneller zu machen, haben wir 2017 die Online-Handelsplattform eSales entwickelt. Hier erledigen Stadtwerke ihr Handelsgeschäft mit lediglich vier Klicks bis zum Trade. Sie können dabei die auf ihre Kundensituation und Bedürfnisse zugeschnittenen Mengen handeln.

Sie betreiben mit Stadtwerken auch ein sehr erfolgreiches Energieeffizienznetzwerk. Was gab dafür den Anstoß?

Wir haben uns sehr rasch entschieden, Energieeffizienznetzwerke in Ostdeutschland zu gründen. Momentan unterhalten wir vier Netzwerke, denen knapp 40 Unternehmen, Kommunen und Stadtwerke angehören. Unser 2015 ins Leben gerufenes Energieeffizienznetzwerk für Stadtwerke war das bundesweit erste dieser Art. Es wurde aufgrund des großen Erfolgs 2017 um weitere drei Jahre verlängert. Für seine vorbildliche Arbeit ist es unlängst von der Initiative Energieeffizienz- Netzwerke ausgezeichnet worden.

Der effiziente Einsatz von Energie ist für Stadtwerke seit langem gelebte Praxis. Mit unserem Energieeffizienznetzwerk ist es uns gelungen, neue Impulse zu setzen und weitere Potenziale zu heben. Wir haben diese in dieser Größenordnung vorab kaum für möglich gehalten. Wir können deshalb die Einrichtung solcher Netzwerke nur empfehlen.

Eine wichtige Rolle bei der Kopplung des Stromsektors mit dem Wärmeund Verkehrssektor spielt die Elektromobilität. Gibt es auch hier Berührungspunkte mit Stadtwerken?

Die Bundesregierung hat 2017 ein Bundesförderprogramm in Höhe von 300 Millionen Euro zum Ausbau der Ladeinfrastruktur aufgelegt. Bis 2020 sollen bundesweit 15.000 öffentlich zugängliche Ladesäulen errichtet werden. Wir unterstützen im Auftrag der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland Stadtwerke bei der Antragstellung. Auf Wunsch übernehmen wir auch Standortsuche, Lieferung, Errichtung, Anschluss und Betrieb der Ladesäulen.

Für die Sektorkopplung benötigen wir mehr Strom aus erneuerbaren Energien. Auch die enviaM-Gruppe investiert hier kräftig und beteiligt Stadtwerke an ihren Anlagen. Wie ist die Resonanz?

Wir haben 2015 ein Investitionsprogramm in Höhe von 250 Millionen Euro zum Ausbau der Strom- und Wärmeerzeugung aus erneuerbaren Energien in Ostdeutschland aufgelegt. Wir kommen bei der Umsetzung gut voran und betreiben mittlerweile an mehr als 50 Standorten entsprechende Anlagen.

Viele Stadtwerke können sich hohe Investitionen in Wind- und Solarparks auf sich allein gestellt nicht leisten. Wir bieten ihnen deshalb an, sich an Anlagen von uns zu beteiligen. Bislang haben zehn Stadtwerke Anteile erworben, so zum Beispiel an unseren Windparks in Briesensee (Brandenburg), Frehne (Brandenburg) und Jerichow-Mangelsdorf (Sachsen-Anhalt).

Grundlage für die Sektorkopplung ist die Digitalisierung der Energieversorgung. Hier sind intelligente Stromzähler ein wichtiger Baustein. Wie arbeitet die enviaM-Gruppe mit Stadtwerken beim Smart Meter Rollout zusammen?

Unser Netzbetreiber MITNETZ STROM ist der größte Verteilnetzbetreiber in Ostdeutschland. 2015 hat er mit anderen Netzbetreibern in der Region eine Anwendergemeinschaft für intelligente Messsysteme gegründet. Ihr gehören knapp 60 Unternehmen, darunter zahlreiche Stadtwerke, an. Sie bereiten sich hier gemeinsam auf die Digitalisierung im Messwesen, den sogenannten Smart Meter Rollout, vor. Die Mitglieder erhalten alle erforderlichen Informationen, sei es zu technischen und kaufmännischen sowie rechtlichen und regulatorischen Fragen.

Die Netzbetreiber der Anwendergemeinschaft sind für mehr als 3,1 Millionen Messgeräte zuständig. Das ist fast ein Drittel aller Stromzähler in Ostdeutschland. Mehr als 40 von ihnen haben MITNETZ STROM als Smart Meter Gateway Administrator beauftragt. In dieser Funktion kümmert sich unser Netzbetreiber dienstleistend um die Einrichtung und Steuerung der intelligenten Messsysteme. Dies zeigt, dass man in der Anwendergemeinschaft das Know-how von MITNETZ STROM zu schätzen weiß. Und der Netzbetreiber arbeitet weiter kontinuierlich an einem intelligenten, steuerbaren und flexiblen Stromnetz.

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