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28.04.2016 11:45 Alter: 1 year
Kategorie: Fokus Energiemarkt 2.0

Der Energieeffizienzmarkt – Ein Markt in Bewegung

Der aktuell vorliegende „Branchenmotor Energieeffizienz 2016“ gibt Einblick in die Energieeffizienzbranche. Die Marktanalyse basiert auf einer Unternehmensbefragung, die die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e. V. (DENEFF) in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) durchgeführt hat. Martin Bornholdt, Geschäftsführender Vorstand und Claire Range, Managerin Energieeffizienz in Industrie und Gewerbe bei der DENEFF werfen einen Blick auf die Entwicklung des Energieeffizienzmarktes.


Fotos und Grafiken: DENEFF

Energie soll künftig in allen Bereichen sparsamer und effizienter eingesetzt werden. Lösungen dafür kommen aus fast allen Wirtschaftszweigen – von Energieversorgern und Contractoren über Baustoffhersteller, Gebäudetechnikspezialisten, Beratungsfirmen, Software- und Messtechnikanbieter sowie Maschinenbauer bis hin zu Finanzdienstleistern.

Die Energieeffizienzbranche wächst überdurchschnittlich, obwohl die Energiepreise sinken und immer weniger als Markttreiber wirken. Laut Branchenmonitor wurden 2015 mit Energieeffizienzlösungen ca. 535.000 Menschen beschäftigt und ein Umsatz von 135 Milliarden Euro erwirtschaftet, 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Diese Entwicklung liegt weit über dem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum.

Wesentliche Trends in der Branche sind Digitalisierung und neue Kundenbedürfnisse. Bremsend könnten sich der chronische Fachkräftemangel und sinkende Energiepreise bei Öl und Gas auswirken. Um die positive Entwicklung beibehalten zu können, setzt die Branche auf die Politik. Sie muss die angestoßenen Instrumente zur Steigerung der Energieeffizienz nun konsequent umsetzen und vor allem langfristige Planungssicherheit bieten.

Der Markt für Energieeffizienzlösungen wächst

Energieeffizienzlösungen finden einen attraktiven Wachstumsmarkt, so dass die Konkurrenz laut der Befragten hoch ist mit ,steigender Tendenz. Hier sind rund ein Drittel der Wettbewerber „Newcomer“, also Start-ups oder Unternehmen die bislang im Bereich der Energieeinsparung nicht aktiv waren. Trotzdem wollen die etablierten Unternehmen ihr Energieeffizienzgeschäft weiter ausbauen, vor allem in Deutschland: 77 Prozent der Befragten planen, den Geschäftsbereich Energieeffizienz hierzulande zu erweitern, im europäischen und nicht-europäischen Ausland sind es immerhin noch jeweils etwa zwei Drittel. 

Als Motor für die technischen Entwicklungen sehen die Befragten Themen rund um die Digitalisierung: so stellen „lastabhängige und bedarfsgerechte Steuerung von Anlagen“ sowie „IKT- und Softwareinnovationen und mobile Integration“ die wichtigsten Trends bei der technischen Produktentwicklung dar. Entsprechend wird in diesen Bereichen auch ein hoher Forschungsbedarf identifiziert.

Mit dieser Entwicklung Hand in Hand geht die Entstehung neuer Kundenbedürfnisse, so die Wahrnehmung der Energieeffizienzbranche. Wie wichtig diese für den Markt sind, haben die Unternehmen bereits erkannt. Entsprechend konstatierten sie auch einen hohen Bedarf an Marketinginnovationen. Überraschend: Eine systematische Markt- und Kundenforschung nimmt trotz dieser Erkenntnisse nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Unternehmen regelmäßig vor – eine Herausforderung der sich die Branche stellen muss.

Chronischer Fachkräftemangel kann zur Wachstumsbremse werden

Ein großes Problem sehen die Energieeffizienzunternehmen im chronischen Mangel qualifizierter Fachkräfte. 41 Prozent der Befragten beurteilen die Verfügbarkeit als schlecht, in der Vorjahresbefragung waren es nur 33 Prozent. Insbesondere Akademiker und Techniker werden benötigt, auch um mit dem Digitalisierungstrend Schritt halten zu können. Die Stimmung in der Energieeffizienzbranche ist trotz der sehr positiven Marktentwicklung etwas schlechter als im Vorjahr, nur noch 25 Prozent bewerten sie als gut oder sehr gut, 2015 waren dies noch 37 Prozent. Ursache hierfür mag sein, dass der Zukunftsausblick eher getrübt erscheint bei sinkenden Energiepreisen, steigender Konkurrenz und schwieriger Planbarkeit wegen unsicheren politischen Rahmenbedingungen.

Der Ball liegt bei der Politik

Und das ist genau das Stichwort: waren in den vergangenen Jahren immer die Energiepreisentwicklungen die Markttreiber Nummer eins, sind diese auf Platz 5 abgerutscht und die politischen Rahmenbedingungen sind an die Spitze gerückt. Die Hoffnungen der Anbieter liegen jetzt also bei der Politik. Die Befragten werten die politischen Rahmenbedingungen sogar relevanter für die Marktentwicklung als den beschriebenen Digitalisierungstrend und die veränderten Kundenbedürfnisse. Fraglich bleibt, ob die politischen Instrumente die wegbrechenden „Business Cases“ in der Energiekostenrechnung kompensieren können. 

Diejenigen Maßnahmen, welche die Politik in Deutschland und EU-weit zur Steigerung der Energieeffizienz bereits angestoßen hat, werden überwiegend positiv bewertet. In Deutschland umfasst dies 27 Instrumente, die der Ende 2014 verabschiedete „Nationale Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE)“ in drei Handlungsfelder bündelt: „Energieeffizienz im Gebäudebereich“, „Energiesparen als Rendite- und Geschäftsmodell“ und „Eigenverantwortlichkeit für Energieeffizienz“.

Für den Gebäudebereich werden größere Impulswirkungen von den Instrumenten erwartet, die finanzielle Anreize setzen, allen voran von der steuerlichen Förderung energetischer Gebäudesanierungen. Gerade dieses Instrument gilt jedoch als politisch gescheitert. Um Energieeffizienz als Renditeund Geschäftsmodell weiter zu etablieren, hat für die meisten Unternehmen eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für Energiedienstleistungen Priorität.

Im Bereich „Eigenverantwortlichkeit für Energieeffizienz“ wird die Verpflichtung für große Unternehmen, vierjährlich ein Energieaudit durchzuführen am besten beurteilt.

Dass ausgerechnet ein ordnungsrechtliches Instrument die Eigenverantwortlichkeit für Energieeffizienz stärken soll, erstaunt auf den ersten Blick. Doch die verpflichtenden Audits sollen die Unternehmen durch das Aufzeigen von Einsparmöglichkeiten sensibilisieren, im Anschluss freiwillig mehr zu tun. Dass dies funktioniert, zeigt sich allein darin, dass mehr als drei Viertel der Befragten, die selbst der Auditpflicht unterlagen, deutlich über die gesetzlichen Anforderungen hinausgegangen sind.

Zukunftssorge: Politische Rahmenbedingungen

Diesem Positivbeispiel zum Trotz: Es wurden bei weitem noch nicht alle Instrumente vollständig umgesetzt. Und ob sie, auch bei vollständiger Umsetzung, die von der Bundesregierung erhoffte Einsparwirkung erreichen können, steht in den Sternen. Selbst bei vollständiger Umsetzung bisheriger Vorhaben fehlen noch 5 Prozentpunkte zum Erreichen des 20-Prozent-Primärenergieeinsparziels für 2020, wie das Fraunhofer ISI zeigte.

Handelt es sich bei der positiven Bewertung durch die Unternehmen also um Vorschusslorbeeren? So könnte eine positive Marktdynamik ja auch zur Übererfüllung der Erwartungen führen. Der Branchenmonitor zeigt aber vor allem eines: Die größte Zukunftssorge der Unternehmen liegt in der Zuverlässigkeit der politischen Rahmenbedingungen. Wird der NAPE nicht konsequent weiterverfolgt, könnte das derzeit positive Klima schnell kippen.

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