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17.07.2017 07:12 Alter: 65 days

Der Weg in Richtung Zukunftsstadt

Leipzig prosperiert und verzeichnet seit Jahren eine sehr dynamische Entwicklung von Wirtschaft und Bevölkerung.


Wir sprachen mit Dr. Norbert Menke, Sprecher der Geschäftsführung der LVV Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH, zum Beitrag der Leipziger Gruppe für das nachhaltige Wachstum der Stadt.
Fotos: Leipziger Gruppe

Herr Dr. Menke, in der Stadt Leipzig fällt ein neues Erscheinungsbild des kommunalen Versorgers auf, was gab dafür den Anstoß?

Der Anstoß dafür kam aus dem Kreis des Auf­sichtsrates im Jahr 2015. Die Ursachen liegen jedoch tiefer und reichen weiter zurück. Beispielsweise fördern wir seit 2012 verstärkt die Synergien zwischen unseren Tochterunter­nehmen - den Leipziger Stadtwerken, Ver­­­­kehrs­betrieben und Wasserwerken. Gesell­­­­schafter und Geschäftsführung sind überzeugt, dass wir mehr für Leipzig erreichen können, wenn wir diese Kräfte bündeln.

Ein harmonisiertes Erscheinungsbild und eine einheitliche Unternehmensphilosophie sind ein Ausdruck dieser Entwicklung. Im Interesse der Bürger unterstützt ein harmonisierter Auftritt auch die zunehmende Digitalisierung unserer Produkte und Services der öffentlichen Da­seins­vorsorge. Reichlich ein Jahr nach Einfüh­rung unserer Familienmarke können wir eine positive Zwischenbilanz ziehen.

Die Unternehmensgruppe versteht sich als ein Leipziger Impulsgeber, was steht hinter dieser Botschaft?

Die Überzeugung, auf vielfältige Weise für mehr Lebensqualität und Wirtschaftskraft in dem Leipzig von morgen beizutragen. Unsere Infrastrukturen für Energie, Wasser und Nah­verkehr sind Lebensadern der Stadt. Sie sind von zentraler Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung und für den nachhaltigen Umgang mit dem Bevölkerungswachstum. Der wirtschaftliche Impuls unserer Geschäfts­tätigkeit für die Region Leipzig liegt jährlich bei über 500 Millionen Euro. Mehr als 80 Pro­zent unserer  Aufträge verbleiben in der Re­gion. Jeder Euro Wertschöpfung, der durch uns erzielt wird, führt zu weiteren 1,40 Euro Wertschöpfung. Mit rund 4.700 Mitarbeitern sind wir zudem einer der größten Arbeitgeber der Stadt.

Unsere zentrale Herausforderung liegt einerseits darin, die Infrastruktursysteme vorausschauend der dynamischen Bevölkerungs­entwicklung anzupassen. Mit knapp 3 Prozent Bevölkerungswachstum belegt Leipzig heute den Spitzenplatz unter den deutschen Groß­städten. Bis zum Jahr 2030 geht man von über 700.000 Einwohner aus. Andererseits ist in diesem Zeitraum die urbane Energiewende in Leipzig voranzubringen. Das heißt, die CO2-Effizienz in den Sektoren Strom, Wärme und Mobilität kontinuierlich zu verbessern. Mit unseren Geschäftsfeldern haben wir darauf erheblichen Einfluss und als öffentli­ches Unternehmen eine besondere Verant­wortung. 

Schließlich führt die Digitalisierung unserer Infrastrukturen, Produkte und Services sowie die demographische Entwicklung zu einer erhöhten Nachfrage an qualifizierten Fach- und Führungskräften. Bis 2030 müssen wir altersbedingt über 50 Prozent unserer Belegschaft ersetzen. Damit wir im Wettbewerb um die Talente von morgen erfolgreich sind, legen wir großen Wert auf eine gute Zusammen­arbeit mit Handwerkskammer und IHK sowie den ansässigen Hochschulen.

Wir stellen heute wichtige Weichen für das smarte Leipzig der Zukunft. Wichtige Schlüs­sel­projekte von stadtstrategischer oder konzernweiter Bedeutung haben wir in unserem Innovationsprogramm „leipzig.leben.morgen“ identifiziert und einen strukturierten Prozess für dessen Umsetzung in Gang gesetzt. 

Die Leipziger Gruppe vermeldete kürzlich einen erfolgreichen Jahresabschluss 2016. Welche Ergebnisse würden Sie besonders herausheben?

Alle für uns wesentlichen Kennzahlen entwickeln sich weiterhin positiv. Das operative Ergebnis im Konzern stieg um knapp 5 Millionen Euro auf 216 Millionen Euro. Mit Investitionen in Höhe von rund 176 Millionen Euro setzen wir die Investitionsoffensive der letzten Jahre fort und liegen leicht über dem Vorjahr. Gleichzeitig konnten wir unsere Verschuldung weiter senken. 

In vielen Geschäftsbereichen profitieren wir direkt vom Stadtwachstum. Beispielsweise stieg der Wassergebrauch und das Abwasser­aufkommen entsprechend dem Bevölkerungs­wachstum um knapp 3 Prozent. Im Nahverkehr liegen wir mit rund 8 Prozent Wachstum im Fahrgastaufkommen sogar deutlich darüber. Preis- und witterungsbedingt konnte unsere Gas- und Dampf­­turbinenanlage mit über 3.000 Benutzungs­stunden wirtschaftlicher und deutlich häufiger als geplant eingesetzt werden. Der Gesamtumsatz der Gruppe ist jedoch weiterhin rückläufig aufgrund der anhaltenden Kon­solidierung der Aktivitäten im Energie­handel. 

Bei den Investitionen fällt im letzten Jahr insbesondere der Nahverkehr auf. Mit der Mo­der­nisierung unserer Straßenbahnflotte kommt die Investitionsoffensive der letzten Jahre jetzt im Markt an. In der Wasserver­­­­­­sorgung erhöhen wir planmäßig das Investi­tions­niveau für einen grundlegenden Ausbau und Umbau zentraler Systeme der Wasser­ver- und Abwasserentsorgung. In der Energie­ver­sorgung markieren erste Investitionsent­scheidungen in dezentrale, erneuerbare oder hocheffiziente Anlagen zur Strom- und Wär­meerzeugung eine Trendwende.

Sie erwähnten den wirtschaftlicheren Betrieb der Gas-und Dampfturbinen­anlage (GuD). Ist diese Wirtschaft­lichkeit durch das Netzentgelt­modernisierungsgesetz (NEMoG) künftig gefährdet?

Preisbedingt und witterungsbedingt hat sich die Wirtschaftlichkeit unserer GuD-Anlage im Jahr 2016 verbessert. Bei gesunkenen Gas­preisen und steigenden Strompreisen wurde das Kraftwerk deutlich über Plan eingesetzt. Das novellierte Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz und die damit verbundene Förderung verbessert auch die Perspektive der Anlage. Das aktuell beschlossene Netzentgelt­moder­ni­sierungsgesetz (NEMoG) honoriert dauerhaft die netzdienliche Fahrweise der GuD-Anlage. Auch das ist ein wichtiger Bei­trag zur Wirtschaftlichkeit und Systemstabili­tät. Last­nähe, Steuerbarkeit und Flexibilität von Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen sind für ein modernes und wettbewerbliches Strom­markt­design unverzichtbar. Sie leisten einen Beitrag zur Stabilisierung des Energie­versor­gungs­systems bei zunehmender volatiler Einspei­sung. Der Gesetzgeber hat dies in letzter Minute erkannt und im NEMoG verankert. 

Viele kommunale Energieversorger haben im Zuge der Energiewende Probleme, die Anforderungen eines Querverbundes zu stemmen. Die LVV aber kann bilanzielles Wachstum verzeichnen, was macht die Leipziger Gruppe besser als andere?

Was uns sicher von anderen unterscheidet, ist die Stadt in der wir arbeiten: das hoch attraktive Leipzig, Deutschlands Spitzenreiter im Bevölkerungszuwachs. Dynamisches innerstädtisches Wachstum hilft grundsätzlich jedem Infrastrukturdienstleister. Die strategi­sche Fokussierung auf die Region Leipzig zahlt sich aus. Zudem intensivieren und professionalisieren wir die Zusammenarbeit in unserem Unternehmensverbund. Das setzt Synergien frei. Als Management-Holding sind wir jedoch darauf angewiesen, dass unsere Tochterunternehmen den Wandel in ihren Kern­geschäftsfeldern klug gestalten und operativ in gute Ergebnisse umsetzen. Das ist in den letzten Jahren ganz gut gelungen.

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