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10.08.2012 12:29 Alter: 5 yrs
Kategorie: Energiewende

Energiezukunft durch Stadtwerke

Stadtwerke sind offen für die Energiewende. Ein Beitrag von Hans-Joachim Reck, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU)


(Foto: VKU)

Die Umsetzung beziehungsweise Nichtumsetzung der Energiewende dominiert seit Monaten die Medienberichterstattung. Seitens der Politik wird seit nun mehr als einem Jahr darüber diskutiert, was nach Fukushima getan werden müsse, um Deutschland den Weg ins Zeitalter der erneuerbaren Energien zu ebnen. Durch das Land ging ein Ruck, der auf eine tatsächliche Trendwende in der Energiepolitik hoffen ließ. Zieht man heute jedoch Bilanz, fällt diese eher nüchtern aus.

Zwar scheinen die Probleme erkannt, doch an der Umsetzung hapert es. Der dringend notwendige Netzausbau auf der lokalen Ebene als auch der Neubau von flexibel regelbaren Kraftwerken ist ins Stocken geraten – daran ändern auch die letzten Spitzentreffen im Kanzleramt nichts – bisher zumindest. Im Bereich der Energieeffizienz tut sich wenig, obwohl alle Maßnahmen zur Energieeinsparung letztlich dämpfend auf die Strompreise wirken. Und Pläne für den langfristigen Aufbau von Speicherkapazitäten sind Mangelware. 

Viele Fragezeichen schweben damit über der Energiewende und an die Stelle von Zuversicht ist allgemeine Skepsis getreten. Für die Energiebranche fehlt es an klaren, zuverlässigen Rahmenbedingungen. Bei einem so wichtigen Umbauprozess und in dieser volkwirtschaftlich entscheidenden Branche, in der langfristige Investitionen getätigt werden, ist gerade ein sicheres Investitionsumfeld von größter Bedeutung. 

Für die rund 900 Stadtwerke in Deutschland ist der Gedanke einer umweltfreundlichen, effizienten und nachhaltigen Energiezukunft seit langem verankerte und vor allem gelebte Praxis, nachvollziehbar in dem am Gemeinwohl orientierten Geschäftsmodell der Stadtwerke. Diese unterstützen die Energiewende mit Milliardeninvestitionen und damit den Umbau des gesamten Energiesystems durch eigene dezentrale Erzeugungsanlagen, den Aus- und Umbau der Verteilnetze, neue Speichermöglichkeiten oder den Ausbau neuer Geschäftsfelder wie Smart Grid und Elektromobilität. 

Stadtwerke nutzen ihre Vorteile, zum Beispiel die Nähe zu den Menschen vor Ort, um die Chancen der Energiewende zu kommunizieren und die Bürger zu beteiligen. Als sehr erfolgreich erweisen sich hier Modelle zur Bürgerbeteiligung, die Stadtwerke oft in Kooperation mit den örtlichen Sparkassen oder Banken anbieten. Beide Partner ermöglichen den Bürgern vor Ort den Erwerb von Kapitalanlagen, vom Klimasparbrief bis hin zum Erwerb von Genossenschaftsanteilen. Die so angelegten Beträge werden dann als Kredite zur Finanzierung von Projekten im Bereich der erneuerbaren Energien ausgegeben. Neben eine attraktiven Verzinsung ihrer Anlage erhalten Bürger als Kapitalanleger einen besonderen Mehrwert: Sie fördern die Energiewende sichtbar vor Ort und partizipieren an regionalen Projekten. 

Wirtschaftlichkeit – Netzausbau - Energieeffizienz 
Bei allen Investitionsentscheidungen stellt sich für Stadtwerke auch immer die Frage der Wirtschaftlichkeit, dazu verpflichtet die unternehmerische Verantwortung. Das gilt insbesondere für den Neubau von Kraftwerken, weil wir ohne konventionelle Kapazitäten nicht auskommen, um die volatile Einspeisung von Strom aus Wind und Sonne ausgleichen. Außerdem müssen alte Kraftwerke durch neue, effiziente Erzeugungskapazitäten ersetzt werden. Eine Investitionsförderung in Form eines Anreizprogramms ist hier dringend geboten. 

Auch der Netzausbau hinkt hinterher. Es wird immer von den großen Transportnetzen gesprochen, obwohl 97 Prozent der erneuerbaren Energien auf lokaler Verteilnetzebene eingespeist werden. Diese Tatsache wird von der Bundesnetzagentur und weiten Teilen der Politik noch immer unterschätzt, dabei ist hier das Nadelöhr der Energiewende. Wichtig ist dabei auch, diese Netze intelligenter zu machen, damit die zunehmend schwankende Energieeinspeisung und der Verbrauch besser gesteuert werden kann. Dafür sind Investitionen in Milliardenhöhe erforderlich. Bisher lässt jedoch die Bundesnetzagentur keine ausreichenden Investitionsbudgets für Verteilnetzbetreiber zu und ignoriert damit den enormen Investitionsbedarf. Deshalb begrüßen wir es, wenn sich Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel gemeinsam mit Bundesumweltminister Peter Altmaier und Bundeswirtschaftsminister Dr. Philipp Rösler, vor Ort bei der Bundesnetzagentur in Bonn über den aktuellen Stand der Netzausbauplanung informieren. 

Ebenso wichtig sehen wir das Thema Energieeffizienz. Denn nach wie vor gilt hier: Die beste Energie ist die, die wir nicht verbrauchen. Um die Energiewende zu vollziehen, werden durch die angestrebten Maßnahmen die Energiepreise vorübergehend moderat steigen. Diesen Preisanstieg können wir durch Energieeffizienzmaßnahmen, auch durch die Verbraucher selber, deutlich abmildern. Zudem fangen der vermehrte Neubau von Gaskraftwerken und die damit einhergehenden Effizienzgewinne die Preissteigerung mittelfristig wieder auf. 

Masterplan für den Umbau 
Die Energiewende bietet die Chance, die Vorreiterrolle Deutschlands auf dem Weg zu einem hocheffizienten, erneuerbaren Energiesystem zu festigen und den dringend notwendigen Wettbewerb auf dem Erzeugungsmarkt anzuschieben. Genauso wie die Ethikkommission vor gut einem Jahr proklamiert hat, sind wir überzeugt, dass auch ohne Kernenergie eine sichere und bezahlbare Energieversorgung möglich ist – ohne Abstriche beim Klimaschutz und mit einem Zugewinn an Arbeitsplätzen. Insofern teilen wir die Zuversicht der Bundesregierung, dass die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands durch den Umstieg auf regenerative Energien gestärkt wird. 

Der Umbau des Energieversorgungssystems ist komplex und vielschichtig. Er bedarf vieler Neujustierungen, Anpassungen, neuer Investitionen und Innovationen. Für die über 100 Einzelmaßnahmen brauchen wir deshalb ein ordentliches Projektmanagement. Eine Leitstelle, die einen durchgetakteten Fahrplan erstellt, den man entsprechend vordefinierter Wegmarken auch noch nachjustieren kann, falls mal etwas nicht klappt. 

Was wir dringend brauchen, ist deshalb ein Masterplan, ohne den der Umbau unserer Energielandschaft in der dafür notwendigen Zeit nicht gelingen wird! Dazu dient auch die stärkere Bündelung der vielen Einzelkompetenzen. 

Im Internet: Opens external link in new windowwww.vku.de