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20.01.2012 11:26 Alter: 6 yrs
Kategorie: Erdgas

Engagiert für Ostsachsen - ein Netzwerk regionaler Energiepartner

DREWAG-Stadtwerke Dresden GmbH und ENSO Energie Sachsen Ost AG haben seit 2010 die Chance, erstmalig unter einem gemeinsamen kommunalen Dach stärker zu kooperieren und sich gemeinsam mit den regionalen Stadtwerken zu einem starken ostsächsischen EnergieVerbund zu entwickeln. Zur Führung und Steuerung dieser Entwicklung hat die Landeshauptstadt Dresden die EnergieVerbund Dresden GmbH gegründet. THEMEN:magazin sprach mit den EVDGeschäftsführern Reiner Zieschank, (im Bild links) zugleich Geschäftsführer der DREWAG Stadtwerke Dresden GmbH, und Dr. Reinhard Richter, auch Vorstand der ENSO Energie Sachsen Ost AG sowie Geschäftsführer der DREWAG.


Reiner Zieschank, zugleich Geschäftsführer der DREWAG Stadtwerke Dresden GmbH
Dr. Reinhard Richter, auch Vorstand der ENSO Energie Sachsen Ost AG sowie Geschäftsführer der DREWAG

Die EnergieVerbund GmbH wurde im Frühjahr 2010 gegründet. Wie waren die Ausgangspositionen?
Reiner Zieschank:
 Bis vor rund einem Jahr gab es in der Energielandschaft von Ostsachsen ein eingespieltes Team: die Landeshauptstadt Dresden – über die TWD – mit ihren lokalen Beteiligungen auf der einen, die EnBW – über die GESO – mit lokalen und regionalen Beteiligungen auf der anderen Seite. DREWAG und ENSO hatten sich zu sehr starken, erfolgreichen Unternehmen entwickelt. Die Zäsur fand mit dem geänderten Wachstumskurs der EnBW und der damit zusammenhängenden Kartellauflage statt. Die GESO stand zum Verkauf, es wurde ein Bieterverfahren eröffnet. Hier ergab sich eine einmalige Chance für die Region. Das Resultat ist bekannt: Die GESO wurde von TWD gekauft und auf die EVD verschmolzen. Jetzt existiert in Ostsachsen ein starker kommunal geführter EnergieVerbund.

Warum war es so wichtig, die GESO zu erwerben?
Dr. Richter:
 
Schauen Sie sich die Veränderungen in Sachsen an: EnviaM und Mitgas kooperieren immer enger. Erdgas Südsachsen und die Stadtwerke Chemnitz haben fusioniert. Da lag es doch auf der Hand, dass eine Aufspaltung der ostsächsischen Energiewirtschaft verhindert und die vernünftige sowie erfolgreiche Verflechtung erhalten werden musste. Nicht nur die DREWAG, sondern die gesamte Region Ostsachsen wäre von den möglichen Auswirkungen des Verkaufs betroffen gewesen. GESO hielt nicht nur Anteile an beiden Großunternehmen, sondern auch an sieben kleineren Stadtwerken. Es ging darüber hinaus um Unternehmensstandorte, Arbeitsplätze und die lokale Wertschöpfung in der Region. Wir haben keinen Sanierungsfall gekauft, sondern einen Beitrag zum Fortbestand erfolgreicher eigenständiger Unternehmen in der Region leisten können. Die Oberbürgermeisterin von Dresden, der Finanzbürgermeister und die Stadträte haben dieses Potential sehr zeitig erkannt. Nur so konnte ein breiter politischer Konsens erreicht werden.

Und die TWD erhielt den Zuschlag …
Reiner Zieschank: Ja, wir haben die Turbulenzen des Verkaufsvorganges überstanden und mit einem ausgewogenen Angebot überzeugt. Hierbei hatten wir glücklicherweise immer den erforderlichen Rückenwind durch gute Rahmenbedingungen, z. B. die Rückkaufsoption der DREWAG, den generellen Trend zu Rekommunalisierung, die historisch günstigen Finanzierungskonditionen und natürlich die Stadt Dresden als prosperierende Stadt mit strategisch denkenden Akteuren und nicht zu vergessen einer städtischen Bürgschaft. 

Worin sehen Sie die Vorteile eines städtisch geführten Energieverbundes?
Dr. Richter:
 
Die Energieversorgung befindet sich in einer Transformationsphase. In solchen Zeiten gibt es keine geradlinigen Strategien mit jahrzehntelangem Bestand. Die großen Versorgungsunternehmen sortieren sich neu, trennen sich von Beteiligungen und weniger rentablen Geschäftsfeldern. Die zukünftige Energieversorgung wird dezentraler sein und immer stärker von politischen Rahmenbedingungen beeinflusst werden. Dies bedeutet, dass die Region noch stärker als bisher mit der Energieversorgung verknüpft sein wird. Denken wir nur an die neuen Erzeugungsanlagen (Windräder, Biogasanlagen, Photovoltaikanlagen und Wasserkraftwerke). Mit der EVD haben wir einen starken Versorgungsverbund, mit dem wir vor Ort auf die erforderlichen Veränderungen reagieren können. Entscheidungen werden dort getroffen, wo sie wirksam werden. Wir werden weiterhin verlässlicher Partner der Kommunen sein.

Gab es auch Vorbehalte in der Region gegen die EVD?Reiner Zieschank: Das ist fast die Frage nach den Königskindern. In das Bieterverfahren sind wir konsequent und voller Elan im Konsortium mit den Umlandgemeinden gestartet, sprich mit der KBO als Vertreterin der Region. Im Laufe des Verfahrens trennten sich dann leider unsere Wege und am Ende erhielt allein die TWD den Zuschlag. Das heißt jedoch nicht, dass unser ursprünglicher Ansatz falsch war. Im Gegenteil, wir sind davon überzeugt, dass wir die Entwicklungschancen des EnergieVerbundes nur gemeinsam mit und in der Region nutzen können. Dies sehen viele Vertreter der Region ebenso, die uns mit großer Sympathie als neue Partner begrüßten. Selbstverständlich wird von den regionalen Vertretern sehr sorgfältig darauf geschaut, ob nun Wertschöpfung und Nutzen des EnergieVerbundes in die Landeshauptstadt verlagert werden – zu Lasten der Städte und Gemeinden Ostsachsens. Diese Sorge nehmen wir sehr ernst. Wir werden einen fairen und vertrauensvollen Umgang finden.

Wo sehen Sie die Zukunft des EnergieVerbundes?
Dr. Richter:
 Es wird zunehmend schwieriger, unter den Rahmenbedingungen der weiteren Regulierung des Marktes und des zunehmenden Wettbewerbs wirtschaftlich erfolgreich zu agieren. Die Anforderungen werden komplexer und erfordern Innovationsbereitschaft. Darüber hinaus wächst die Aufgabe der Energiewirtschaft für Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Gemeinsam sind wir für die neuen Herausforderungen wesentlich besser aufgestellt. Nur so können wir die Vorteile unserer regionalen Verwurzelung nutzen. Dabei nutzt allein schon der erfolgreiche Fortbestand des Netzwerks der Unternehmen der Region. Darüber hinaus verbleiben nun auch die Gewinne hier. Aber natürlich rechnen wir auch mit möglichen Skalen- und Synergieeffekten durch vergrößerte Netz-, Beschaffungs-, Erzeugungs-, Vertriebs- und Dienstleistungsvolumina im EVD-Konzern. Und mit der gemeinsamen Kompetenz können wir gezielt Chancen zur Verbesserung bestehender Prozesse und zum Aufbau neuer Geschäftsfelder nutzen. Kurz: Viele Starke werden gemeinsam noch stärker.

Wird jetzt also eine Fusion angepeilt?
Reiner Zieschank: Natürlich sind uns die Gedanken der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen hinsichtlich einer Fusion bekannt. Die meisten Beispiele von Fusionen sind negativ. Es entstehen große Reibungsverluste, Unternehmenskulturen prallen aufeinander und es entsteht fast überall die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz. Das hat mit Aufbruch und Motivation wenig zu tun. Deshalb wollen wir keine klassische Fusion und dies wäre gar nicht sinnvoll, denn die Branche befindet sich definitiv in einem Wandel. Dieser wird auch Veränderungen für ENSO und DREWAG beinhalten. Wir setzen deshalb auf die sachbezogene Bündelung von Kompetenzen, wollen zukünftige Veränderungen verstärkt gemeinsam angehen und überall da, wo es wirtschaftlich sinnvoll ist, zusammenrücken. Es bietet sich hierfür ein breites Spektrum an, von der Beschaffung und dem Einkauf über die Bereiche der Erzeugung, IT und Telekommunikation bis hin zum Vertrieb und der Abrechnung. Hierbei können wir auf viele Hinweise der Mitarbeiter und die bereits mehrfach bewiesene Flexibilität der Belegschaft bauen. Wir haben ein gutes Fundament und wollen teamorientiert die Stärken ausbauen. 

Wir danken für das Gespräch. 
Informationen im Internet: Opens external link in new windowwww.evd-dresden.de

Gasturbinen Heizkraftwerk an der Nossener Brücke, Dresden