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< Balance von Klimaschutz, Bezahlbarkeit und Verlässlichkeit wahren
14.03.2018 11:44 Alter: 194 days

Innovative Lösungen für nachhaltige Produkte

Die Nachfrage nach klimafreundlicheren Produkten wächst. Mit einem Umsatz von 14,1 Milliarden Euro im Jahr 2017 gehört Covestro AG zu den weltweit größten Polymer-Unternehmen. Covestro konnte schneller als das globale BIP wachsen, so die Aussage auf der Bilanzkonferenz Ende Februar in Leverkusen.


Dr. Klaus Schäfer, Mitglied des Vorstands, Chief Technology Officer (CTO) ist verantwortlich für Produktion und Technik sowie alle Chemie-Produktionsstandorte weltweit und erlaubt im Gespräch Einblicke in die innovative und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Produktpolitik.

Foto: Covestro

Herr Dr. Schäfer, Covestro konnte gerade auf der Bilanzkonferenz hervorragende Ergebnisse verkünden, worauf ist diese Entwicklung zurückzuführen?

Geschäftsschwerpunkte für Covestro sind die Herstellung von Hightech-Polymerwerkstoffen und die Entwicklung innovativer Lösungen für Produkte, die in vielen Bereichen des täglichen Lebens Verwendung finden. Die wichtigsten Abnehmerbranchen sind die Automobilindustrie, die Bauwirtschaft, die Holzverarbeitungsund Möbelindustrie sowie der Elektro- und Elektroniksektor. Hinzu kommen Bereiche wie Sport und Freizeit, Kosmetik, Gesundheit sowie die Chemieindustrie selbst. Covestro produziert an 30 Standorten weltweit.

Covestro konnte sich auch deshalb erfolgreich entwickeln, weil wir mit unseren Produkten und Technologien Lösungen für die Herausforderungen der globalen Megatrends anbieten. Diese Trends sind heute immer noch aktuell und wir bedienen mit unseren Lösungen die daraus entstehenden Bedürfnisse. Diese globalen Trends treiben die Nachfrage und auf deren Basis bieten sich überproportionale Wachstumsmöglichkeiten.

Wir wollen weiterhin vom Wachstum unserer Hauptabnehmerbranchen profitieren. Daher planen wir, unsere Investitionen in den nächsten Jahren deutlich zu steigern. Dabei sollen sämtliche Segmente und Regionen eingeschlossen werden. Ein aktuelles Beispiel: Wir werden rund 200 Millionen Euro investieren, um die Wettbewerbsfähigkeit am Standort Tarragona zu steigern.

Sie nannten Hightech-Polymerwerkstoffe als eines der Kernprodukte, können Sie ein Einsatzfeld nennen?

Die Kühlung von Lebensmitteln ist eine zentrale Frage in der Nahrungsmittelkette und damit für die Versorgung von Milliarden Menschen. Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) verderben Jahr für Jahr weltweit 1,3 Milliarden Tonnen genießbarer Lebensmittel oder landen im Müll. Entsprechend ist eine intakte Kühlkette vom Kühlcontainer bis in den Kühlschrank der heimischen Küche von essenzieller Bedeutung. Steigender Wohlstand eines immer größeren Teils der Weltbevölkerung sorgt sowohl für eine steigende Nachfrage nach frischen Lebensmitteln aus aller Welt als auch nach modernen, effizienten Kühlmöglichkeiten.

Dies bedeutet bezogen auf unser Produktportfolio, dass allein dem Markt für Kühlschrankisolierungen für die nächsten Jahre ein jährliches Wachstum von annähernd acht Prozent prognostiziert wird. An diesem Wachstum partizipiert Covestro, weil wir Polyurethan mit besonders guten Isoliereigenschaften anbieten. Unser Hartschaum auf MDI-Basis ist ein hervorragender Dämmstoff, der in Gebäuden aber auch entlang der gesamten Kühlkette eingesetzt wird, auch für Überseekühlcontainer. Wegen der Nachfrage werden wir die Produktionskapazitäten der lokalen MDI-Anlage um 50.000 Tonnen auf rund 220.000 Tonnen pro Jahr erhöhen.

Gibt es ein aktuelles Beispiel für den Einsatz von hocheffizienten und umweltverträglichen Technologien?

Wir haben an unseren Standorten in Krefeld- Uerdingen und Shanghai vor kurzem zwei Pilotanlagen in Betrieb genommen. Diese ermöglichen es uns, salzhaltiges Industrieabwasser für die Produktion von Kunststoffen wiederzuverwerten. Dadurch schonen wir nicht nur unsere Ressourcen, sondern schützen gleichzeitig die Umwelt. Denn bislang wurde das vorgereinigte Salzwasser noch in die Gewässer eingeleitet, die sich in unmittelbarer Nähe zu den Standorten befinden. Dank der neuen Anlagen können wir nun einen Teil des Abwassers zur Herstellung von Chlor in der Elektrolyse nutzen. Chlor ist wiederum ein wichtiger Rohstoff für die Produktion von Polycarbonat – einem Hochleistungskunststoff, der unter anderem in der Automobilund Elektrobranche vermehrt zum Einsatz kommt. Allein an unserem Standort in Krefeld-Uerdingen lassen sich auf diese Weise jährlich insgesamt rund 16.800 Tonnen Salz einsparen. Das wirkt sich übrigens auch positiv auf unsere CO2-Bilanz aus. Denn mit Hilfe dieser neuen Anlagen können wir den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid vor Ort um fast 1.000 Tonnen pro Jahr reduzieren.

Covestro ist auch in der Energiebranche aktiv?

Der Markt für Offshore-Windkraft verzeichnet weltweit hohe Zuwachsraten. Um das Potenzial dieser erneuerbaren Energie voll auszuschöpfen, müssen Windkraftanlagen allerdings deutlich kosteneffizienter hergestellt und betrieben werden. Die Hersteller fordern einen dauerhaften Korrosionsschutz und geringen Wartungsaufwand. Deshalb sind Kosten- und zeiteffiziente Beschichtungslösungen gefragt und der Korrosionsschutz dieser riesigen Stahlteile verlangt zudem hohe Qualitätsparameter.

Unsere Polyurethanharze sind hervorragend geeignet, um die Rotorblätter effizienter und schneller herzustellen aber auch langlebiger zu machen. Dies gilt genauso für unsere Beschichtungen, die z. B. für einen langlebigen Rostschutz an den stählernen Masten unter den harten Bedingungen auf See.

Zur Nachhaltigkeitsphilosophie von Covestro zählt auch die Nutzung von CO2. Welchen Weg verfolgen Sie hier?

Experten versuchen schon lange CO2, eigentlich ein klimaschädliches Abgas, als Rohstoff zu nutzen. Wir haben bei Covestro ein Verfahren entwickelt, um Kohlenstoffdioxid für die Herstellung hochwertiger Kunststoffe zu verwenden. Das Prinzip ist schnell erklärt: Mit Hilfe von CO2 lässt sich seit kurzem eine neue Art von sogenannten Polyolen herstellen. Das sind Chemiebausteine, die zur Produktion von Polyurethan benötigt werden – einem Schaumstoff, der für viele Alltagsdinge wie Polstermöbel, Sportartikel und Autoteile benötigt wird. Normalerweise basieren Polyole und Polyurethane bekanntlich komplett auf Erdöl. Künftig wird ein Teil des knappen Öls durch CO2 ersetzt.

Dafür haben wir in Dormagen eine Pilotanlage in Betrieb genommen und stellen erstmals ein Vorprodukt für weichen Polyurethan- Schaumstoff mit Kohlendioxid her. Darin lassen sich bis zu 20 Prozent CO2 einbauen und die entsprechende Menge des Rohstoffs Erdöl einsparen. Das Produkt kommt zunächst in Matratzen und Polstermöbeln zum Einsatz. Damit unterstützt das neue Verfahren einen Wandel der Rohstoffbasis und leistet einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit.

Ein weiteres Beispiel für die Schonung von Ressourcen ist Anilin. Anilin dient als Ausgangsstoff für Farben, Kunstfasern, aber auch zur Herstellung von Medikamenten. Selbst in der Raumfahrt kommt es zum Einsatz. Derzeit wird Anilin aus Erdöl gewonnen. Unseren Forschern ist auch hier ein Durchbruch gelungen: Sie haben es in unseren Laboren geschafft, Anilin aus Biomasse herzustellen. Als nächsten Schritt wollen wir dieses Verfahren in einem größeren Maßstab aufsetzen.

Covestro zählt als energieintensives Unternehmen. Welchen Stellenwert hat für Sie der Standortfaktor Energie?

Ohne Frage einen sehr großen. Es ist aber leider Tatsache, dass wir in Deutschland doppelt so hohe Strompreise haben wie in den USA – trotz Vergünstigungen bei einigen Kostenkomponenten. Dadurch besteht die Gefahr, dass energieintensive Produktionen abwandern. Ich halte diesen Schritt für „unanständig“. Denn erstens würden wir dann vermehrt Produkte importieren. Die Klimabilanz in Deutschland wäre vielleicht aufpoliert, dem Weltklima allerdings nicht geholfen. Zweitens würde die Zukunft des Industrie- und Wirtschaftsstandortes Deutschland massiv gefährdet werden. Gleichzeitig ist mir aber auch klar, dass ein einfaches „Weiter so“ nicht der richtige Weg sein kann. Was wir daher hierzulande brauchen, ist die Stabilisierung und Planungssicherheit bei Strompreisen - und zwar auf einem Niveau, das eine wettbewerbsfähige Produktion ermöglicht.

Ein weiterer Ansatz wäre, auf nationale Alleingänge in der Klimapolitik zu verzichten. Denn wenn sich die Regierungschefs der führenden Industrienationen nicht auf ein gemeinsames Vorgehen in Sachen Klimaschutz verständigen können, dann sind Maßnahmen wie das EEG und die Netzentgelte nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Auf diesen Punkt hat jüngst übrigens auch die BDIKlimapfade- Studie noch einmal hingewiesen. Die deutsche Politik sollte sich daher weniger darauf konzentrieren, die eigene Klimabilanz aufzupolieren und sich vielmehr für einen globalen Klimaschutzkonsens einsetzen.

Sollte also mehr Realismus in die Diskussion um Energieverbräuche einziehen?

Wir begrüßen eine nüchterne und sachliche Debatte, wenn es um energieintensive Industrien geht. Als Teil der chemischen Industrie verstehen wir uns als Teil der Lösung beim Klimaschutz. Mit unseren innovativen Produkten und optimierten Verfahren tragen wir mit dazu bei, dass die Energiewende erfolgreich voranschreitet. Auch deshalb habe ich keinen Zweifel daran, dass die deutsche Politik uns als verlässlichen Partner wahrnimmt.

Der Klimawandel ist aber nur eine Herausforderung, die wir in den kommenden Jahren meistern müssen. Die zunehmende Mobilität, eine wachsende Weltbevölkerung und die fortschreitende Urbanisierung sind weitere. Hier gilt es ebenfalls, smarte Lösungsansätze zu finden.

Wir bei Covestro sehen in diesen Entwicklungen Chancen für den technologischen Fortschritt. In unseren Forschungseinrichtungen arbeiten wir täglich daran, Innovationen zu entwickeln, mit denen wir das gesellschaftliche Zusammenleben weltweit verbessern können. Dabei orientieren wir uns stets an dem Grundsatz der Nachhaltigkeit. Das ist unsere Mission.

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