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< Herausforderungen für Stadtwerke im sich ändernden Energiemarkt
28.04.2016 12:00 Alter: 2 yrs
Kategorie: Fokus Energiemarkt 2.0

Innovationen als Kernaufgabe der Zukunft

„Zusammenarbeit schafft Mehrwert“, heißt es im neuen Leitbild der Thüga. Eine wichtigere Rolle wird deshalb künftig das Thema Innovationen spielen. Die Prozesse auf der Innovationsplattform und im Innovationsmanagement wurden bereits neu aufgesetzt.


Foto: Ekkehard Winkler

Dr. Matthias Cord, stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der Thüga AG im Gespräch zu künftigen Anforderungen an das Innovationsmanagement.

Herr Dr. Cord, warum will Thüga ein Strategieprojekt „Innovationen“ noch stärker ausbauen“?

Ein Blick auf die zu erwartenden Entwicklungen im deutschen Energiemarkt zeigt, dass der Stromabsatz in den nächsten zehn Jahren wohl bestenfalls stagnieren wird, während der Wärmemarkt sich sogar auf einen signifikanten Absatzrückgang einstellen muss. Gleichzeitig drängen kontinuierlich neue Spieler in den Markt mit neuen, innovativen Produkten und Geschäftsmodellen.

Man könnte sagen: Die Torte wird immer kleiner, täglich sitzen mehr Gäste an der Kaffeetafel, die etwas abbekommen wollen und dafür kreative Ideen entwickeln. Die Bedeutung von Innovationen für unsere Branche ist bei unseren Partnern umfassend erkannt worden, und alle erwarten, dass wir das Thema noch stärker ausbauen. Bei der Entwicklung von Innovationen wollen wir zum einen noch schneller und transparenter für unsere Partnerunternehmen werden – und zum anderen auch insgesamt effizienter.

Auf welche Schwerpunkte orientiert die Strategie?

Grundsätzlich gibt es innovative Themen an sehr vielen Stellen in den Kernprozessen, und es werden sich im Laufe der Zeit noch neue Spielfelder ergeben, die uns heute noch nicht bekannt sind. Ein Schwerpunkt wird auf jeden Fall die Digitalisierung sein. Hier sehen wir Potential entlang der gesamten Wertschöpfungskette, und viele Entwicklungen werden indirekt davon beeinflusst sein. Ganz konkret wird für uns zum Beispiel Demand Response – sprich die Nutzung vorhandener Nachfrage-Flexibilitäten - eine Rolle spielen.

Auch die Entwicklung von Eigenverbrauchsmodellen ist eine Option. Hier sind wir teilweise schon sehr aktiv. So haben wir mit dem Startup-Unternehmen eness, an dem wir uns mittlerweile auch beteiligt haben, ein gemeinsames Geschäftsmodell entwickelt, bei dem es um den Vertrieb von Solaranlagen mit Speicher geht. Und natürlich bieten Bereiche wie Energieeffizienz genauso wie Smart Home zahlreiche Ansätze für Entwicklungen.

Gehört die Zusammenarbeit mit Startup-Unternehmen demnach zu Ihrer Strategie?

Wir wollen zukünftig zu energienahen Themen verstärkt mit Startup-Unternehmen zusammenarbeiten. Denn diese neuen Spieler können uns sowohl helfen, innovative Ideen zu generieren, als auch Produkte zu entwickeln und damit Prozesse zu beschleunigen, die wir in unserer klassischen Organisationsstruktur gar nicht darstellen könnten. Eine frühe Positionierung gerade in Wachstumsmärkten ist essentiell, um sich als kompetenter regionaler Ansprechpartner zu etablieren. Hier seien beispielhaft unsere Smart Home- und Solarprodukte genannt.

Wie läuft der Innovationsprozess bei Ihnen ab?

Wir haben einen klar definierten Prozess, welchen die Innovationsabteilung der Thüga übergreifend koordiniert. Das beginnt schon beim Identifizieren von Ideen: Die Abteilung Innovationen „scoutet“ aktiv Ideen im Markt, an Universitäten und Forschungseinrichtungen sowie in der Startup-Szene und tauscht sich regelmäßig mit Vertretern auch aus anderen Abteilungen der Thüga und mit unseren Partnerunternehmen darüber aus. Die Ideen werden priorisiert und anschließend einem regelmäßig tagenden Entscheidergremium vorgestellt. Gemeinsam wird nun entschieden, welche Ideen in welcher Form umgesetzt werden. Auch die Projektkonzeption, die Pilotierung und der Übergang in den Betrieb laufen streng formalisiert und in enger Abstimmung zwischen den relevanten Abteilungen der Thüga und den Gremien ab. Durch dieses Vorgehen werden Innovationen auf allen Ebenen der Thüga Aktiengesellschaft und der Gruppe fest verankert.

Welchen Nutzen erwarten die Partnerunternehmen der Thüga-Gruppe?

Unsere Partner erwarten von uns, dass wir gemeinsam neue, marktfähige Lösungen für und mit den Unternehmen der Thüga- Gruppe entwickeln, um die regionalen Marken zu stärken. Ziel dieser Neuaufstellung ist, dass wir vorhandenes Innovations- Know-How in der Thüga Aktiengesellschaft, aber auch der Thüga-Gruppe bündeln, damit alle davon profitieren können. Sicherlich könnten einige Stadtwerke Innovationen auch alleine stemmen. Aber durch die gemeinschaftliche Finanzierung von Projekten rund um die neuen Technologien der Energiewirtschaft können Innovationen schneller und effektiver an den Markt gebracht werden. Wesentliches Kriterium für die Themenauswahl ist die wirtschaftliche Tragfähigkeit und Skalierbarkeit der Innovation, so dass für möglichst viele Partnerunternehmen ein Mehrwert geschaffen wird.

Wir sind überzeugt, dass in der Zusammenarbeit von „Netzwerken“ die beste Lösung für effektive und effiziente Entwicklungen liegt. Damit können auch Nachteile geringer Kundenzahlen des jeweiligen Stadtwerkes zur Refinanzierung der notwendigen Investitionen in die Systeme ausgeglichen werden. Genau das ist die Thüga-Philosophie: Denn wir bringen das Know-how von über 100 Stadtwerken zusammen, und zwar im Lösungsnetzwerk der Thüga-Gruppe.

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