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27.10.2015 16:37 Alter: 2 yrs
Kategorie: Wirtschaftsfaktor Energie

Energiepolitik muss Stadtwerke stärken

Nach ihrer Wahl durch den Vorstand im Februar 2015 hat Katherina Reiche zum 1. September 2015 die Verantwortung als neue Hauptgeschäftsführerin des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) übernommen.


Foto: Laurence Chaperon

Als Spitzenverband der kommunalen Wirtschaft vertritt der VKU über 1.400 kommunalwirtschaftliche Unternehmen in den Bereichen Energie, Wasser/Abwasser, Abfallwirtschaft sowie Telekommunikation.

Am Rande des Stadtwerkekongress des VKU in Osnabrück hatten wir Gelegenheit zu einem Gespräch.

Frau Reiche, welche Schwerpunkte setzen Sie für die kommenden Monate?

Wir haben einen klaren Auftrag: Wir müssen Versorgungssicherheit für den Industriestand ort Deutschland sichern und dafür sorgen, dass Privatkunden und Gewerbe Strom, Gas sowie Wärme zuverlässig und zu fairen Preisen bekommen. Dafür brauchen wir vor allem verlässliche ordnungspolitische Rah menbedingungen. Nur so können wir in Zukunft dem hohen Qualitätsanspruch der Bürger und unserer kommunalen Eigentümer genügen.

Durch die Digitalisierung wachsen Infrastrukturen und Dienstleistungen auch im Energiebereich zusammen. Die dabei gewonnenen Daten gehören in die vertrauenswürdigen Hände kommunaler Unternehmen. Sie sind die Grundlage für neue Geschäftsmodelle.

Wie lautet Ihre Botschaft an die Politik zur Gestaltung der Energiewende?

Die Stadtwerke sind das Rückgrat der Energiewende. Mit ihren mehr als 100.000 Mitarbeitern sorgen sie dafür, dass unsere Bürger, Gewerbe und die Industrie verlässlich mit Strom, Wärme und Gas versorgt werden. Wir sind Partner bei der Umsetzung der Energiewende, brauchen dafür einen sinnvollen Transformationsprozess hin zu einer dezentralen Energieerzeugung, damit diese auch in der Zukunft wirtschaftlich betrieben werden kann. Zudem schaffen wir vor Ort Lösungen über die gesamte Wertschöpfungskette hinaus sowie über die Querverbünde in andere relevante Felder.

Wie bewerten Sie den aktuellen Referentenentwurf des BMWi für ein Strommarktgesetz?

Die vorgeschlagenen Maßnahmen reichen aus Sicht der Stadtwerke nicht aus, um Versorgungssicherheit und Preiswürdigkeit langfristig zu gewährleisten, weil sie nur im gegenwärtigen Marktumfeld mit seinen Über kapazitäten funktionieren. Ab Anfang der 2020er Jahre werden diese aber abgebaut sein. Dann braucht es neue Kraftwerke, die sich aber im vorgesehenen Rahmen nicht finanzieren lassen. Das BMWi setzt in seinem Ansatz vor allem auf Preisspitzen und Langfristverträge für Kapazitäten und auf die Flexibilisierung des Marktes. Es scheint aber unrealistisch, dass langfristige Investitionen alleine auf der Grundlage von Preisspitzen getätigt werden.

Die Aussagen zu Markt und Wettbewerb aus dem Bundeswirtschaftsministerium sind widersprüchlich. Die geplanten Netz- und Kapazitätsreserven sollen zwar außerhalb des Marktes agieren, beeinflussen aber den Regelenergiemarkt massiv. Somit greift das Ministerium weiterhin in den Strommarkt ein, anstatt für einen fairen Wettbewerb zu sorgen. Auch die Befugnisse der Bundes netzagentur werden durch die geplante Reform des Strommarktes weiter gestärkt. Aus Sicht des VKU gibt es hier noch dringenden Anpassungsbedarf.

Danke für das Gespräch.

www.vku.de