Nachricht

< Energiewende sektorübergreifend meistern
17.07.2017 12:40 Alter: 126 days

BDEW Kongress mit Schwerpunktthema Convergence

„Industry Convergence“ lautete das Thema des BDEW-Kongresses 2017. Diskutiert wurde u. a. über die Frage: Neue Märkte, neues Wachstum, neue Branche? Die Kongressteilnehmer waren sich einig, der Transformationsprozess in der Energiewirtschaft wird sich weiter verschärfen.


 Wir sprachen nach Abschluss des Kongresses mit Johannes Kempmann, Präsident des BDEW und Technischer Geschäftsführer der Städtischen Werke Magdeburg zu seinen ersten Eindrücken.
Foto: Gerhard Kassner

Herr Kempmann, warum wurde dieses Kongressthema gewählt?

Thema „Industry Convergence“ gestellt, denn der Transformationsprozess in der Energie­wirtschaft wird sich weiter verschärfen. The­men wie „Neue Märkte“, Neues Wachstum“ oder auch „Neue Branche“ können wir nicht einfach ignorieren. Vielmehr müssen wir uns dieser Entwicklung stellen. Denn die auf Ver­sor­ger zukommenden Veränderungen können gewaltig werden. Bereits heute zeigt sich: Das ureigene Geschäft von Versorgungs­unter­nehmen, die Lieferung von Strom und Gas, wird immer aufwendiger und komplizierter.

Gleichzeitig verändert sich die bisherige Wert­schöpfung grundlegend durch die Digi­ta­li­sierung. Zu den etablierten Energieunter­neh­men stoßen neue Marktteilnehmer aus IT und Big Data, Automotive, Projektentwicklung und Wohnungswirtschaft. Dem Trend zur Con­ver­gence können wir nicht ausweichen. Aber wir müssen nicht in Panik verfallen, im Ge­gen­teil: Die Unternehmen der Energiewirt­schaft haben genügend Know-how, um sich auf diese Ver­änderungen erfolgreich einzustellen.

Wie bewertet der Kongress das Thema Sektorkopplung?

Mit der Sektorkopplung ergeben sich neue Chancen für Synergien sowie Kooperationen mit Unternehmen aus unterschiedlichen Sek­toren, insbesondere mit den Bereichen Wär­­me und Mobilität. Es bieten sich interessante Wachs­tumspotentiale, aber auch Risi­ken. Denn die Unternehmen anderer Sek­toren stehen ebenfalls in den Start­löchern und drän­gen in den Energiemarkt. Des­halb ist es jetzt wichtig, innovative Ges­chäftsmodelle zu entwickeln. Hier hat der Kongress vielfach Treiber für eine solche Entwicklung aufgezeigt.

Einer funktionierenden Sektorkopplung stehen noch etliche Hindernisse im Weg, ich nenne hier nur Entgelte, Umlagen und Abga­ben. Und es kann nicht sein, dass einzelne Technologien privilegiert werden. Deshalb fordern wir als BDEW bei diesem Thema beispielsweise mit Blick auf die Potenziale von Gas schon seit langem Technologieoffenheit.

Abschließend die Frage, welche übergreifende Forderung stellen Sie an eine künftige Bundesregierung?

Politik soll ihrer Verantwortung gerecht werden und verlässliche Rahmenbedingungen setzen. Die Gestaltung der erforderlichen Pro­zesse sollte man den Fachleuten der Branche überlassen, die es können. Nehmen wir das Beispiel NEMoG. Die ursprünglich geplante Streichung der Vergütung für steuerbare An­lagen wäre kontraproduktiv gewesen. Diese Anlagen tragen mit ihrer dezentralen Erzeu­gung dazu bei, die Netznutzung zu reduzieren. Lastnähe, Steuerbarkeit und Flexi­bilität von KWK-Anlagen zum Beispiel sind für ein moder­nes und wettbewerbliches Strom­markt­design unverzichtbar. Es ist gut, dass die Politik auf unsere Sachargumente gehört hat und die vermiedenen Netzentgelte erhalten bleiben.

Opens external link in new windowwww.bdew.de